Einbußen durch Corona: 007 kann Apollo-Kino nicht helfen

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Auch das Apollo-Service-Kino in Altena leidet unter Corona. Doch nicht so stark wie andere Kinos - aus mehreren Gründen.

Das Apollo-Kino hatte so sehr auf 007 gesetzt. Nun wird der neue Bond-Film erst 2021 laufen. Bitter, da Corona dem Kino zusetzt. Doch es gibt noch eine weitere Hoffnung. 

Altena – Wird James Bond das Ruder noch herumreißen? Nein, wird er nicht. Alexander Hollstein, Mitarbeiter des Apollo-Service-Kinos, und Kino-Chefin Nicole Güldner hofften Ende letzter Woche noch auf die Hilfe des britischen Geheimagenten. „James-Bond-Jahre sind normalerweise gute Jahre“, sagte Hollstein.  

Nun kam dann aber der Rückschlag: „Keine Zeit zu sterben“, der neue Bond-Streifen, wird ein weiteres Mal verschoben.  

Apollo-Kino: 10.000 Besucher weniger

Dabei kann von einem guten Geschäftsjahr für das Apollo-Servicekino schon jetzt kaum die Rede sein. Von Mitte März bis Anfang Juni musste das Kino schließen. Grund war der Corona-Lockdown in NRW. 

„Das hat uns schon stark getroffen“, sagt Hollstein. Die fehlenden Gäste in dieser Zeit könne man nicht wieder hereinholen. Der Lockdown habe dem Kino wehgetan. Die Einnahmen: verloren. 

Es geht um erhebliche Summen, die in der Kinokasse fehlen. Denn im Vergleich zum verkaufsstarken Vorjahr zählte das Apollo-Service-Kino dieses Jahr bis Ende September rund 10 000 Besucher weniger. „Im Vergleich zu anderen Kinos geht es uns damit sogar noch ganz gut“, betont Hollstein und ist froh, dass sich die Lage inzwischen bessert. 

Stammkunden machen es leichter

Das ändere sich zumindest vorerst auch durch die Verschiebung der 007-Premiere nicht. Das Servicekino gehört Betreiberin Nicole Güldner selbst und kann auf eine Menge Stammkunden bauen. 

Die Hoffnung auf eine positive Wendung im Geschäftsjahr 2020 hat Hollstein noch nicht völlig aufgegeben. Er und Güldner hoffen auf viele Besucher in der kalten Jahreszeit. In den Monaten mit kühlem und ungemütlichem Wetter sei normalerweise Kino-Hochsaison. 

Dezimierte Plätze, voller Service

In den Filmsälen stehen derzeit rund 60 der 106 Sitzplätze zur Verfügung. Die übrigen sind gesperrt, damit Abstände gewahrt bleiben. Inzwischen sei zwar auch der Betrieb mit voller Belegung wieder möglich, sagt Hollstein, das Kino-Team habe sich vorsichtshalber aber dafür entschieden, die dezimierte Belegung vorerst beizubehalten. 

Der Name ist Programm im Service-Kino: Alexander Hollstein und das Team bewirten die Gäste auch weiterhin – unter Schutzvorkehrungen.

„So ist es für Gäste und Mitarbeiter sicherer und angenehmer zu arbeiten“, betont Hollstein. Das Service-Programm mit Essens- und Getränke-Bedienung an den Sitzplätzen gibt es trotz aller Schutzmaßnahmen. „Wir haben die Service-Knöpfe nicht abgeschaltet“, sagt Hollstein. Dieser Service mache das Kino schließlich aus. 

Optimismus trotz Bond-Verschiebung

Dadurch, dass man die Besucher nun zum Platz geleite und in das Hygienekonzept einweise, sei der Kundenkontakt sogar eher noch enger geworden – „nicht im räumlichen Sinne natürlich“. 

Die Vorstellungen wurden bisher nicht übermäßig stark besucht, sodass die verringerte Kapazität kein Problem war. Schon bald hätte sich das durch Bond ändern können. 

