„Schlag ins Gesicht“: Händler ziehen Bilanz nach hartem Jahr

Alexander Schmitz gibt die bestellten Waren durch die geschlossene Ladentür an Kunden.
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Alexander Schmitz gibt die bestellten Waren durch die geschlossene Ladentür an Kunden.

Es war ein hartes Jahr mit zwei Lockdowns für Altenas Händler. Stadtmarketing-Verein-Chef Alexander Schmitz zieht Bilanz.

Altena – Ein besonderes Jahr neigt sich dem Ende entgegen, 2020 wird als das Corona-Jahr in die Geschichtsbücher eingehen. Auch für den Altenaer Einzelhandel war es ein besonderes, ein schwieriges Jahr. Der zweite harte Lockdown nach dem im Frühling fiel mitten ins Weihnachtsgeschäft. Alexander Schmitz, Vorsitzender des Altenaer Stadtmarketingvereins, wirft im Gespräch mit Lars Schäfer einen Blick in den Rückspiegel und schaut auch voraus.

Der Einzelhandel ist im Dezember erneut in den Lockdown gegangen. Wie schmerzhaft war die Schließung der Ladentüren mitten im Weihnachtsgeschäft für die Altenaer Einzelhändler?

Es war wieder ein Schlag ins Gesicht. Aber ich denke, dass wir uns schon nach wenigen Stunden alle zusammengerafft und besonnen haben. Wir sind ja in der Lage, den Abhol- und Lieferservice noch anbieten zu dürfen. Das ist natürlich schon deutlich anstrengender als der normale Verkauf. Das geht los mit der telefonischen Beratung oder der Frage der Kunden, ob wir auch wirklich da sind und wie man an die Ware kommt. Im Großen und Ganzen aber geht es. Klar war es anfangs ein Schock, dass gerade in der letzten Woche vor Weihnachten alles heruntergefahren wurde.  Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog.  

Der Umsatz im Weihnachtsgeschäft ist in diesem Jahr kein Vergleich zu früher?

Naja, für meinen Bereich kann ich sagen, dass wir schon länger nicht mehr das Bomben-Weihnachtsgeschäft haben wie vor 20 Jahren. Das heißt, dass kleinere Dinge, die die Leute sonst immer im Einzelhandel gekauft haben, auch schon in den Jahren zuvor viel online gekauft wurden. Von daher merke ich das in diesem Jahr auch nicht so extrem. Aber sicherlich: Die letzten kleinen Besorgungen in der Stadt blieben dann doch aus.

Nachdem kein Weihnachtsmarkt stattfinden konnte, initiierte der Stadtmarketingverein mit der Stadt die Altenaer Wintermeile, die am 12. Dezember vorzeitig beendet werden musste. Außerdem wurden in der Innenstadt im Advent Gebäude und Plätze in weihnachtliches Licht gehüllt. Wie war das Feedback?

Das Feedback war durchweg positiv. Ich kenne niemanden, der gesagt hat, das sei eine doofe Idee gewesen. Dass wir auch noch die Innenstadt beleuchtet haben, ist sehr gut angekommen. Die Aussteller auf der Wintermeile waren zufrieden, die Besucher waren zufrieden. Wir haben persönliche Nachrichten oder Sprachnachrichten von Leuten bekommen, die zunächst kritisch waren, ob das alles so funktionieren würde.

Selbst da waren am Ende Leute dabei, die uns durchweg nur positives Feedback gegeben haben. Dass nicht alles perfekt war, gerade mit Blick auf die Abstimmung der Öffnungszeiten, wissen wir. Aber: Es war das erste Mal. Und zwei Tage vor Beginn der Wintermeile wurde uns ja noch der Sonntag gecancelt.

Das war schon aufregend. Das ganze Projekt war eben mit sehr viel Flexibilität verbunden. Aber trotzdem hat es ganz gut geklappt. Von daher waren und sind wir zufrieden.

Wird es eine ähnliche Aktion mit den Pop-Ups wieder geben in den kommenden Monaten?

Wir haben natürlich angedacht, das Ganze fortzuführen – vielleicht zum Thema Ostern. Aber nichtsdestotrotz muss das auch alles finanzierbar sein. Die Ladenlokale sind uns ja nicht kostenlos zur Verfügung gestellt worden, zumindest nicht alle. Die Mietkosten hat zum größten Teil die Stadt übernommen.

Von den Ausstellern kann man nicht erwarten, dass sie die volle Miete zahlen. Das heißt: Wir müssen schauen, wie in Zukunft solche Projekte finanzierbar sind.

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Was wünschen Sie sich als Vorsitzender des Stadtmarketingvereins für das neue Jahr bezüglich des Altenaer Stadtzentrums?

Ich wünsche mir, dass wir das, was wir jetzt mit der Wintermeile erreicht haben, fortführen können. Denn da hat man gesehen, dass die Innenstadt immer noch Lebensqualität bietet und attraktiv ist.

Es wäre schön, wenn wir dieses Projekt, das wir jetzt gestartet haben, auch zusammen mit dem neuen Eventteam im nächsten Jahr fortführen, perfektionieren, verfeinern und erweitern können – und dass wir uns wieder ein bisschen mehr auf die Innenstadt konzentrieren können.

Klar sage ich das als Innenstadt-Kind und als Einzelhändler in der Innenstadt. Aber ich finde, dass eine Innenstadt das Herz einer Stadt ist. Und genau das müssen wir weiter forcieren und nach vorne bringen.

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