Einzelhändler froh, wieder öffnen zu dürfen

Coronakrise: Angst vor noch mehr Leerstand

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Der Buchladen Katerlöh richtete gestern vor dem Geschäft eine Wartezone mit Stuhl ein: Erst einmal ist das Absperrband provisorisch angebracht, bis Inhaberin Gerlinde Fuhrmann Klebeband bekommt.

Lüdenscheid - Seit Montag dürfen Einzelhändler mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern unter bestimmten Sicherheitsvoraussetzungen wieder öffnen. In Altena hat damit ein Großteil der Geschäfte wieder geöffnet. Das heißt aber nicht, dass die Gefahr gebannt ist - nicht die vor dem Coronavirus und auch nicht die vor einer möglichen Insolvenz. 

Mit gelb-schwarzem Band markiert Gerlinde Fuhrmann vor ihrem Buchladen Katerlöh den Abstand, den die Kunden einhalten müssen, wenn sie draußen warten. Der Erste in der Schlange kann sogar auf einem Wartestuhl Platz nehmen. Auch einen separaten Ein- und Ausgang konnte sie einrichten, sodass sich ihre Kunden – maximal vier gleichzeitig sind erlaubt – möglichst nicht über den Weg laufen.

Seit gestern darf sie ihr Geschäft, wie ein Großteil der Einzelhändler in der Fußgängerzone, wieder öffnen. Voraussetzung ist, dass die Sicherheits-Maßnahmen eingehalten werden. Das Ordnungsamt suchte am Vormittag die Geschäfte auf und informierte, welche Maßnahmen noch umgesetzt werden müssen. „Alle bekommen noch einheitliche Schilder mit der erlaubten Personenzahl für ihr Ladenlokal“, sagt Stefan Wille, Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Nach einer gewissen Anlaufzeit werde man Kontrollen durchführen und Verstöße ahnden.

Auch wenn in der Innenstadt noch nicht so viel los ist wie vor Corona, seien es schon wieder mehr Leute, sagt Stefan Wille. Gerade bei Kik und Ernstings Family sei das der Fall. Aber auch die Einzelhändler sind froh, dass sie wieder öffnen dürfen.

Einen Rundweg für die Kunden hat Petra Piekny, Inhaberin des Haus der Geschenke, ausgewiesen.

„Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Es ist verständlich, dass erst einmal weniger Kunden kommen, als vor Corona“, sagt Christian Kurz, Inhaber des Modegeschäfts Damando. Es sei schön, dass wieder ein bisschen Normalität einkehre. 

Dieser Meinung ist Petra Piekny vom Haus der Geschenke zwar auch, sie sieht die Öffnung jedoch mit gemischten Gefühlen. „Wir haben eh schon nicht so die Kunden möchten nach so einer langen Zeit auch mal wieder vor die Tür gehen“, sagt sie. Aber sie will auch sich selbst schützen. Mit Wegweisern hat sie in ihrem Geschäft einen Rundweg ausgewiesen, damit sich die Kunden nicht auf dem Gang über den Weg laufen. Erst einmal hat sie nur für drei Tage in der Woche geöffnet. Um zu sehen, ob sich die Kunden an die Regeln halten und wie viele überhaupt kommen. Viele Kunden seien von sich aus aber erst einmal vorsichtig, lesen die Info-Schilder am Eingang und fragten, ob sie eintreten dürfen, berichtet die Geschäftsfrau.

Auch der Raumausstatter- Meisterbetrieb Bartels öffnet erst einmal nur für drei Tage. Gestern wurde Inhaberin Alina Weber hauptsächlich nach Mundschutz gefragt. Um ihren Laden zu betreten, muss der Kunden auch einen solchen tragen, wie es auf einem Schild am Eingang heißt. Das ist aber nicht in jedem Geschäft Pflicht.

Im Raumausstatter-Meisterbetrieb Bartels muss jeder Kunde einen Mundschutz tragen.

Karlheinz Turner von Geschenkideen Turner hofft, dass die Bürger wieder in die Stadt kommen. „In Altena ist generell nicht so viel los“, sagt er. Er hat nicht nur Angst um sein eigenes Geschäft, sondern auch, dass andere wegen ausbleibenden Umsatzes schließen müssen.

„Es ist alles ein bisschen fremd, als wäre es nicht der alte Laden“, sagt Ulrike Betzler, Inhaberin des gleichnamigen Juweliergeschäfts. Nicht nur, dass auf dem Fußboden Abstände markiert wurden, auch das Bedienen ist anders. Über den Tresen und zusätzliche Stehtische kann den Kunden der Schmuck zum Betrachten gereicht werden. Ohrstecker dürfen nicht mehr anprobiert und Ketten nur noch vom Kunden selbst anlegt werden. „Aber wir sind froh, dass wir wieder öffnen konnten. Vier Wochen geschlossen zu haben war ein Albtraum. Unsere Hoffnung ist, dass der Handel unterstützt wird.“ Sonst sieht es zukünftig immer so in der Fußgängerzone aus wie in den vergangenen Wochen“, sagt Ulrike Betzler.

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