Rigider Sparkurs: Busunternehmer kämpft um Existenz

Busunternehmen Bösert in Altena-Evingsen: In ein neues Fahrzeug haben Astrid und Volker Bösert investiert.
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Busunternehmen Bösert in Altena-Evingsen: In ein neues Fahrzeug haben Astrid und Volker Bösert investiert.

Keine Gruppenreisen, Klassenfahrten oder Touren zu Weihnachtsmärkten: Alle Hoffnungen für ein gutes Geschäftsjahr haben sich bei Volker Bösert zerschlagen. Der Busunternehmen kämpft mit einem rigiden Sparkurs um die Existenz.

Altena – Das Reisebusunternehmen Bösert hat mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Bösert ist ein Familienbetrieb mit Sitz in Evingsen und fährt normalerweise mit jedem seiner vier Busse zwischen 60 000 und 70 000 Kilometer jährlich. Im Moment stehen aber wieder die Räder still, denn seit Anfang und mindestens noch bis Ende November sind touristische Reisen erneut untersagt.

Insgesamt ruht der Betrieb schon seit dem Frühjahr größtenteils: Auch von März bis Mai war das Reisen nur mit starken Einschränkungen möglich. Erst Anfang Juli fuhr Bösert wieder die erste Venlo-Tagestour nach dem Lockdown. Die Auftragslage blieb aber dünn. „Im Juli und August hatte es sich durch die Ferien ein bisschen gebessert, aber auch das war nicht der Rede wert“, sagt Geschäftsführer Volker Bösert. Danach schlief das Geschäft wieder ein.

Keine Hoffnung auf Skifreizeiten

„Wir hatten für dieses Geschäftsjahr noch auf Fahrten zu Weihnachtsmärkten gehofft“, sagt Bösert. Diese Hoffnung verblasse aber mit Blick auf die Corona-Fallzahlen und Absagen von Weihnachtsmärkten mehr und mehr. „Dieses Jahr ist für uns gelaufen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es vor Ostern im nächsten Jahr auch nicht wieder besser wird.“ Skifreizeiten, zu denen Bösert sonst Schulgruppen fährt, fänden im Winter mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls nicht statt.

Seine Belegschaft hat der Unternehmer in Kurzarbeit geschickt. „Ich habe niemanden entlassen. Ein Mitarbeiter ist im gegenseitigen Einvernehmen zu einem anderen Unternehmen gewechselt, weil er dort in vollem Umfang arbeiten kann statt Kurzarbeitergeld zu beziehen.“ Mit der Kurzarbeit versucht Bösert, Kosten zu sparen, um sein Unternehmen vor dem Bankrott zu retten. Andere Busunternehmen, Kattwinkel Reisen zum Beispiel, gaben infolge ausbleibender Aufträge bereits den Betrieb auf, um so eine Insolvenz abzuwenden.

Fahrzeugflotte abgemeldet

Als weitere Sparmaßnahme hat Volker Bösert seine gesamte Fahrzeugflotte beim Straßenverkehrsamt abgemeldet; Aufträge gibt es momentan ohnehin so gut wie keine. So kann sich der Unternehmer vorübergehend die Unterhaltskosten, also Versicherungsgebühr (6000 Euro pro Fahrzeug im Jahr) und Kfz-Steuer (600 Euro pro Fahrzeug im Jahr), sparen.

„Sollte doch eine Reise gebucht werden, müsste ich kurzfristig zum Straßenverkehrsamt nach Iserlohn fahren, den Bus erst wieder an- und dann nach der Tour wieder abmelden“, so Volker Bösert.

Vier von fünf Bussen hat Volker Bösert abgemeldet.

Als einziges Fahrzeug der Bösert-Flotte ist der kleine Bus, der im Linienverkehr zwischen Evingsen und Dahle fährt, regelmäßig unterwegs. Miete müsse Bösert zum Glück nicht zahlen. Die Fahrzeughalle gehört ihm; für sie fallen lediglich Energiekosten an.

Bösert vergleicht die Situation in seiner Branche mit der in der Gastronomie: „Wir sind in der Reisetouristik genauso betroffen, aber mit dem Unterschied, dass die Lokale schneller wieder Kunden haben, sobald sie wieder öffnen dürfen.“

Das Wichtigste: „Überleben und gesund bleiben“

Die Verunsicherung bei Reisenden sei dagegen so groß, dass „unsere Branche im Moment fast vollständig lahmgelegt ist. Wir müssen deshalb die Zähne zusammenbeißen. Wir wollen überleben – sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich.“

Dieser Punkt ist Volker Bösert wichtig: Bei aller wirtschaftlichen Misere sei es im Augenblick doch am wichtigsten, „dass wir alle überleben und gesund bleiben“. Der Geschäftsführer ist überzeugt, dass das Leben auch nach der Pandemie anders bleiben wird. „Dieses Virus wird unsere Welt verändern. Aber irgendwann leben wir mit Corona, und aus jeder Krise wird am Ende auch etwas Positives hervorgehen“, zeigt sich Bösert optimistisch.

Neue Technik für Lüftung

In seiner Branche bezieht er das zum Beispiel auf die Auslastung der Sitzplätze in den Bussen und auf deren Belüftungstechnik. Bereits jetzt gebe es Fahrzeuge, die nicht mehr auf Umluft-Klimaanlagen setzen, sondern Frischluft von außen in den Innenraum fördern. „Das ist dann im Prinzip so, als wenn man das Fenster zum Lüften öffnet.“ Abgesehen von einem älteren Fahrzeug setze die Bösert-Flotte bereits auf die neue Technik, die sich in Zukunft sicher weiter durchsetzen werde.

Eine Frage beschäftigt Volker Bösert momentan: Er versteht nicht, warum er mit seinen Reisebussen nicht den Linienverkehr unterstützen kann. Dadurch ließe sich die Zahl der Schüler in den Linienbussen entzerren, von denen morgens und nachmittags besonders viele die MVG-Busse nutzen. „In unseren freien Reisebussen haben wir Kapazitäten, mit denen wir problemlos den Öffentlichen Personen-Nahverkehr unterstützen könnten“, sagt der Unternehmer.

Reisebusse zur Unterstützung im ÖPNV?

In anderen Städten wie Köln seien bereits dutzende Reisebusse im Einsatz. „So sollte es doch auch im Sinne des Infektionsschutzes eigentlich sein. Man könnte die Menschen dadurch sicherer transportieren und würde die Busunternehmer unterstützen. So gesehen wäre es eine Win-win-Situation“, meint Volker Bösert. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog.

„Das Thema ist auch bei uns angekommen“, sagt dazu die stellvertretende MVG-Pressesprecherin Marika Gomolka auf Nachfrage. Diese Idee werde aktuell bei der Verkehrsgesellschaft zusammen mit den Verantwortlichen beim Märkischen Kreis erörtert. Details will die MVG nicht nennen.

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