In Supermärkten und Apotheken

Corona-Selbsttests: Bald gibt‘s sie zu kaufen

Corona-Selbsttests gibt‘s  sehr bald in Apotheken und Supermärkten. Vor allem für Kinder seien sie geeignet, sagt eine Apothekerin.
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Corona-Selbsttests gibt‘s sehr bald in Apotheken und Supermärkten. Vor allem für Kinder seien sie geeignet, sagt eine Apothekerin.

Bei Edeka Enste wartet man auf die Lieferung der ersten Corona-Selbsttests, die Apotheker ebenfalls. Sie finden die Tests für Laien sinnvoll, haben aber eine Sorge.

Die ersten Corona-Selbsttests wurden in Deutschland zugelassen. Diese Teststrategie ist neben der Ausweitung der Impfungen in der öffentlichen Diskussion eines der wichtigsten Argumente für Lockerungen, über die Bund und Länder am Mittwoch (3. März) beraten.

In den Apotheken in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde stößt das auf Zuspruch. Allerdings sind sie bislang noch nicht erhältlich. „Sobald sie verfügbar sind, werden wir sie natürlich anbieten und unseren Kunden beim Kauf auch erklären, worauf für zuverlässige Ergebnisse geachtet werden muss“, sagt Apotheker Dirk Voß, Inhaber der Bahnhof- und der Markt-Apotheke in Altena.

Apotheker: Tests „eine große Erleichterung“

Allgemein hält er die Laien-Tests für sinnvoll. Vor dem Hintergrund der strengen Zulassungsvorschriften in Deutschland vertraut Voß auf deren Qualität. „Die Tests werden eine große Erleichterung sein“, sagt der Apotheker. „Sie geben im Alltag mehr Sicherheit. Für den Umgang mit dem Testergebnis trägt aber jeder Anwender selbst die Verantwortung.“

Soll heißen: Fällt der Schnelltest positiv aus, ist der Laie in der Pflicht, weitere Schritte einzuleiten und sich zum Beispiel in Quarantäne zu begeben, um die Infektionskette zu unterbrechen. Darüber hinaus sind gerade bei den Schnelltests „die Ergebnisse nur eine Momentaufnahme“, betont Voß. Weitere Schutzmaßnahmen müssen getroffen werden. Nicht alle Apotheker im MK sind so positiv gegenüber den Tests eingestellt.

Auf Verhalten der Leute kommt‘s an

Der Apotheker hat aber auch Bedenken: „Wenn die Tests dazu führen, dass die Leute unvorsichtiger werden und sich wieder mehr treffen, ist nichts gewonnen. Es bleibt abzuwarten, wie die Gesellschaft damit umgeht.“ Als Ergänzung zur Impfung sei das neue Angebot aber vorerst ein wichtiges Werkzeug, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Ganz ähnlich sieht es Jacqueline Daly, Inhaberin der Lenne-Apotheke in Nachrodt. Sie kann sich vorstellen, dass die Selbsttests für Bereiche im öffentlichen Leben schon bald Pflicht werden, wenn mehr verfügbar sind. „Im Kampf gegen die Pandemie sind Impfungen und regelmäßige Tests das Nonplusultra“, sagt Daly.

Tests von nur drei Firmen zugelassen: Große Nachfrage

Sie habe schon von anderen Ländern gehört, wo sich die Bürger vor ganz alltäglichen Aufgaben einem Schnelltest unterziehen müssen, zum Beispiel vor dem Friseurbesuch. Dieses Vorgehen habe sich auf die Gesamtinfektionslange positiv ausgewirkt. Zum Beispiel in Israel.

Dafür müssten allerdings auch viele Tests verfügbar sein – was wenige Tage nach der Zulassung noch nicht der Fall gewesen sei. „Ich habe noch keine bestellt und es ist momentan auch gar nicht so einfach, daran zu kommen“, berichtet Daly. Dadurch, dass derzeit nur drei Selbsttests eine Zulassung haben, genießen diese Firmen eine Monopolstellung.

„Ich bin zuversichtlich, dass sich die Lage entspannt, wenn noch mehr Hersteller eine Zulassung für ihre Produkte erhalten.“ Nach Dalys Kenntnisstand könnten es bis zu 30 verschiedene Tests werden, denn so viele Firmen haben Zulassungsanträge gestellt.

Edeka Enste: Tests in etwa einer Woche erwartet

Anders als in den Apotheken stellt sich die Lage im Altenaer Edeka-Markt Enste dar. Geschäftsführer André Enste weiß bereits, ab wann er die Tests anbieten kann. „Wir bekommen die Schnelltests wahrscheinlich in ein bis zwei Wochen geliefert“, berichtet er. Er habe schon zahlreiche Angebote von Fremdanbietern per E-Mail erhalten. „Ich verkaufe aber nichts, was mir über dubiose Kanäle angeboten wird“, sagt der Geschäftsführer.

Er ist sich seiner Verantwortung bewusst: Die Kunden sollen sich auf das Testergebnis verlassen können. Deshalb bezieht Enste seine Ware über die Edeka-Gruppe Rhein-Ruhr. Wie er berichtet, habe das Unternehmen „250 000 Selbsttests für den Verkauf in den Märkten geblockt“. Sie würden nun zertifiziert und vermutlich ab Ende dieser oder Anfang nächster Woche in das Sortiment in Altena aufgenommen.

Kai Kantimm, Chef des Edeka-Marktes in Nachrodt, wusste von dem Angebot der Edeka Gruppe Rhein-Ruhr dagegen noch nichts. Er betonte jedoch, dass auch er die Artikel schnell ins Sortiment aufnehmen wolle, wenn es eine seriöse Bezugsquelle gibt.

Stäbchen muss nicht so weit in Nase oder Rachen

Die neu zugelassenen Laien-Schnelltests basieren auf dem sogenannten Point-of-Care- Verfahren (PoC). Dieses wird schon seit einiger Zeit zum Beispiel vor Besuchen in Pflegeheimen angewendet, um Angehörige auf eine Infektion mit dem Coronavirus zu testen. PoC-Tests sind zwar nicht ganz so zuverlässig wie die aufwendigeren PCR-Tests, die in Laboren ausgewertet werden, geben aber dennoch mehr Sicherheit.

Obwohl die gleiche Technik hinter den Selbsttests steckt, ist die Vorgehensweise etwas anders als bei den bekannten Schnelltestes. Denn bislang waren Abstriche im hinteren Bereich von Rachen oder Nase notwendig, um Personen auf das Coronavirus zu testen.

Spucktests als weitere Option?

Die neuen Produkte sollen dagegen auch mit Proben aus dem vorderen Bereich der Nase funktionieren, der für Laien gut zu erreichen ist. Apothekerin Jacqueline Daly bezeichnet sie deshalb auch als „Nasenbohrer-Tests“. Sie seien gerade für Kinder viel besser geeignet.

Apothekerin Daly hat außerdem von sogenannten Corona-Spucktests für den Heimgebrauch gehört. Einen solchen hat eine Firma in der Region entwickelt. Die sind bislang zwar noch medizinischem Fachpersonal vorbehalten, könnten vielleicht aber ebenfalls schon bald freiverkäuflich sein. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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