Warten auf Selbsttests

Corona und die Schulen: „Es gibt viele Ängste“

Selbsttests in Schulen sollten schon gemacht werden - in Altena sind sie noch gar nicht angekommen.
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Selbsttests in Schulen sollten schon gemacht werden - in Altena sind sie noch gar nicht angekommen.

Keine Notbremse trotz hoher Zahlen, keine Schnelltests in den Schulen, dafür aber wieder Schüler: Regeln, die in Altena und Nachrodt auf Unverständnis stoßen - und Ängste hervorrufen.

Altena/Nachrodt – Der Märkische Kreis ist wieder NRW-weit Spitze, was den Inzidenzwert angeht. Am Mittwoch stieg er auf 158,5. Ab einem Wert von 100 sind Länder und Regionen aufgerufen, die Notbremse zu ziehen. Auf eine entsprechende Absprache in der Ministerpräsidentenkonferenz wies Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag (15. März) noch einmal in aller Deutlichkeit hin. „Wenn man Beschlüsse fasst, geht man immer davon aus, dass sie dann auch Realität werden“, sagte er.

Für den Märkischen Kreis gilt das offenbar nicht: Bisher ist nicht bekannt, dass Landrat Marco Voge (CDU) irgendwelche Restriktionen plant. Uwe Kober (CDU), Bürgermeister von Altena, spricht von einer sehr dynamischen Situation und sagt: „Dass da was passieren wird, ist klar.“

Burgaufzug: Öffnung auf der Kippe

Ein Indiz dafür könnte sein, dass für den heutigen Donnerstag eine außerplanmäßige Videokonferenz der MK-Bürgermeister anberaumt worden ist. Auch für die Stadt sei die Situation schwierig, sagte Kober. So stehe hinter der geplanten Wiederinbetriebnahme des Burgaufzugs ein Fragezeichen.

Die Städte und Gemeinden im Kreis sollten auf jeden Fall an einem Strang ziehen, findet Nachrodts Bürgermeisterin Birgit Tupat aus Nachrodt-Wiblingwerde. „Es ist sicher nicht sinnvoll, den Inzidenzwert jeder einzelnen Minikommune zu bewerten.“ Hilferufe der Schulen, die eine dringende Schließung befürworten, hat sie nicht bekommen.

Schulleiterin: Tests sind große Herausforderung

Sie persönlich hätte es allerdings besser gefunden, wenn man den Schulbetrieb vor Ostern nicht aufgenommen hätte. Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln: So bewertet Birgit Tupat das Vorgehen der Schulministerin. „Und wenn es hart auf hart kommt, steht die Kommune im Regen.“

Apropos Schulbetrieb: Alle Schüler sollen noch vor den Osterferien die Möglichkeit bekommen, in der Schule einen Selbsttest durchzuführen. An der Sekundarschule sind eben dieses Tests noch nicht angekommen. Sind sie bis Freitag (19. März) da, startet der Jahrgang 10, in der nächsten Woche folgen die Jahrgänge fünf bis neun.

„Es gibt viele Ängste seitens der Eltern, Schüler und Lehrer, die wir versuchen, gut aufzufangen“, sagt Schulleiterin Anne Rohde. Sorgen wie „Werde ich gemobbt, wenn ich ein positives Testergebnis habe?“ müsse man den Kindern nehmen.

Grundsätzlich begrüßt Anne Rohde die Testmöglichkeit. Sie sagt aber auch: „Es stellt die Schulen erneut vor große Herausforderungen und ist Holterdiepolter über uns gekommen. Ich hätte mir die Informationen früher gewünscht.“ 25 Seiten Beschreibung, was die Lehrer bei den Tests zu tun oder zu lassen haben: Das klingt enorm, zumal es sich um einen einfachen Nasenabstrich handelt. Die Tests werden zu Beginn eines Schultages während der Unterrichtszeit durchgeführt. Die Anleitung gibt es dann mündlich und per Video. Aber wer nicht will, muss auch nicht.

Präsenzunterricht vor Ostern „ macht wenig Sinn“

In der Sekundarschule wechseln die Lerngruppen täglich zwischen Präsenzunterricht und Hausaufgaben für Daheim, denn es „gibt keine wundersame Vermehrung der Lehrer“. Dadurch, dass die Lerngruppen geteilt wurden, gibt es doppelt so viel Unterricht, sodass die Schüler zu Hause keinen eigenen Distanzunterricht bekommen.

Anne Rohde freut sich einerseits, dass die Schüler wieder im Präsenzunterricht sind, „andererseits macht das so kurz vor den Osterferien tatsächlich wenig Sinn. Es handelt sich um eine gewisse Experimentierphase, wie es nach den Osterferien weitergehen kann. Und Experimente an Kindern ärgern mich“.

Burggymnasium: Wechselunterricht klappt

„Fast alle Schüler freuen sich, dass sie wieder in die Schule kommen können“, berichtet Ulrich Holtkemper, Schulleiter des Burggymnasiums. Den Jugendlichen hätten im Distanzunterricht schlicht die Kontakte gefehlt. Deshalb freue er sich für sie. Für die Lehrer und die Organisation des Unterrichts sei der Distanzunterricht aber besser zu handhaben als die jetzige Mischung zwischen Distanz- und Präsenzunterricht.

Sie wird am BGA so gehandhabt, dass eine Hälfte der Schüler zur Schule kommt und die andere Hälfte online unterrichtet wird. Die Klassen, die in der Schule sind, werden aufgeteilt und nutzen zwei Klassenräume, zwischen denen die Lehrer hin- und herpendeln. Das klappe einigermaßen gut, berichtet der Schulleiter und betont, dass das auch daran liegt, dass der Schule seit den Weihnachtsferien genug Leitungskapazitäten zur Verfügung stehen. Das System bedingt, dass eine größere Anzahl von Lehrern gleichzeitig aus der Schule heraus Distanzunterricht erteilen muss. Das klappe inzwischen fast problemlos, berichtet der Schulleiter.

Datenschutz bringt große Probleme mit sich

Und dann ist da noch der Datenschutz: Es gibt am BGA diverse Kurse für Schüler aus allen Klassen eines Jahrgangs. Das bedeutet, dass stets ein Teil der Jugendlichen nicht in der Schule ist. Technisch wäre es durchaus möglich, den Unterricht mit Kamera und Mikro live aufzunehmen und an die Schüler zuhause zu übertragen. Solche Aufnahmen dürften aber nur angefertigt werden, wenn ausnahmslos alle Eltern dem zustimmen würden, schildert der Schulleiter.

Das Thema Tests bereitet dem Schulleiter und seinen Kollegen einiges Kopfzerbrechen. Bisher sind am Gymnasium keine angekommen. „Und so lange die Dinger nicht hier sind, kann ich nur sehr begrenzt planen.“

In einer E-Mail an die Eltern beschrieb Holtkemper das Problem: Alle Schüler sollen bis zu den Ferien einmal getestet sein. Diejenigen, die in dieser Woche in der Schule sind, wechseln nächste Woche in den Distanzunterricht. Sollte es nicht gelingen, sie am Freitag zu testen, wisse er nicht, wie das dann in der kommenden Woche geschehen könnte. Übrigens gibt es auch in dieser Hinsicht Rechtliches zu bedenken: Die Eltern können der Testung ihrer Kinder widersprechen. Alle Infos zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog.

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