Mittelaltermarkt fällt aus: Organisatoren "blutet das Herz"

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Der Mittelaltermarkt, der jedes Jahr etliche Besucher in die Stadt und auf die Burg zieht, fällt 2020 aus.

Altena – Das erste Mal seit elf Jahren gibt es am ersten August-Wochenende keinen Mittelaltermarkt mit tausenden Besuchen. Die Organisatoren sprechen von einer "Katastrophe".

Die blanke Ritterrüstung bleibt im städtischen Magazin. In diesem schimmernden Eisen hatte der scheidende Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein (CDU) in den vergangenen Jahren oft beim Fassbieranstich im Burghof das Mittelalterfest eröffnet. 

Die Großveranstaltung, die stets über das erste August-Wochenende stattfand und vermutlich auch in diesem Jahr wieder bis zu 25 000 Menschen aus ganz NRW angezogen hätte, muss corona-bedingt ausfallen. Das erste Mal nach elf Jahren Mittelaltermarkt in Folge. 

Aus und vorbei, dass Gaukler, Schausteller, fahrendes Volk, zu Fuß und hoch zu Ross kämpfende Ritter sowie Mittelalter-Musiker die Stadt entlang der Lenne und auf der Burg hunderte Jahre zurück ins Mittelalter versetzen.

 „Das ist einfach eine Katastrophe für uns“, sagt Detlef Krüger, Fachbereichsleiter Tourismus beim Märkischen Kreis. „Mir blutet das Herz. Wir haben es immerhin geschafft, die Stadt, unsere Burg, ja die Region, in den vergangenen Jahren in NRW durch dieses Event bekannter zu machen. 

Ich liebe fröhliche Feste, mehr noch fröhliche Menschen. Und das war es, was die Festivität ausgezeichnet hat. Das besondere Ambiente, die Verbindung von Feste zu Altstadt und das Programm. Das hat sich immer auch im Nachgang auf Burg- und Museumsbesucher ausgewirkt.“ 

Aber: „Es wäre nicht verantwortbar gewesen, diese Veranstaltung durchzuführen“, sagt Bürgermeister Hollstein. Er hat „vier Mittelalter-Kostüme im Schrank hängen. Ich bin immer gerne gewandet auf den Markt gegangen. Das Flair, der Kontakt zu den Gauklern, Marktbeschickern und Besuchern haben mir stets gefallen“, sagt der 57-Jährige. 

Er erinnert sich an die Anfänge: Es sei ein Wagnis gewesen, vor elf Jahren erstmals ein Fest dieser Größe auszurichten. „Wir wussten nicht, was passiert. Wird es angenommen? Wird es ein Flop? Mittel in der Rücklage hatten wir auch nicht.“ 

Als er dann zur Premiere der Veranstaltung am ersten August-Wochenende 2009 samstags in die Stadt kam, „standen schon mehr als 150 Personen allein vor den Einlasshäuschen an der Mittleren Brücke. Da wusste ich, es wird gelingen.“ 

Corina Turner von der Agentur Pfiffikus arbeitete dem ausrichtenden Kulturring, der Stadt und dem Kreis als Träger der Veranstaltung mit ihrem Team zu. 

Die corona-bedingte Festabsage kam für sie nicht überraschend. „Wir haben bereits nach Ostern reagiert und mussten unsere Verträge mit den Partnern um eine rechtssichere Klausel anpassen. Da gab es aber keine Probleme.“ Turner liebt die Gespräche mit den Markthändlern jedes Jahr, den persönlichen Kontakt, den sie auch bei anderen Mittelalterfesten in der Region weiter pflegte. „Wir haben uns immer bemüht, eine fröhliche Truppe in die Stadt zu holen“, sagt sie. 

Die stets steigenden Besucherzahlen mit bis zu 25 000 Gästen bestätigen sie. Auch sie mischte sich „oft und gerne unter die Feiernden. Ich besitze schon einige Kostüme, die ich mir über die Jahre zugelegt habe“. 

Hier geht es zum Corona-Newsticker im Märkischen Kreis.

Kulturring-Chef Wolfgang Noack, stieß erst vor fünf Jahren zum Team. „Feiern, ja das konnte ich mit unserem Team nicht so recht“, sagt er augenzwinkernd. „Mittelalterfest heißt schließlich immer Arbeit, Arbeit, Arbeit.“ 

Und doch: Auch er wurde schnell vom Bazillus Mittelalter angesteckt. „Ich besitze vier Kostüme und die werde ich auch in Zukunft gerne auf dem Fest tragen“, blickt er sehr optimistisch nach vorn. 

Einen anderen Blick wirft Joachim Protzer vom Ordnungsamt auf das Großevent: Er lobt die Disziplin der Gäste bei den bislang elf Märkten. Natürlich habe es den einen oder anderen Platzverweis gegeben, aber das sei bei Großveranstaltungen dieser Art normal. 

So schön war der Mittelaltermarkt in Altena 2019

Aber was zum Beispiel falsch geparkte Fahrzeugen angehe, „gab es kaum etwas zu bemängeln. Nur wenige hielten sich nicht an die Regeln“. Eine Urlaubssperre gab es im Rathaus wegen dem Mittelalterfest nie. „Aber alle wussten, wie es lief und waren an Bord“, sagt Protzer. 

Tourismus-Experte Krüger hofft auf eine Neuauflage des Mittelalterfestes im kommenden Jahr. Man könne nicht in die Glaskugel schauen, sagt er. 

Und die Planung der Schützen,im kommenden Jahr auf ein Fest zu verzichten, zeige, wie unsicher die Lage ist Vielleicht wisse man im Dezember mehr. 

„Auf jeden Fall halte ich das Mittelalterfest für eines der schönsten Feste dieser Art in Westfalen und darüber hinaus. Es ist Werbung für Altena, für die Region und natürlich unsere Burg und die Museen.“ 

Krüger erinnerte daran, dass trotz der Absage „jetzt nicht alles brach liegt. Altena hat so viel Flair. Die historischen Häuser, die Drahtindustrie, die noch immer sichtbar die Stadt prägt, der Fluss“. 

So  heißt es ab nächster Woche an drei Samstagen hintereinander "Wire on Fire" unter freiem Himmel im Hof des Drahtmuseums

Und Krüger ist auch sicher: Nach der coronabedingten Zwangspause geht die Mittelalter-Fest-Geschichte weiter, „weil es dafür einen großen Bedarf gibt“.  

An Skandale oder besondere Ärgernisse hat der Kreis-Fachmann „keine Erinnerung“. Und doch gab es zumindest ein Skandälchen. Eine Mittelalterband trug 2011 angeblich kirchenfeindliche Texte vor, was Katholiken auf den Plan rief. 

Die Musiker hatten damals etwas brachial gehaltene historische Texte minimal überarbeitet und dann neu vertont. Das sorgte am Ende aber weder für einen messbaren Anstieg der Konzertbesucherzahlen noch für große Verärgerung der Festbesucher.

Weitere Bands und Musiker rockten in den Folgejahren auf der Burg und in der Stadt oftmals die Massen. Die Lieder, stilecht im Mittelalter-Klang – hörten sich manchmal gewöhnungsbedürftig an, aber die teils auf historischen Instrumenten dargebotenen Klänge machten Mittelaltermusik in Altena einem großen Zuhörerkreis zugänglich

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