Kritik an Regeln für Gottesdienste - aus diesem Grund

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Gottesdienst mit Platzkarten: (v.l.) Pfarrer Dr. Sadrack Djoukou, Carsten Menzel (Presbyterium), Küsterin Angelika Kilsch und Baukirchmeister Stefan Haack zeigen, wie das  in der Lutherkirche aussehen wird.

Die Protestanten feiern an diesem Wochenende erstmals wieder Gottesdienst, die Katholiken erst eine Woche später. Doch den Gläubigen fehlt was Entscheidendes.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde - Ein Gottesdienst ohne Gesang? „Das erlebe auch ich zum ersten Mal“, sagt der evangelische Pfarrer Dr. Sadrack Djoukou. Er sei sehr gespannt auf diese Erfahrung am Sonntag, 3. Mai, in der Lutherkirche (10.30 Uhr). 

Auf Gesang zu verzichten ist eine der verpflichtenden Maßnahmen im Konzept, das Gottesdienste seit 1. Mai wieder möglich macht. Das Gesangsverbot war ein entscheidender Grund dafür, dass Pfarrer Uwe Krause mit den evangelischen Gemeindemitgliedern aus Dahle und Evingsen am morgigen Sonntag einen Freiluft-Gottesdienst in Dahle feiern wollte. 

Coronavirus in Altena: Absage für Freiluft-Gottesdienste

Denn einige Gemeindeglieder hätten ihm persönlich mitgeteilt, dass für sie ein Gottesdienst ohne Gesang kein Gottesdienst sei. Die Bedeutung der Musik zeigte sich auch bei den sehr gut besuchten Auftritten des Posaunenchors auf den beiden Friedhöfen an den vergangenen Wochenenden. 

Doch Open-Air-Gottesdienste sind verboten, erfuhr Krause beim Gespräch mit dem Ordnungsamt. Die Kirchen müssen Hygienekonzepte für Gottesdienste erstellen und diese im Vorfeld mit der Stadtverwaltung absprechen. „Die Orgel darf spielen, aber die Gemeinde darf aus Infektionsschutzgründen nicht singen. Das ist für den Kirchenraum absolut plausibel“, sagt der Pfarrer. 

Er kritisiert die landesweit geltenden Regeln: „Ich glaube, dass die Kirchenleitungen gut gemeint eine schnelle Lösung bieten wollten und dabei ist diese Regelung herausgekommen. Die orientiert sich scheinbar vor allem an Großstadtsituationen, aber vernachlässigt die besonderen Chancen der ländlichen Gemeinden, die nur kleine Kirchen, aber zum Teil große Außenflächen haben. 

Coronavirus in Altena: "Darf nicht längerfristig Regel sein"

Meiner Meinung nach muss da kurzfristig dringend nachreguliert werden. Bei größeren Sitzabständen im Außenbereich leuchten mir die Maskenpflicht und das Gesangsverbot nicht ein. Für mich wird ein charakteristischer Teil evangelischer Gottesdienstausübung unterbunden, der zum Glaubensleben dazu gehört. Das darf nicht längerfristig die Regel sein.“ 

Geplant ist am Sonntag ein Gottesdienst als Orgelmusik mit Andacht ab 10 Uhr in der Dahler Kirche. Neben der Maskenpflicht müssen Besucher Name und Adresse hinterlassen, Hände desinfizieren und Abstand halten. 

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Nur mit Orgelmusik muss auch die evangelische Gemeinde Altena auskommen. Vielleicht ist es möglich, dass in Zukunft eine Person stellvertretend singt, sagt Carsten Menzel vom Presbyterium. Statt Gesangbücher werden Liedzettel zum Mitlesen verteilt. Neben Desinfektionsmitteln am Kircheneingang, Maskenpflicht und separatem Ein- und Ausgang gilt es auch in der Lutherkirche, ausreichend Abstand einzuhalten.

Darum werden Platzkärtchen in den Bänken verteilt, die verdeutlichen, wo die Besucher Platz nehmen dürfen. Gleichzeitig wollen Presbyterium und Küsterin als Platzanweiser fungieren. Diese behalten auch den Ein- und Ausgang im Blick. Der Eingang wird durch den Turm gewährt, die Seitentüren werden zum Ausgang. „Einer der Seiteneingänge soll aber auch als barrierefreier Eingang dienen“, sagt Carsten Menzel. 

Coronavirus in Altena:  Katholiken starten eine Woche später

Vorerst wird auch kein Abendmahl gefeiert. Das sei zwar möglich, da in der Gemeinde Einzelkelche benutzt werden, zuerst sollten jedoch klare Regeln geschaffen werden. Für 60 Personen ist unter Berücksichtigung dieser Voraussetzungen in der Lutherkirche Platz. Die Empore bleibt geschlossen. 

Wie viele dieses Angebot annehmen, ist ungewiss. „Ich habe Verständnis dafür, wenn jemand nicht kommen möchte, weil es ihm zu riskant ist. Aber wir wollen den Gottesdienst auf jeden Fall anbieten“, sagt Pfarrer Dr. Sadrack Djoukou. 

Und auch die digitalen Angebote sollen bleiben. Die Predigten werden auf der Homepage veröffentlicht, am Wochenende wird zudem ein Kindergottesdienst online gestellt. 

In der katholischen Kirchengemeinde St. Matthäus findet an diesem Wochenende noch kein Gottesdienst statt. „Wir schaffen es nicht rechtzeitig, alle Maßnahmen umzusetzen. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Vorbereitung, um die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen“, sagt Pfarrer Ulrich Schmalenbach. Sitzplätze müssen noch markiert und Namenslisten vorbereitet werden. 

Coronavirus in Nachrodt: Erster Gottesdienst in St. Josef

Der erste Gottesdienst der Pfarrei findet am Samstag, 9. Mai, um 17.30 Uhr als Wortgottesdienst in St. Josef in Nachrodt statt, 25 Teilnehmer sind möglich. Zudem wird am Sonntag, 10. Mai, um 11 Uhr in St. Matthäus ein Gottesdienst für maximal 45 Personen stattfinden. Auch für die Besucher der katholischen Kirche gilt Maskenpflicht und Gesangsverbot. 

Eine Messe oder Eucharistiefeier können noch nicht gefeiert werden. „Wir müssen noch überlegen, wie wir mit der Kommunionsspendung verfahren“, sagt Pfarrer Schmalenbach. Personen, die der Risikogruppe angehören, bittet er zudem, erst einmal auf den Kirchenbesuch zu verzichten. Die Kirche St. Theresia in Evingsen bleibt vorerst geschlossen. „Hier ist es nicht so einfach, die Abstandsregelung einzuhalten“, erklärt Schmalenbach.

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