Messen und Praktika fehlen

Corona verschärft  Probleme auf dem Ausbildungsmarkt

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Die Firma Wachsmuth verzichtet in diesem Jahr auf neue Azubis.

Altena/Nachrodt-Wiblingwerde - Sind junge Leute in Schockstarre aufgrund der Corona-Pandemie, der ungewissen Zukunft und bewerben sich deshalb nicht? Manche Unternehmen suchen nämlich händeringend Auszubildende und bekommen keine Bewerbungen.

Andere Firmen sind zurückhaltend und wollen in diesem Jahr keine Azubis einstellen. Selten hat die Pandemie gar keine Auswirkung auf die Ausbildungssituation in den Firmen.

Walzwerke Einsal 

Erst eine einzige Ausbildungsstelle ist bei den Walzwerken besetzt – von weiteren fünf bis zehn möglichen mit Start zum 1. August oder 1. September. „Ich bin auch etwas ratlos. Eigentlich müssten die jungen Leute ja Sorge haben, dass sie in diesen Zeiten keine Ausbildungsstelle mehr bekommen und deshalb noch mehr Gas geben“, sagt Personalleiterin Angelika Fuchs. Doch der Bewerbungseingang läuft schleppend. Aktuell finden Einstellungsgespräche und Eignungstest unter strengen Hygienevorschriften statt. Ob als Industriekaufmann, Elektroniker für Betriebstechnik, Fachkraft für Metalltechnik, Industriemechaniker Instandhaltung oder Verfahrenstechnologe Metall: In all diesen Bereichen sind noch Ausbildungsplätze zu haben. „Vielleicht benötigen die jungen Leute einen kleinen Schubs. Üblicherweise werden die Bewerbungen von den Schulen motiviert und begleitet. Das fehlt jetzt“, sagt Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke. Den Unternehmen fehlen die Messen, um auf sich aufmerksam machen zu können. Was bleibt, ist die Karriereseite auf der eigenen Homepage. Die Walzwerke bilden immer über ihren eigenen Bedarf hinaus aus, und sehen keinen Grund, dies in Corona-Zeiten nicht zu tun.

Wachsmuth in Wiblingwerde 

Das Werkzeugbau-Unternehmen im Höhendorf wird in diesem Jahr keine Auszubildenden einstellen. „Wir setzen in diesem Jahr einmal aus und machen im nächsten Jahr weiter“, sagt Björn Wachsmuth. Das gelte für den Standort Lüdenscheid ebenso. Die Verunsicherung aufgrund der Pandemie sei aufseiten der Unternehmen ebenso groß wie bei den jungen Leuten. „Wir müssen als Unternehmen sehen, wie eine Beschulung möglich ist, wie sich das generell entwickeln wird. Unsere Azubis bekommen Online-Unterricht, der zwar gut funktioniert, aber nicht auf Dauer sein kann“, sagt Björn Wachsmuth. Zudem habe es auch keine Bewerbungsflut gegeben. Die jungen Leute seien sehr zögerlich. Die Krise kann das Unternehmen meistern: „In Wiblingwerde sieht es sehr gut aus, und wir glauben nicht an einen großen Absturz. In Lüdenscheid machen wir im Moment Kurzarbeit und denken, dass es zur Jahresmitte langsam wieder bergauf geht.“

Stadtwerke Altena 

„Wir haben geplant, zwei Auszubildende einzustellen, einen im Bereich Technik und einen im Bereich Verwaltung. Mittlerweile sind die Stellen auch vergeben“, sagt Geschäftsführer Hendrik Voß. Die Ausbildungsstelle in der Verwaltung sei schon vor Corona besetzt gewesen. Im Bereich Technik beschäftigte das Unternehmen kurz vor der Coronakrise einen Praktikanten, der sich gut angestellt und anschließend auch beworben habe. Beide sollen zum 1. August ihre Ausbildung beginnen. Die Frage, ihnen aufgrund der wirtschaftlichen Lage wieder abzusagen, stelle sich im Unternehmen nicht.

Die Stadtwerke Altena stellen zwei Auszubildende ein. „Die Stellen sind vergeben“, sagt Geschäftsführer Hendrik Voß.

VDM Metals 

„Die Coronakrise ändert nichts an unserer Ausbildungslage“, sagt Sven Haarhaus, Referent Personalentwicklung bei VDM Metals. Jährlich werden 20 Auszubildende eingesellt – und das soll auch in diesem Jahr so sein. „Schließlich brauchen wir die Fachkräfte“, sagt er. Daher plane man mit der vollen Zahl. Obwohl in den letzten Wochen die Ausbildungsrekrutierung brach lag – Messen fielen ebenso aus wie der Girlsday, Berufsfelderkundungstage und Praktika – konnte das Unternehmen mittlerweile zwei Drittel der Ausbildungsplätze besetzen. 

„Der Bewerbungseingang ist im Vergleich zu den anderen Jahren normal“, sagt Sven Haarhaus. Er vermutet eher, dass sich durch Corona viele Schüler schon eher Gedanken machen, was sie nach der Schule beruflich machen wollen. Vor zwei Wochen wurde die Vorbereitung für den Ausbildungsstart wieder aufgenommen. Vorstellungsgespräche und Einstellungstest finden wieder statt, die Verfahrensweise wurde jedoch angepasst. Die Ausbildung startet in der Regel in der letzten Woche der Sommerferien mit einer Einführungswoche. Ob diese wie üblich mit einer Kennenlernfahrt stattfinden kann, sei allerdings noch offen.

Sanitär und Heizung Fischer in Nachrodt 

„Wir bilden aus, haben aber für dieses Jahr noch keinen Bewerber“, sagt Bernd Fischer. Zum 1. August könnte jemand in seiner Nachrodter Firma eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik beginnen. „Wir haben allerdings auch nicht gezielt nach Auszubildenden gesucht, sonst geben wir uns da mehr Mühe“, gibt Bernd Fischer zu. Die Schülerpraktika konnten in diesem Jahr nicht stattfinden – auch ein Problem für den möglichen Nachwuchs. Ein Realschulabschluss „wäre schön, ist aber nicht zwingend erforderlich“, so Bernd Fischer, der gerne Werbung für seinen Beruf macht. „Er leidet manchmal am Image, ist aber sehr interessant, vielfältig und hoch technisiert. Zukünftige Azubis sollten im besten Fall ein Faible für Naturwissenschaften, Physik, Mathe und ein bisschen Chemie haben.

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