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Nun ist der Traum vom 007-Start zerplatzt. In den USA, England und Irland sorgte diese Nachricht schon für einen Paukenschlag: Kinogigant Cineworld kündigte an, seine über 650 Kinos vorerst wieder zu schließen. 

Kritik am Vorgehen der Filmverleiher

Alexander Hollstein ist sicher: „Wir werden auch in Deutschland Schließungen erleben. Der Bond-Film war einer der letzten großen Blockbuster, die dieses Jahr geblieben wären. Wir brauchen diese Blockbuster, um Besuchermassen in die Kinos zu ziehen.“ 

Hollstein hält das Vorgehen der Filmverleiher für falsch. Es signalisiere, dass man dieses Jahr gar nicht mehr ins Kino gehen muss und führe mitunter dazu, dass 2021 – Stand heute – ein wahnsinnig voll gepacktes Kino Jahr werden könnte. So voll, dass kleinere Kinos wie das Service-Kino vielleicht Blockbuster aus dem Programm lassen müssen. 

Disney veröffentlicht "Mulan" auf eigenem Channel

Immerhin werde der Bond-Film aber nur aufgeschoben, sagt Hollstein. Worst-Case-Szenario wäre für die Kinos, wenn der 007 im Internet veröffentlicht würde, damit ihn sich die Menschen von zu Hause aus angucken können – zuletzt geschehen beim US-amerikanischen Abenteuerfilm „Mulan“, den die Macher im September auf dem Kanal Disney+ veröffentlichten. 

Zuvor war der Kinostart coronabedingt mehrfach verschoben worden. Über die Leinwände flimmert im Servicekino in Altena zurzeit der neue Film mit Jim Knopf. „Die kleineren Produktionen laufen gut, die Vorpremiere war der Wahnsinn“, berichtet Hollstein. 

Hoffnung ruhen auf "Wonder Woman"

Ein Hoffnungszeichen – zwar kleiner als erhofft, für die Kinobetreiber aber vielleicht doch der erste Schritt in eine besucherreiche Jahreszeit. Als letzte Blockbuster, die 2020 noch anlaufen könnten, blieben „Wonder Woman 1984“ und „Dune“, erklärt Alexander Hollstein. 

Auf die könne man noch hoffen, wirklich mit ihnen rechnen will der Kinomitarbeiter aber schon nicht mehr. Eintrittskarten können die Besucher im Servicekino übrigens vorab telefonisch reservieren. Auf der Homepage des Kinos können sie auch schon im Voraus gekauft werden. 

Die meisten Gäste machten das auch, berichtet Hollstein. Kaum jemand komme ins Service-Kino, ohne sich schon vorher um eine Karte bemüht zu haben. Daher gebe es wenige Staus an der Kasse. Die jeweiligen Filmstarts haben die Betreiber so verteilt, dass das Zuschaueraufkommen an der Kasse entzerrt wird. 

Viele Kino-Gäste reisen weit an

Die Filme beginnen zeitversetzt. Natürlich gebe es auch ein Hygienekonzept. Es werde regelmäßig gelüftet, und es seien Luftreiniger aufgestellt worden. Besucher seien zudem verpflichtet, auf dem Weg zum Sitzplatz Mund-Nase-Schutze zu tragen und ihren Namen in einer Liste zu hinterlassen. 

Spannend sei es, die Adressen der Besucher zu sehen, denn „durch die Kontaktformulare haben wir Schwarz auf Weiß, woher die Besucher kommen. Viele reisen extra aus dem Ruhrgebiet an und nehmen Fahrtzeiten von anderthalb Stunden oder mehr in Kauf“, sagt Hollstein stolz. 

Weihnachts-Programm geplant

Er freut sich schon auf Heiligabend, wenn wieder „Weihnachten im Kino“ stattfindet. Dann werden gemeinsam Filme geschaut, und auch Verlosungen soll es geben. Hollstein hat für das Event schon zahlreiche Anfragen erhalten. 

Konkrete Infos zum Programm könne er noch nicht herausgeben oder Reservierungen entgegennehmen. „Erst einmal müssen wir abwarten, wie sich die Situation allgemein weiterentwickelt.

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