Kraftakt für Fitness Factory: Perspektive für Öffnung fehlt

Zwischen ausgeschalteten Laufbändern, Ergometern und verschiedenen Kraftgeräten steht Mehmet Deniz, dessen Fitness-Factory am Stapel seit November geschlossen ist. Wann wieder trainiert werden kann im Studio, steht in den Sternen.
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Zwischen ausgeschalteten Laufbändern, Ergometern und verschiedenen Kraftgeräten steht Mehmet Deniz, dessen Fitness-Factory am Stapel seit November geschlossen ist. Wann wieder trainiert werden kann im Studio, steht in den Sternen.

Jeder zweite Ergometer ist mit Absperrband versehen, auch die Laufbänder stehen still. Hanteln liegen ordentlich sortiert nebeneinander und sind genauso verwaist wie die verschiedenen Kraftstationen. In der Fitness-Factory am Stapel sind die Gewichte schon seit November nicht mehr gestemmt und die anderen Fitnessgeräte genauso lange nicht mehr benutzt worden. Dort, wo einst reichlich Schweiß floß und sich Frauen und Männer fit hielten, herrscht fast schon beklemmende Ruhe. Die Corona-Pandemie und der Lockdown, sie sind ein immenser Kraftakt auch für die Fitness-Factory.

Altena – Zwischen ausgeschalteten Laufbändern, Ergometern und verschiedenen Kraftgeräten steht Mehmet Deniz, der das Fitnessstudio seit 2018 zusammen mit seiner Frau Tugba betreibt. Dass der 29-Jährige in dieser Trostlosigkeit einen grauen Trainingsanzug trägt, passt irgendwie ins Bild. „Die Hoffnung, dass wir wieder öffnen dürfen, war vor ein paar Wochen noch da. Jetzt aber ist sie wieder weg. Weit weg“, sagt Mehmet Deniz. Er hatte Licht am Ende des Tunnels gesehen, als sich Bund und Länder Anfang März für erste Lockerungen und auf fünf Öffnungsschritte in der Corona-Pandemie geeinigt hatten. Erlaubt war die Öffnung von Fitnessstudios zwar auch da noch nicht, aber angesichts von ersten Lockerungen keimten bei ihm und seiner Frau eben Hoffnungen auf. Hoffnungen, die nach dem Corona-Gipfel am 22. März und angesichts weiter steigender Infektionszahlen aber im Keim erstickt wurden.

Schutz selbstverständlich

Dass der Schutz vor dem Coronavirus oberste Priorität hat, ist für Mehmet Deniz selbstverständlich. Dennoch ist der 29-Jährige enttäuscht bis frustriert, wenn er über die politischen Beschlüsse aus Berlin zu sprechen kommt. „Die Bundesregierung hat aus meiner Sicht versagt“, sagt der Altenaer, „deren Beschlüsse kann ich nicht mehr nachvollziehen. Wir müssen lernen, mit Corona zu leben.“ Statt Verbote fordert er praktische Lösungen und Perspektiven. Für den Handel, für die Gastronomie, für die Kultur, für die Fitnessbranche. „Wir haben bei uns im Studio einige Mitglieder, die auf Sport angewiesen sind. Zum Beispiel wegen Rückenproblemen. Aber bei uns trainieren auch viele Leute, die nach nach einem stressigen Arbeitstag einfach mal abschalten wollen“, so Deniz, der schon im vergangenen Jahr Zeit und Geld in ein „gutes Hygienekonzept“ investiert hatte und trotz anhaltenden Lockdowns weiterhin dabei ist, das Studio so sicher wie möglich zu machen. Dazu gehört unter anderem ein am Eingang aufgestellter Automat, an dem sich Mitglieder kontaktlos die Hände desinfizieren können und an dem auch die Körpertemperatur gemessen wird. Zudem gibt es eine Luftfilteranlage. „Und zwischen den Geräten werden immer mindestens zwei Meter Abstand eingehalten“, so Deniz.

Begeistert ist der 29-Jährige von der Loyalität vieler Mitglieder, die trotz des Lockdowns weiterhin ihren Beitrag bezahlt oder nicht zurückverlangt haben. „Ihnen gilt mein großer Dank“, betont Mehmet Deniz, den auch mehrere Anrufe, E-Mails oder Messenger-Nachrichten von Mitgliedern mit guten Wünschen fürs Studio erreicht haben. Tenor: Wir bleiben euch treu und drücken euch die Daumen, dass es bald wieder los geht.

Erste Kündigungen

Ins Haus geflattert sind in den letzten Wochen und Monaten allerdings auch mehrere Kündigungen von Mitgliedschaften. „Einige Mitglieder haben gekündigt, weil sie zum Beispiel in Kurzarbeit sind und weniger Geld zur Verfügung haben. Dafür habe ich Verständnis“, sagt Mehmet Deniz, der darauf setzt, dass diese Mitglieder irgendwann wieder zurückkehren werden in die Fitness-Factory, die nicht nur ein Ort für Fitness, sondern auch ein Ort der Begegnung ist.

Obwohl die monatelange Schließung des Studios trotz beantragter Überbrückungshilfe zu finanziellen Einbußen geführt hat und die Kosten für Pacht und Nebenkosten weiterlaufen, steckt Deniz, dessen Frau Tugba ein starker Rückhalt in dieser Zeit sei, den Kopf nicht in den Sand, im Gegenteil: „Aufgeben kommt für uns überhaupt nicht in Frage.“

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