Auf der Burg Altena

Existenz der Jugendherberge bedroht

Seit knapp einem Jahr geschlossen: die Jugendherberge auf Burg Altena.
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Seit knapp einem Jahr geschlossen: die Jugendherberge auf Burg Altena.

Seit März 2020 ist die Jugendherberge auf der Burg Altena geschlossen. Corona trifft sie extrem hart. Wie groß der Schaden ist, zeigt die Bilanz 2020.

Altena – Sowohl Gäste- als auch Übernachtungszahlen brachen auf nur ein Zehntel der Vorjahreswerte ein. Im Jahr 2019 gab es 7974 Übernachtungen auf der Burg, wo Richard Schirrmann 1874 die erste Jugendherberge der Welt gründete. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 843. Ähnlich die Lage bei den Gästen: 2019 kamen 4015 Besucher in die Herberge, 2020 waren es nur 474.

„Die Corona-Krise hat die Jugendherbergen schwer getroffen“, sagt Maike Braun, Pressesprecherin des Landesverbands Westfalen-Lippe im Deutschen Jugendherbergswerk. „Vor allem bei ihren beiden Hauptzielgruppen verzeichnen die Jugendherbergen in 2020 dramatische Verluste.“ Nämlich bei Schulklassen und Freizeitgruppen.

Jugendherberge: Zwei Gruppen fehlen besonders

Das sind genau jene beiden Gruppen, auf die die Herberge auf der Burg ausgerichtet ist. Sie verfügt über 60 Betten in zehn Zimmern. Die Ausstattung mit Mehrbett-Zimmern und Gemeinschaftsbädern verschärft die Probleme in der Corona-Krise, da Übernachtungen – selbst wenn sie erlaubt wären – unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln kaum machbar sind.

Darum entschloss sich der Verband, die Herberge auf der Burg ebenso wie acht weitere in Westfalen-Lippe, seit März 2020 komplett geschlossen zu lassen. „An diesen neun Standorten machen die beiden Hauptzielgruppen bis zu 80 Prozent der Belegung aus“, berichtet Geschäftsführer Guido Kaltenbach. „Die Lage ist ernst. Wir befinden uns nach wie vor in einer historischen und existenzbedrohenden Situation.“

Finanzspritze hilft Landesverband

Landesweit sank die Zahl der Übernachtungen von 651 390 im Jahr 2019 auf 182 560 im vergangenen Jahr. Bei den Gästezahlen sieht es nicht besser aus: Sie sank von 296 065 im Jahr 2019 auf 80 066 in 2020.

Dennoch musste der Dachverband bislang keinem der insgesamt 450 Mitarbeiter kündigen, sie befinden sich in Kurzarbeit. Auch endgültige Schließungen einzelner Jugendherbergen gab es bislang nicht. „Das ist bis hierhin ein sehr großer Etappensieg“, sagt Kaltenbach.

Herbergen brauchen weiteres Geld

Die Einnahmeverluste konnten bislang durch Gegenmaßnahmen des Landesverbandes abgefedert werden – eben durch Kurzarbeit und Investitionsstopps. Zudem hat der Landesverband Beihilfen aus drei verschiedenen Hilfspaketen von Bund und Land erhalten.

Absehbar sei schon jetzt, dass auch für dieses Jahr finanzielle Unterstützung nötig sei, sagt der Geschäftsführer. Bis zu den Sommerferien sind alle Schulfahrten von Schulen aus NRW untersagt. „Das Verbot trifft die Jugendherbergen in Westfalen-Lippe erneut hart, Klassenfahrten machen in den Monaten Mai und Juni rund 60 Prozent der Belegung aus“, erläutert Kaltenbach.

Keine Schulfahrten bis Sommer: „Lage spitzt sich zu“

„Die weitere Entwicklung der Pandemie und die Frage, wann wir wieder Schulfahrten und Gruppen in unseren Häusern haben, ist entscheidend für unsere Zukunft. Je länger diese fernbleiben, desto mehr spitzt sich die Lage für uns zu.“

Aktuell gilt die Schließung der Jugendherbergen bis 7. März. Und eine Öffnungsperspektive sei noch nicht in Sicht. „Eine Prognose zu möglichen Wiedereröffnungen einzelner Jugendherbergen ist im Moment leider noch nicht möglich“, sagt Kaltenbach mit Blick auf den unvorhersehbaren Verlauf der Pandemie. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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