Kreative Kfz-Werkstätten: So halten sie sich trotz Coronavirus über Wasser

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Abgeschlossen: Das gilt zwar nicht für die Türen zu den Ausstellungsräumen, wohl aber für die Fahrzeuge von Mercedes Berger in Altena. Besichtigungen und Probefahrten sind bis Montag nicht möglich. Der Betrieb in der Werkstatt läuft.

Altena - Klopapier in der Autowerkstatt kaufen: Das Coronavirus macht vieles möglich, woran man vorher nicht im Traum gedacht hätte.

Im Moment ist Reifenwechselzeit. Wer sich selbst die Hände nicht schmutzig machen will oder kein passendes Werkzeug hat, fährt zum Fachbetrieb. Was die Kunden dort erwartet und wie es den Werkstätten gerade geht, haben wir hinterfragt. 

Mercedes Berger in Altena

 „Es ist noch normal“, sagt Lisel Happel von Mercedes Berger in Altena mit Blick auf das Geschäft. „Mal mehr mal weniger. Das Reifenwechseln kommt uns gerade zugute.“ Ersatzteile für Reparaturen seien wie üblich lieferbar. Die Mitarbeiter und die Kunden hielten Abstand. Hinweisschilder und Markierungen seien angebracht worden. 

Für Kunden gibt es einen kostenlosen Hol- und Bringservice. „Das haben wir schon immer gemacht, jetzt wird es aber ganz verstärkt in Anspruch genommen“, sagt Happel. Gebucht werden kann der Service telefonisch. 

Coronavirus im MK: Autos bleiben verschlossen

Dabei scheut das Autohaus auch keine weiteren Wege: Bis nach Lüdenscheid, Werdohl, Plettenberg und Iserlohn fahren die Mitarbeiter. Im Gegensatz zur reinen Kfz-Werkstatt gibt es bei dem Mercedes-Vertragshändler auch Verkaufsräume. Die dürfen nun am Montag, 20. April, wieder öffnen. 

Doch auch bisher konnten die Verkaufsräume nicht vollständig geschlossen bleiben – aus einem einfachen Grund: „Wir haben die Reparaturannahme in der Ausstellung und dadurch können wir nicht ganz zumachen“, erklärt Lisel Happel. „Wir verkaufen gerade aber keine Autos. Sie stehen hier zwar, sind aber abgeschlossen. Reinsetzen kann man sich nicht.“ Zumindest noch bis Montag.

Stübner in Altena 

„Es ist schon alles ein bisschen gehemmt“, sagt Katrin Röder vom Autoservice Stübner in Altena. „Vor zwei Wochen war es sehr ruhig. Da haben wir gedacht: Wenn das jetzt so bleibt, wird es haarig.“ 

In der Woche vor Ostern hätten aber doch viele angerufen und „sich gefreut, als wir ihnen mitgeteilt haben, dass wir geöffnet haben. Die Unsicherheit war schon da, das hat man deutlich gemerkt.“ 

Inzwischen habe sich der Betrieb wieder normalisiert. Die Mitarbeiter bei Stübner achten darauf, dass die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Und auch die Kunden seien vorsichtig. „Viele bleiben draußen, achten auf den Abstand, kommen mit Handschuhen oder tragen Mundschutz“, berichtet Röder. 

Einen Hol- und Bringservice gibt es bei Stübner schon immer und nicht erst wegen des Coronavirus’. 

Scherff und Grüner in Dahle 

Die Autowerkstatt Scherff und Grüner aus Dahle stellt keinen Einbruch beim Auftragsvolumen fest. Änderungen gebe es aber im Betriebsablauf. Die Pausenstruktur zum Beispiel wurde verändert. Statt vier Mitarbeitern machen nur noch zwei gleichzeitig Pause. 

Der Betrieb läuft in der freien Werkstatt von Michael Scherff (l.) und Christian Grüner (r.) in Dahle.

