Keine digitalen Alternativen

Corona: Karneval fällt flach

Beliebt und gut besucht: der Kinderkarneval im Lennestein
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Beliebt und gut besucht: der Kinderkarneval im Lennestein

Die Karnevalszeit beginnt mit dem Altweiberdonnerstag. Während TV-Sender auf „olle Kamellen“ zurückgreifen, gibt es in Altena keine einzige Feier. Zwei Gruppen von Bürgern leiden besonders

Altena – „Karneval in der Schule? Auf keinen Fall“, sagt Wolfgang Wilbers. Der Rektor der Gemeinschaftsgrundschule mit Standorten im Mühlendorf und in Dahle ist sich sicher: „Wenn wir die Schulen wieder öffnen, dann haben wir ganz andere Sorgen. Die Kinder müssen so viel nachholen.“

Deshalb erteilt er auch Gedankenspielen von Eltern, vielleicht eine Art Kostümfest im Mai zu organisieren, eine klare Absage. Das gab es beispielsweise in der Karnevalshochburg Menden zu Zeiten des Golfkrieges, als im Februar nicht gefeiert wurde.

Karneval: Bis zu 400 Kinder im Lennestein

Wilbers selbst wäre am Weiberfastnachtstag sowieso nicht als Sheriff, Indianer oder Astronaut in der Schule erschienen. „Ich wäre gekommen wie immer, als Schulleiter.“ Obwohl der Familienvater es den Kindern gegönnt hätte und selbst für seinen trockenen Humor bekannt ist.

Die Stadt, die jahrelang einen besonderen Kinderkarneval auf dem Nettenscheid anbot, setzt natürlich auch in diesem Jahr aus. Kein buntes Treiben rund um das Bürgerzentrum, das seine Pforten geschlossen hat. Schon aus organisatorischen Gründen fiel der traditionell vom Verein „Altena aktiv“ ausgerichtete Kinderkarneval bereits 2020 aus.

Keine Ausflüge in Karnevalshochburgen

Er war über Jahre mit bis zu 400 Jungen und Mädchen zunächst im Lennestein und dann im Thomas-Morus-Haus am Rosenmontag ein Publikumsmagnet. Und in diesem Jahr „hat es die Pandemie verhindert“, sagt Optiker Christian Berndt aus dem Vorstandsteam des Vereins. „Das ist sicher schade, aber wir können das nicht ändern.“

Und kommendes Jahr? Da will sich der Geschäftsmann noch nicht festlegen. „Dazu müssen erst die Mitglieder gehört werden.“ Auch die Ausflüge von Handballern und einem Kreis stadtbekannter Männer, die stets große Sitzungen in den Narrenhochburgen Köln oder Mainz besucht haben, fallen aus.

Bürgerzentrum seit Monaten dicht

„Wir würden ja gerne feiern. Es gibt ja kaum noch Kontakte“, klagt Marianne Jeromin, Vorstandsmitglied der Awo Altena-Nettenscheid. Karneval sei immer ein Höhepunkt im Vereinsleben gewesen. So erinnert sie an die netten Zusammenkünfte in der fünften Jahreszeit und die Prämierung von Kostümen.

„Doch das Bürgerzentrum ist seit Monaten geschlossen, außer Spaziergängen bleibt uns Senioren derzeit nicht viel.“ Jeromin hofft darauf, dass die Awo zumindest wieder ein Sommerfest feiern kann. „Dann holen wir vieles nach“, blickt sie nach vorn. Hauptleittragende des Ausfalles: Schulkinder, Frauen und Senioren.

Alternative: Zündende Idee fehlt

Die Gaststätten der Stadt, etwa das Café zur Burg, das Café Ko oder der Lennekai, waren über die tollen Tage in den vergangenen Jahren häufig Anlaufstellen für feierwütige Narren. Doch selbst Kai Finkernagel, Besitzer des Lennekais, hat keine zündende Idee, wie Karneval alternativ zu feiern ist. „Das stünde doch alles auf tönernen Füßen. Und dann der ganze Aufwand.“ Er hatte vor Jahren einmal die Idee eines Fastnachtbades in der Lenne. „Abgehakt“, sagt er.

Ulrich Hücking, lange Jahre selbstständiger Metzgermeister, organisierte in den vergangenen 18 Jahren zu Karneval immer einen Herrenausflug ins Maritim-Hotel nach Köln. Dort waren dann mehr als zwei Dutzend Altenaer Gäste der „Kölsche Grenadeere blau-grön 1927“. „Den Guido Cantz und weitere Stars live erleben, das hat uns immer gefallen“, sagt Hücking. „Aber es ist Pandemie, also nix ist mit Fröhlichkeit.“

Den Kontakt zu seinem Freund Dieter Broich, einem gebürtigen Altenaer, der stets die Tickets für die Männer von der Lenne für Köln besorgte, hält er aber weiter aufrecht. Schließlich gebe es auch ein Leben nach der Pandemie. „Vielleicht klappt‘s ja kommendes Jahr mit einer Fahrt an den Rhein.“ Was bleibt: Der Griff zur Fernbedienung. Auch wenn die TV-Sender nur auf „olle Kamellen“ zurückgreifen können.

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