Verantwortliche: Abstand halten für Kinder schwierig umzusetzen

Schrittweise Öffnung: Kitas kritisch

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Fröhliches Toben in der Awo-Kita Nachrodt: In der nächsten Zeit wird dies problematisch. Spielen auf Abstand? Keine Umarmung für die Erzieherin? Das dürfte nicht so einfach umzusetzen sein.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde – „Wir stehen alle in den Startlöchern“, sagt Katrin Bormann, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte in Nachrodt. Nachdem klar ist, dass die strengen Auflagen zur Eindämmung des Coronavirus zwar nun nach und nach gelockert werden, aber Schulen erst schrittweise ab dem 4. Mai und Kitas noch später – wieder öffnen, gilt für die Verantwortlichen der Kindergärten und Kindertagesstätten, „in Ruhe und vor allem besonnen“ Vorbereitungen zu treffen.

 Allerdings: Einfach wird das nicht. „Natürlich werden wir nicht den Obstteller auf den Tisch stellen, damit jeder ‘reingreifen kann, aber die Abstandsregelungen einzuhalten, halte ich für Kindergarten- und Vorschulkinder für fast unmöglich“, so Katrin Bormann. Regelmäßiges Händewaschen, Abstand beim Essen: kein Problem. Abstand beim Spielen und zu den Erziehern? Kaum durchsetzbar.

 „Eine Herausforderung wird das auf jeden Fall“, ist sich Katrin Bormann sicher. Dabei wird es auch um das Thema Mundschutz gehen. Gut versorgt und informiert fühlt sich Katrin Bormann vom Träger ihrer Einrichtung, der Awo. Apropos Träger: Die evangelischen Kindergärten gehören zum Trägerverbund Tageseinrichtungen für Kinder im evangelischen Kirchenkreis Iserlohn. Geschäftsführerin Gela Mund setzt in diesen Tagen auf Gespräche und eine App. Innerhalb von Sekunden sind die Infos dort, wo sie hinsollen: bei den Eltern. „Das ist der Vorteil an der Kita-App“, sagt Gela Mund.

Sie traf sich mit allen Einrichtungsleitungen zu einer Videokonferenz. 19 Kitas gehören zum Verbund – darunter das Fibs in Nachrodt, der Kindergarten in Wiblingwerde und die Kindergärten am Knerling und in der Rahmede. „Man muss sorgfältig alle Belange beachten“, sagt Gela Mund und verweist auf die Unterschiede vor Ort. In fünf Kitas sei in den vergangenen Wochen kein einziges Kind betreut worden. Und so findet Gela Mund es verfrüht, konkrete Pläne für die Umsetzung der Wiedereröffnung bekannt zu geben. Dass die Eltern auf „heißen Kohlen“ sitzen, kann sie nicht bestätigen.

„Das kommt bei mir nicht so an.“ Zurückhaltend äußert sich der Zweckverband für die katholischen Kindergärten im Bistum Essen. Pressesprecherin Wiebke Neumann sagt: Erst wenn die Details bekannt seien, könnten Mitarbeiter sowie Eltern über weitere Maßnahmen informiert werden. „Gleichzeitig arbeitet unser Krisenstab seit Beginn der Krise und bereitet schon seit der vergangenen Woche intensiv eine mögliche Wiederaufnahme des Betriebs vor“, berichtet Neumann. Der Zweckverband sehe eine große Verantwortung für Kita-Träger, die sowohl eine Verpflichtung gegenüber den Kindern und Familien hätten als auch gegenüber ihren Mitarbeitern.

„Kleinere Kinder können sich noch nicht an Distanzregeln halten, gleichwohl aber die Infektion weitergeben. Deshalb stehen Infektionsschutz und Hygienemaßnahmen überall und insbesondere dort, wo Kontakte notwendig sind, etwa in bestimmten Arbeitsumgebungen, besonders im Mittelpunkt.“ Über konkrete Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten habe der Krisenstab in den vergangenen Tagen beraten, die Betroffenen würden zeitnah informiert.

Dem Zweckverband sei es vor allem wichtig, jene Mitarbeiter zu schützen, die zu einer Risikogruppe gehören. „Dieser Personenkreis sollte möglichst in Heimarbeit tätig sein“, heißt es in einer Erklärung des Trägers. Kinderbetreuung in Heimarbeit, das ist nur auf den ersten Blick absurd: Auch Erzieherinnen haben heutzutage Büroarbeiten zu erledigen. So muss für jedes Kind ein Entwicklungsbericht geschrieben werden. Auch Elterngespräche per Telefon oder Videokonferenz lassen sich von zuhause aus führen.

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