Keine Gäste, keine Einnahmen und keine Rücklagen

Coronavirus bedroht Existenz der Jugendherbergen im MK

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Die Jugendherberge auf der Burg Altena ist die älteste der Welt.

Altena – Keine Gäste, keine Einnahmen und keine Rücklagen: Für die Jugendherbergen sieht es düster aus.

Die Corona-Krise bringt nicht nur Wirtschaftsunternehmen in Schwierigkeiten. Wie der Landesverband Westfalen-Lippe im Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) mitteilt, sind die insgesamt 29 Jugendherbergen in der Region massiv bedroht. Betroffen davon ist auch die älteste Jugendherberge der Welt auf der Burg Altena, wo Richard Schirrmann das Modell Jugendherberge erfand.

„Durch diese Schließungen und das Verbot von Klassenfahrten ist unser Umsatz quasi über Nacht auf Null gesunken“, sagt der Geschäftsführer des Landesverband Westfalen-Lippe, Wolfgang Büttner. Die Jugendherbergen sind seit dem 17. März und noch mindestens bis zum 3. Mai geschlossen. 

Coronavirus in Altena: Herberge auf der Burg besonders betroffen

Bis zu den Sommerferien seien nahezu alle Buchungen storniert worden. Aktuell erlebe man eine zweite Stornowelle, die sich auf Buchungen für den Sommer und auch bereits darüber hinaus bezieht. 

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Gerade für die Jugendherberge auf der Burg – mit 60 Betten die kleinste im Landesverband – ist die Pandemie daher ein Schlag ins Gesicht. Denn sie hat ihr Angebot auf den Besuch von Schulklassen fokussiert. Für Büttner ist klar: „Ohne schnelle Hilfe werden wir die Krise nicht überstehen.“ 

Denn auf nennenswerte Rücklagen kann der Landesverband nicht zurückgreifen. Diese dürfen Jugendherbergen aufgrund ihrer Gemeinnützigkeit und den damit verbundenen gesetzlichen Vorgaben nicht bilden. „Hinter uns steht kein finanzkräftiger Konzern oder Investor, der Kapital nachschießen könnte“, sagt der Geschäftsführer. „Unser gesellschaftlicher Auftrag sowie die Tatsache, dass wir unsere Erlöse immer direkt in die Jugendherbergen reinvestieren, droht uns nun zum Nachteil zu geraten.“ 

Coronavirus in Altena: Zukunft der Herbergen ungewiss

Das bedeutet: „Leider können wir aktuell nicht abschließend einschätzen, ob die ergriffenen Maßnahmen ausreichen werden, um unsere Standorte in jetziger Form auch zukünftig weiter betreiben zu können. Das hängt davon ab, inwieweit auch für uns ein Rettungsschirm aufgespannt wird und wie dieser konkret ausgestaltet ist“, sagt Maike Braun, Pressesprecherin des DJH-Landesverbands Westfalen-Lippe. 

Einen Rettungsschirm hatten DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz und Wolfgang Büttner gefordert. 

Die Corona-Krise trifft das DJH zu einem bitteren Zeitpunkt: Denn Übernachtungen in Jugendherbergen sind aktuell beliebt. Die Zahlen stiegen 2019 landesweit. 3841 Menschen besuchten die Herberge auf der Burg im vergangenen Jahr, es wurden insgesamt 7974 Übernachtungen gezählt. Das waren knapp 300 mehr als im Jahr 2018, was einen Anstieg von vier Prozent bedeutet. 

Für die 600 Mitarbeiter in den Jugendherbergen und der Hagener Zentrale gilt seit dem 1. April Kurzarbeit. Im Zuge der Krise hat man sich auch dazu entschlossen, alle Investitionen in die Häuser zu stoppen. Gleiches gilt für alle Marketing-Aktivitäten, die der Landesverband für alle Jugendherbergen steuert, bis auf Weiteres eingestellt.

Auch die Jugendherberge an der Glörtalsperre steht vor dem Aus.

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