Fieberzentren: Heimische Ärzte sind dagegen

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Da kommt was auf Deutschland zu: Grippe, Erkältung und Covid-19 sind für Patienten nur schwer zu unterscheiden.

Gesundheitsminister Jens Spahn will flächendeckend Fieberzentren einrichten: Heimische Ärzte halten wenig davon.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – Angesichts steigender Corona-Zahlen in Deutschland plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zentrale Fieberambulanzen für Patienten mit Atemwegsinfektionen. Diese sollen im Herbst möglichst flächendeckend aufgebaut werden. 

„Das ist nicht sinnvoll. Das geht am Thema vorbei“, findet Dr. Joachim Matuszewski, Facharzt für Innere Medizin in Altena. Und auch bei seinem Kollegen aus Nachrodt, Matthias Hartig, hält sich die Begeisterung in Grenzen. 

Coronavirus: Ärzte gewappnet für zweite Wellen

„Im Moment kommen wir gut ohne klar“, meint Matthias Hartig, fügt aber hinzu: „Dieser Winter wird sehr hart für uns.“ Sprechstunden am Samstag nur für Erkältungs-Patienten soll es nicht geben. 

Beide Ärzte sind für den nächsten Ansturm gewappnet, wenn möglicherweise zwei Infektionswellen – neben der Grippe auch das Coronavirus – aufeinandertreffen. Beide Mediziner raten dringend zu einer Grippeschutzimpfung. 

Allgemeinmediziner Matthias Hartig und sein Team aus Nachrodt.

Der Vierfach-Impfstoff wurde gerade ausgeliefert, jetzt sollten sich alle chronisch Kranken und Menschen über 60 Jahre impfen lassen. Abgewiesen werden sollen aber auch alle anderen nicht. 

Grippe: Impfquote über 50 Prozent

Zwar wirke der Grippe-Impfstoff nicht gegen das Coronavirus, er sei aber wie jede Impfung ein Trainingsprogramm für das Immunsystem. „Problematisch wird es, wenn man beides bekommt“, befürchtet der Nachrodter Allgemeinmediziner. In seiner Praxis liegt die Impfquote immer über 50 Prozent. 

Alle Infos zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog.

Wenn es jetzt wieder losgeht mit Husten und Schniefen allerorts, wie wird man dann unterscheiden können, ob sich nur um eine harmlose Erkältung, Influenza oder Covid-19 handelt? 

Corona-Test: Meinungen gehen auseinander

„Es bleibt nur der Abstrich“, meint Matthias Hartig, während Dr. Joachim Matuszewski sagt: „Man muss nicht bei jedem Husten sofort an Covid-19 denken.“ Eine gute Anamnese sei das A und O. 

Dr. Jürgen Matuszewski aus Altena.

Bis jetzt hat seine Praxis die Aufgaben gut bewältigt, „insgesamt würde ich es nicht als Katastrophe bezeichnen“ so Dr. Joachim Matuszewski. 

Der Altenaer Arzt hatte einen Covid-19-Patienten, allerdings nur aus der „Entfernung“, weil der Patient sehr umsichtig handelte. Die Testung wurde ihm nach Telefonkontakt vor die Tür gelegt. Er machte selbst einen Abstrich, „das Material wurde hier zu uns in die Praxis gebracht“, erzählt Dr. Joachim Matuszewski. 

Grippe-Patienten werden getrennt

Durch die Abstandsregeln und verstärkte Hygieneregeln ist das allgemeine Ansteckungsrisiko insgesamt niedriger als sonst – das gilt auch für die Grippe. „Unsere Schutzmaßnahmen halten auch andere Viren fern“, hofft Matthias Hartig, dass sich die positiven Erfahrungen vom März dieses Jahres, als die Erkältungen weniger Menschen als sonst trafen, sich jetzt im Herbst wiederholen. 

Im Moment kommen die Patienten in Nachrodt oft mit einer leichten Sommergrippe. „Wir trennen diese Patienten immer zeitlich und örtlich“, sagt Matthias Hartig.

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