Medikamenten-Engpässe: Corona spitzt die Lage zu

+
Die Befürchtungen von Apotheker Dirk Voss haben sich bestätigt: Durch Corona haben sich die Medikamentenengpässe noch weiter zugespitzt.

Altena – Einige Medikamente sind schon längere Zeit kaum lieferbar. Die Corona-Pandemie verschärft das Problem massiv.

Nachdem bereits im vergangenen Jahr etliche Medikamente durch Lieferschwierigkeiten knapp wurden, sind diese Engpässe durch die Corona-Pandemie nun noch dramatischer geworden. Das berichtet Dirk Voss, Inhaber der Markt- und der Bahnhofs-Apotheke in Altena. 

Der Grund: Die Bestandteile für die Herstellung der Medikamente kommen aus Fernost. Zudem gebe es nur wenige verschiedene Hersteller einzelner Wirkstoffe. Das führte schon vor der Pandemie zu Problemen. 

Coronavirus: Pandemie blockiert Lieferwege

Zum Beispiel wirkten sich die massiven Qualitätsprobleme in Indien bis auf den Markt in Deutschland aus. „Durch die Pandemie wurden dann auch noch die Lieferketten unterbrochen, und es kam zu Transportproblemen“, erklärt der Apotheker. Die Engpässe halten sich derzeit auf einem hohen Niveau, berichtet er. 

5000 Medikamente hat seine Apotheke im Bestand. Während im vergangenen Jahr um die gleiche Jahreszeit 120 Präparate nicht lieferbar waren, ist die Zahl auf aktuell 130 gestiegen. 

Schmerzmittel stark betroffen

Dabei handele es sich nicht immer um die gleichen Mittel. „Das eine Medikament ist dann wieder zu bekommen, dafür ein anderes aber nicht“, erklärt Dirk Voss. Das betreffe sowohl verschreibungspflichtige als auch frei erhältliche Medikamente. 

Hier geht es zum Corona-Newsticker im Märkischen Kreis.

In der Corona-Pandemie sei beispielsweise das Schmerzmittel der Marke Dolomin wochenlang nicht zu bekommen gewesen, Aspirin sogar monatelang nicht. Jetzt sei beides wieder lieferbar. Anders ist das bei blutdrucksenkenden Mitteln mit dem Wirkstoff Sartarn: An diese war schon 2019 nicht heranzukommen. 

"Sparerei bringt nichts"

Dirk Voss sieht daher das Versprechen der Politik, wieder Kapazitäten für die Arzneimittelherstellung in Europa zu schaffen, als unerlässlich. Dann würden die Medikamente zwar teurer, „aber die Sparerei bringt nichts, wenn ich das Medikament nicht bekommen kann“, sagt Dirk Voss. 

Ärgerlich und problematisch sind Medikamentenengpässe vor allem für ältere Menschen, die mehrere Arzneien einnehmen müssen. „Wenn es sich bei einem anderen Medikament um den selben Wirkstoff handelt, ist es in der Regel unkompliziert, aber es gibt auch Ausnahmen“, erklärt er. 

Nicht alle Medikamente vertragen sich

Es müsse überprüft werden, ob sich das neue Medikament mit den anderen verträgt. Bei Schilddrüsenmedikamenten sei es zum Beispiel so, dass man wegen der feinen Dosierung immer beim gleichen Präparat bleiben sollte. „Das ist derzeit aber nicht zu gewährleisten“, erklärt Voss. Durch einen Wechsel des Präparats könne es zu Nebenwirkungen kommen.

In der Lockdown-Phase der Corona-Pandemie erlebten die Apotheken in Altena einen riesigen Ansturm.

Bezüglich eines Impfstoffes gegen das Coronavirus stehenForscher der Uni Oxford möglicherweise kurz vor einem Durchbruch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare