Corona-Schnelltests: Apotheken zögern

Corona-Schnelltest
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PoC-Schnelltests dürfen Apotheken anbieten.

Apotheken dürfen Corona-Schnelltests anbieten. Doch viele Apotheker zögern - aus zwei Gründen.

Altena/Nachrodt – Die PoC-Schnelltests, die schon seit vielen Wochen unter anderem in Seniorenheimen Anwendung finden, könnten bald mehr Menschen zugänglich werden. Seit dem 18. Dezember können Apotheken Schnelltests anbieten – allerdings auf freiwilliger Basis. Doch die heimischen Apotheken sind zurückhaltend.

Das liegt nicht etwa daran, dass die Apotheker nichts von den PoC-Tests halten. „Die Tests haben zwar eine gewisse Fehlerquote“, sagt Dirk Voß, Inhaber der Apotheke am Bahnhof, „um einen ersten Hinweis auf eine mögliche Infektion zu geben, sind sie aber ein gutes Hilfsmittel. Es ist besser ein paar wenige falsche Tests zu haben, als gar keine.“

Corona-Schnelltests: Separater Raum nötig

Vielmehr liegt es an den logistischen Herausforderungen, dass es vielen Apotheken bisher nicht möglich war, PoC-Tests anzubieten. Es solle zum Beispiel ein separater Raum eingerichtet werden, in dem die Proben entnommen werden. „Die meisten Apotheken sind dafür einfach nicht gemacht. Generell wäre ich offen dafür gewesen, denn das ist eine gute Sache“, sagt Voß. Für Fachpersonal wie Pflegekräfte bietet er die PoC-Test zum Verkauf an. Ein Test kostet zehn Euro. Um den Abstrich müssen sich die Käufer selbst kümmern.

In der Apotheke müssten ihn Mitarbeiter machen, die dafür vorher extra geschult werden müssen. Viel Zeitaufwand in einer Situation, in der unter anderem wegen der Ausgabe von FFP-2-Masken das Arbeitspensum der Mitarbeiter ohnehin höher ist als sonst. Und das dürfte noch deutlich steigen, sollten Bund und Länder heute beschließen, dass FFP-2-Masken beim Einkauf und im öffentlichen Nahverkehr Pflicht werden.

Apotheker: „Regierung verlässt sich gerne auf uns“

„Die Regierung ist momentan scheinbar froh uns zu haben und verlässt sich gerne auf uns“, sagt Dr. Gerrit Fritsch, Inhaber der Stern-Apotheke. „Dabei werden wir sonst, in guten Zeiten, ins Haifischbecken mit den Online-Apotheken geworfen und dort gnadenlos und ungeschützt unserem Schicksal überlassen“, kritisiert er.

Differenziert betrachtet der Apotheker auch das Vorgehen der Bundesregierung beim Impfen. Er ist der Meinung, dass die Impfstrategie überdacht werden sollte. „Wir impfen jetzt zuerst die Senioren. Sie sind zwar die gefährdetste Gruppe, haben aber häufig auch die wenigsten Kontakte“, sagt Fritsch. „Wäre es nicht sinnvoller gewesen, zuerst die Angehörigen der Senioren zu impfen, damit die als Kontaktpersonen die Älteren nicht anstecken können?“

Verweis an Arztpraxis neben an

Schnelltests bietet auch die Stern-Apotheke zurzeit nicht an. „Bei uns gab es schon Anfragen nach dem Schnelltest. Unter bestimmten Voraussetzungen kann man darüber nachdenken“, sagt Fritsch. „Aber wir müssen hier das Rad nicht neu erfinden.“ Im Gesundheitszentrum Rahmede ist nämlich ein Arzt untergebracht, der selbst Testungen durchführt.

Die Apotheke muss daher nicht zusätzlich aktiv werden. Weil die Praxis des Arztes zwei Eingänge hat, müssen sich Personen mit Corona-Symptomen kaum Sorgen machen, dass sie mit anderen Patienten in Kontakt kommen und sie möglicherweise anstecken. „Wenn jemand nach einem Test fragt, weisen wir einfach auf die Arztpraxis nebenan hin.“

Corona-Schnelltests: Mehr Arbeit für Apotheker und Mitarbeiter

Abgesehen von den Auflagen für räumliche Gegebenheiten sind die PoC-Tests auch in der Nachbereitung mit erheblichem Aufwand verbunden. Dazu gehört unter anderem, dass im Falle eines positiven Ergebnisses die Informationsweitergabe an das Gesundheitsamt gewährleistet werden muss, erklärt Jacqueline Daly, die Inhaberin der Lenne-Apotheke in Nachrodt.

„Das ist alles nicht so ohne“, sagt Daly, die ihren Kunden die Testungen aber trotzdem gerne anbieten würde. Nachfragen habe es bereits gegeben, deshalb überlege sie im Moment noch. „Wir haben ohnehin schon viel zu tun“, sagt sie mit Blick auf die Ausgabe von FFP-2-Masken, die Zeit und Personal binde.  Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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