Zwei Corona-Lockdowns

Gastronomen klagen: „Das Jahr ist gelaufen“

Reinhold Thun in der Küche seines Hotel-Restaurants Alte Linden in Altena-Dahle
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Reinhold Thun in der Küche seines Hotel-Restaurants Alte Linden in Altena-Dahle

Seit zehn Monaten ist für die Gastronomen alles anders. Sie müssen gerade den zweiten Lockdown irgendwie verkraften. Hoffnungen auf Weihnachtsgeschäft haben die Altenaer Wirte aufgegeben.

Altena – Wieder hat es sie hart getroffen. Außer-Haus-Verkauf und Lieferservice helfen. Ein Ersatz für das gewohnte Geschäft sind sie aber nicht. Erst recht nicht in der beginnenden Weihnachtszeit. Ein Überlick.

Alte Linden: Wildragout zum Abholen am Wochenende

Erstmals versucht sich das Restaurant „Alte Linden“ in Dahle nun auch mit einem Abholservice über Wasser zu halten. Gestartet ist der Mitte November – von Freitag bis Sonntag. „Beim ersten Lockdown hatten wir das noch nicht angeboten“, sagt Inhaber Reinhold Thun, als er das Essen vorbereitet. Am Wochenende (21./22. November) gibt wieder die Gerichte Gänsebraten und Wildragout auf telefonische Vorbestellung.

Gut 80 Portionen konnte er in der vergangenen Woche verkaufen. Das sei besser als nichts, aber auch nicht berauschend, meint der Inhaber. „Ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Immerhin könne so gezeigt werden: „Wir sind noch da.“

Keine Hoffnung auf Weihnachtsgeschäft

Besserung ist vorerst nicht in Sicht. „Das ganze Weihnachtsgeschäft ist kaputt“, sagt Thun. Weihnachtsfeiern fallen in diesem Jahr flach, und wie es weiter geht, das wisse auch keiner. Am Mittwoch wird die Regierung weitere Maßnahmen beschließen. Für viele Kunden, die sonst auch aus Werdohl oder Lüdenscheid zum Essen nach Dahle gefahren seien, komme der Abholservice jedenfalls nicht infrage. „Bis dahin ist das Essen kalt.“

Auch das Hotel musste Thun schließen. Kommen dürfen seit Anfang November nur noch Geschäftsreisende. Ewig gehe das so nicht weiter. „Das Jahr können Sie vergessen“, sagt er. „Heute 22 000“, fügt er mit Blick auf die Neuinfektionen am Donnerstag hinzu. „Ich glaube nicht mehr an den Dezember.“

Restaurant Dalmatia: Lieferservice ohne Aufpreis

„Nicht so toll“ findet auch Ivan Renic die Situation. Seine Mutter ist Inhaberin des kroatischen Restaurants Dalmatia. Beim ersten Lockdown sei es noch besser gelaufen, sagt er. Bei der Lokalität an der Rahmedestraße 217 können Kunden Mahlzeiten abholen und sich diese momentan auch liefern lassen, „ohne Mehrkosten“, unterstreicht Renic.

Mit Blick auf weitere Maßnahmen sagt er: „Viel schlimmer kann es für uns nicht werden.“ Mehr als Schließen ginge nicht; eine Abholung von Essen könne schlecht verboten werden. Für Restaurants könne es eigentlich nur besser werden, sagt er und hat ein bisschen Hoffnung. Ein richtiger Ersatz sei der Liefer- und Abholservice aber nicht für das Restaurant-Geschäft. Wie lange es so noch geht? „Das lässt sich schwer vorhersagen.“

Gasthaus Pilling: „Gastronomie braucht langfristigen Plan“

„Den Umständen entsprechend gut“ läuft es im Gasthaus Pilling, sagt Patrick Hochstein, Inhaber des ältesten Restaurants in Altena. Auch in der Nette können Speisen nach Bestellung abgeholt werden. Lieferungen sind ebenfalls möglich.

Patrick Hochstein im Gasthaus Pilling.

Hochstein fordert aber auch: „Die Gastronomie braucht einen langfristigen Plan – und nicht nur die“, bedauert Hochstein. Er sagt’s und muss auch schon wieder auflegen, um Essen auszuliefern.

Restaurant Kuzina: „Alles sehr ruhig“

Mediterrane Speisen gibt es in der Altenaer Innenstadt beim Restaurant Kuzina – momentan nur über den Außer-Haus-Verkauf. Zurzeit sei alles „sehr ruhig“, erklärt Mitarbeiter Sokrates Agnantis. Er hofft darauf, dass das Lokal bald wieder öffnen kann. Und so viel steht fest: Nicht nur er hofft darauf.

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