Vom Kabarett ins Klassenzimmer: Corona zwingt Künstler zum Umdenken

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Redegewandt: Felix Oliver Schepp im Zwiegespräch mit seiner Schlafmaus.

Auch Kabarettisten haben es schwer in der Corona-Zeit. Felix Oliver Schepp hat daher umgesattelt. Auf der Bühne steht er trotzdem noch.

Die Corona-Pandemie hat schicksalhafte Folgen – nicht nur für jene, die daran erkranken: Da er seit März nicht mehr richtig in seinem Beruf als Kabarettist arbeiten konnte und seine Frau im November das zweite Kind erwartet, habe er sich für den Quereinstieg ins Lehramt entschieden, verriet Felix Oliver Schepp bei seinem Auftritt in der Burg Holtzbrinck. 

Seit Anfang August unterrichtet er Musik und Theater an einer Stadtteilschule in Hamburg, wo der „Augschburger“ seit zwölf Jahren lebt. So ganz hat er die Passion, als Kabarettist auf der Bühne zu stehen, aber offenbar noch nicht aufgegeben. 

Mehr Gesang als gesprochene Worte

Nicht nur der Termin mit Schepp war in Altena aufgrund des Corona-Lockdowns verschoben worden.

Und so erlebte das Publikum einen unterhaltsamen Abend mit viel Musik zu teilweise recht schrillen Texten. Felix Oliver Schepp präsentierte sich als talentierter Klavierspieler und Sänger von Balladen und Chansons. Das gesprochene Kabarett trat demgegenüber etwas zurück. 

Vielversprechend war der Beginn mit dem Song „Ich bin so individuell“. Denn scheinbar außergewöhnliche Konsum-Entscheidungen taugen nur selten für die Abgrenzung von den anderen. Es gehöre zu den großen Irrtümern, dass Menschen, deren Manipulierbarkeit sich immer wieder zeigt, einen unerschütterlichen Glauben an ihre angebliche Individualität pflegen. 

Klopftechnik gegen Scham und Aufregung

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Ein wenig esoterisch ging es weiter: Felix Schepp bot die Therapie der Klopftechnik zur Lösung persönlicher Probleme wie Aufregung und Schamgefühl feil. Dabei werden ausgewählte Bereiche des menschlichen Leibes zu einem Resonanzraum sanfter Handschläge. „Man kann es überall tun.“ 

Und es ging weiter hinein in die Lebenswelt eines Kabarettisten, der „mit 37 Jahren in einer Welt lebt, in der so viel Angst ist“. Es gibt die panische Angst (Paniphobie), die Angst vor der Angst (Phobophobie) und die Angelophobie, der Angst vor Engeln. Nicht zu verwechseln mit der Angst vor Enge (Klaustrophobie). 

Weiter Bogen und Sprachspiele

Bei solchen Spielereien blitzte die Lust des Felix Schepp an Sprachspielen auf: „Gagdichte“ statt Gedichte und Songtexte, die aus der klanglichen Differenz zwischen Schmutzwasser und Niederschlagswasser einen Beat erschufen. 

Einen weiten Bogen schlug er auch anhand seiner Gesprächspartner, darunter seine persönliche „Schlafmaus“. Es reichte bis in die griechische Antike: „Spätestens seit Sokrates ist mir klar, dass ich nichts weiß.“ 

Nicht jeder der zuweilen etwas abgedrehten Scherze war an diesem Abend wirklich mitreißend, einiges wirkte unausgegoren. Aber ein sympathischer, talentierter Mann am Klavier, der auch mal zur Ukulele oder Trompete greift, hat immer gute Karten beim Publikum. 

Und so freute sich nicht nur Felix Schepp über einen lauschigen Abend auf einem „schönen Stückchen Erde“.

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