Seine Kaffeetasse kocht Inhaber Christian Grüner morgens vor der Benutzung ab – rein vorsichtshalber. Fahrzeugübergaben finden möglichst kontaktlos statt, berichtet er. 

Grüner und seine Mitarbeiter versuchen, viel Abstand zu halten. Die Kunden sollen die Werkstatt und das Büro nach Möglichkeit nicht betreten. 

Coronavirus im MK: Wunsch nach Desinfektion der Autos

Aus dem Alltagsgeschäft berichtet Grüner, dass es auch Kunden gebe, die die Vorsichtsmaßnahmen nicht so ernst nehmen oder daran denken: „Manche strecken noch die Hand zur Begrüßung aus, wo wir dann sagen: ‘Ne, ne, das lassen wir lieber mal’.“ 

Um einer Schmierinfektion über das Fahrzeuginterieur vorzubeugen, tragen die Mitarbeiter Handschuhe beim Arbeiten. Dies sei allerdings immer schon so gewesen, um auch Verschmutzungen im Innenraum zu verhindern, wie Grüner erklärt. Neu ist dagegen, dass Schaltknauf, Lenkrad und Zündschlüssel auf Wunsch desinfiziert werden. 

Dieses Angebot werde durchaus in Anspruch genommen, insbesondere von Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Erst kürzlich habe es einen Kunden gegeben, der gerade eine Herz-OP hinter sich gebracht hatte und dementsprechend kein Risiko eingehen wollte. 

Posselt und Eifert in Neuenrade 

Der Kfz-Meisterbetrieb Posselt und Eifert in Neuenrade vermeldet: Die Auftragslage ist gut. Viele Kunden lassen Reparaturen durchführen oder Sommerreifen aufziehen. Es gibt einen Hol- und Bringservice – und zwar nicht nur für Neuenrade, sondern für Kunden bis aus Altena. In das Büro darf nur noch ein Kunde gleichzeitig. 

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK lesen Sie hier in unserem Ticker +++

Die Mitarbeiter tragen beim Fahren der Kundenfahrzeuge Handschuhe. Lenkrad, Schaltknauf und Türgriff werden desinfiziert. Verstärkt nachgefragt werden zurzeit Desinfektionen von Klimaanlagen, wie Eifert berichtet. Gerade bei Autos, die von mehreren Menschen gefahren werden. 

Dass die Auftragslage in seiner Werkstatt gut ist, führt der Inhaber darauf zurück, dass er „rechtzeitig laut geschrien“ habe. Unter anderem mit Werbung in sozialen Netzwerken. „Wir haben ein Schreiben von der Bundesregierung bekommen, dass wir auflassen dürfen, weil wir systemrelevant sind. Dadurch, dass wir auch für die Polizei, die Feuerwehr und für die Post arbeiten“, erklärt Eifert. 

Coronavirus im MK: Klopapier vom Teilelieferanten

Weil die Auftragslage zurzeit so gut ist, dass Reparaturen sogar Vorlaufzeit haben, musste er auch keine Kurzarbeit anmelden. 

Und Eifert bringt sich gerne ein: Seine Autowerkstatt übernahm die Rolle eines Grundversorgers: In den letzten Wochen konnte man dort Klopapier kaufen, was in vielen Drogerien und Supermärkten nicht möglich war. 

„Ganz Neuenrade war in Aufruhr, dass es kein Klopapier mehr gibt. Aber unser Teilelieferant hatte genug. Da habe ich reichlich gekauft und inzwischen auch reichlich wieder verkauft.“ Inzwischen seien die Vorräte nahezu leer. 

Was den Preis angeht, hatte der Kfz-Meister bei diesem besonderen Angebot nicht die Absicht, Gewinn zu erzielen, wie er selbst sagt: „Ich habe die Rollen eins zu eins durchgereicht. Für das, was ich bezahlt habe, habe ich sie auch weiterverkauft.

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