Coronavirus: Drahtfirmen  fahren wohl nicht zur Messe Wire 

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Lüling ist nur eine von vielen Drahtfirmen aus Altena, die immer zur Wire fahren.

Altena - Für Altenas Drahtziehereien ist die Wire die wichtigste Messe. Doch sie wollen auf eine Teilnahme verzichten. Zu groß ist die Sorge, der Coronavirus.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wire vom 30. März bis 3. April in Düsseldorf stattfinden wird. Das Risiko erscheint mir einfach zu groß.“ 

Mario Bertling, Geschäftsführer der Eisendraht- und Stahldraht-Vereinigung Düsseldorf, spricht Klartext. Vier Wochen vor dem geplanten Start der weltgrößten Drahtmesse hat das Thema Coronavirus die Branche erreicht. Bertling betont, dass sein Verband, der mehrheitlich auch die Altenaer Drahtziehereien repräsentiert, keineswegs das Zünglein an der Waage sein und die Wire scheitern lassen möchte.  Die letzte Entscheidung liege natürlich bei der Messe Düsseldorf. 

Gefahr für ganze Produktion

„Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern. Deshalb kann ich heute nicht sagen, ob das Unternehmen Lüling an der Wire teilnehmen wird.“ Skepsis schwingt mit in den Worten von Geschäftsführer Christian von der Crone. „Selbst wenn die Wire stattfinden sollte, könnten wir uns gegen eine Teilnahme entscheiden“, fügt der Diplom-Ingenieur an. „Es gibt heute viele Wege einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Die Gefahr, das unsere komplette Produktion im Falle einer Infektion ausfallen könnte, erscheint uns doch zu hoch.“ 

Von der Crone erinnert in diesem Zusammenhang auch an das Zweigwerk der Firma in Iserlohn, mit dem man in einem ständigen Personalaustausch stehe. Auch von dieser Praxis könnten Gefahren für die gesamte Firma ausgehen. Vielleicht mache eine Verschiebung Sinn. „Aber das Entscheiden andere.“ 

Klaus Hesse, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Firma, „glaubt nicht, dass die Wire stattfindet. Wegen der unklaren Lage in Sachen Ausbreitung des Coronavirus rechnen wir damit, dass die Messe abgesagt wird.“ 

Mehr als 800 Aussteller abgesagt

So ist auch die Einschätzung des Unternehmens Fritz Finkernagel. Zwar bewirbt die Firma die Messe noch mit einem Werbebanner auf der Firmen-Homepage, doch sicher ist es bei Weitem nicht, dass Finkernagel mit einem Team vor Ort sein wird, sollte die Messe doch stattfinden. 

Verkaufsleiter Andreas Hellwig: „Wir machen uns natürlich viele Gedanken. Aber heute, so weit im Voraus, können wir noch nichts sagen. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass allein mehr als 500 Aussteller aus China und mehr als 300 aus Italien nicht anreisen wollen. Es scheint alles auf eine Absage hinauszulaufen. Es sind ja bereits andere Messen gecancelt worden.“ 

Allerdings sind bei Finkernagel – wie bei allen anderen Messeinteressenten auch – bereits beträchtliche Vorleistungen erbracht worden. Hellwig nennt beispielhaft die Beteiligung an den Druckkosten für den Messekatalog, das Vorbuchen der Hotels für die Mannschaft in Düsseldorf, das geplante Catering, die Gestaltung des eigenen Messestandes und vieles mehr. 

Alle rechnen mit Absage

Der Handel und Umgang mit Draht ist zwar auch das Geschäftsfeld von Juwelier Betzler. Aber dort werden natürlich keine Tonnagen, sondern feinster, individueller Schmuck hergestellt. „Auch wir sind vorbereitet“, sagt Junior-Chefin Sabine Schröder, die sich „schon auf Düsseldorf freut. Es kann aber ehrlich gesagt heute nur in Richtung Absage laufen, davon ist wohl auszugehen“. 

Die örtlichen Drahtfirmen stimmen sich derweil laufend untereinander ab, kontaktieren telefonisch oder per Mail zudem ihre Branchenvertreter. Die momentane Öffentlichkeitsarbeit der Messe Düsseldorf findet nicht überall die Zustimmung der Drahtfirmen und Branchenverbände. Natürlich wisse man, was das Organisieren einer solchen Veranstaltung bedeute und welche hohen Kosten bereits jetzt angefallen seien. 

„Aber“, so sagt es beispielsweise Mario Bertling, „eine Messe ohne Kunden, das will doch auch niemand.“ Er kündigte „weitere Abstimmungsgespräche“ an, fügt aber an: „Eine mögliche Gefahr für Firmenmitarbeiter ist nicht auszuschließen. So etwas könnte im schlimmsten Fall zum Totalausfall eines Unternehmens führen. Das kann man nicht riskieren.“ 

Messe bewertet Lage noch

Die Pressestelle der Messe Düsseldorf verwies auf Anfrage auf die Homepage, die stets tagesaktuell sei. Dort war von einer Absage bis gestern Mittag aber keine Rede. Erst ab dem späten Nachmittag hieß es dort: „Vor dem Hintergrund (...) einer noch nicht absehbaren Lage zum Coronavirus in Düsseldorf und NRW wird die Messe Düsseldorf nach den anstehenden Entscheidungen der Gesundheitsbehörden die Lage für die kommenden Eigenveranstaltungen auf dem Düsseldorfer Messegelände neu bewerten. 

Dies betrifft auch Wire und Tube. Wir nehmen die Sorgen bezüglich des Coronavirus, die an uns herangetragen werden, sehr ernst. Die Sicherheit unserer Kunden, Partner, Mitarbeiter und Nachbarn steht bei uns an erster Stelle. Wir stehen in direktem Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsbehörden und vertrauen auf deren Empfehlung.“ 

Sollte die Wire ausfallen, wird es eine neue Drahtmesse vermutlich erst in zwei Jahren geben. Denn: Es ist nicht absehbar, dass eine Verschiebung die Infektions-Gefahr mindern könnte.

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