Keine Schwimmkurse

DLRG im MK schlägt Alarm: Badeunfälle könnten drastisch zunehmen

Ans Wasser gewöhnen müssen sich viele Kinder, wenn sie in den Schwimmkursen ankommen. Für viele gab es dieses Jahr keine Möglichkeit, das Schwimmen zu lernen. Foto: DPA
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Kaum Schwimmkurse für Kinder fanden 2020 statt.

Schwimmbäder sind dicht, Kurse fanden kaum statt. Eine gefährliche Folge der Corona-Pandemie, sagt die DLRG im MK. Die Lebensretter fürchten deutlich mehr Badeunfälle im Sommer.

Uwe Beul ist Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Altena und kennt die Probleme, die die Corona-Pandemie nach sich zieht. „Uns sind die Hände gebunden. Wir konnten 2020 keine Schwimm- und Rettungsschwimmerkurse anbieten“, sagt Beul, der natürlich darauf hofft, dass sich die Corona-Lage möglichst schnell entschärfen wird und die Bäder in diesem Jahr nicht so lange geschlossen bleiben müssen wie im vergangenen.

Denn der Ausbildungs- und Trainingsbetrieb bei der DLRG Altena und auch bei den Schwimmvereinen in der Burgstadt ist quasi zum Erliegen gekommen. Die Folgen seien nicht zu unterschätzen. Die Fähigkeit sicher schwimmen zu können, sie könne im Ernstfall Leben retten.

DLRG: Gefahr des Ertrinkens steigt

Der DLRG-Bundesverband sorgt sich ebenfalls, dass die Badeunfälle wegen ausgebliebener Kurse zunehmen könnten. Wenn Kinder nicht zu Schwimmern ausgebildet werden könnten, sei die Gefahr des Ertrinkens um ein Vielfaches höher. „Wir konnten einen kompletten Jahrgang nicht ausbilden – und die Schulen konnten es erst recht nicht. Der Schwimmunterricht in den Schulen entfiel ja auch“, sagt DLRG-Sprecher Achim Wiese.

Je weniger Kinder richtig schwimmen können, desto größer sei die Gefahr von Badeunfällen. Hinzu kommt: An Flüssen, Seen oder Teichen sind Rettungsschwimmer eher seltener im Einsatz. Wenn wegen der Pandemie auch in 2021 viele Familien zuhause bleiben oder ihren Urlaub in Deutschland verbringen sollten, könnten Ertrinkungsfälle an unbeaufsichtigten Badestellen zunehmen. „Wenn das Wetter mitspielt, zieht es die Menschen nunmal ans Wasser“, sagt Wiese, „wir sehen die Gefahr.“

Corona: Schwimmprüfungen finden nicht statt

Die Schwimmausbildung, die bei der DLRG in der Regel mit fünf Jahren beginnt, lag 2020 nicht nur bei der DLRG Altena, sondern auch bei anderen Ortsvereinen weitgehend brach. Die Prüfungen fürs Seepferdchen oder die Prüfungen zum Deutschen Schwimmabzeichen in Bronze, Silber oder Gold, sie fanden und finden noch immer nicht statt.

Gleiches gilt für die Ausbildung zum Rettungsschwimmer. „Auf längere Sicht kann das natürlich zu Problemen führen“, sagt Uwe Beul. Das sieht Achim Wiese nicht anders. „Die Rettungsschwimmerausbildung hat genauso gelitten wie die Schwimmausbildung“, so der DLRG-Sprecher.

Corona: Auch Rettungsschwimmer-Training fällt flach

Uwe Beul als Vorsitzender des mehr als 200 Mitglieder zählenden DLRG-Ortsvereins Altena weist zudem darauf hin, dass das Rettungsschwimmabzeichen eigentlich alle zwei Jahre erneuert werden muss – und auch die Trainer mal wieder ins Becken müssten. Der Nachweis der Rettungsfähigkeit ist Voraussetzung, um Kindern das Schwimmen beizubringen.

Wie Achim Wiese aber erläuterte, wurde die Gültigkeit der Rettungsschwimmer-Lizenz nach einem Beschluss des Bundesverbandes der DLRG auch ohne Prüfung um ein Jahr verlängert.

Dennoch: Insbesondere die ausgefallenen Schwimmkurse für Kinder besorgen die größte Wasserrettungsorganisation der Welt. Zwar vermitteln auch Eltern ihren Kindern gerne mal das Schwimmen, doch das sei keineswegs vergleichbar mit einer Ausbildung in einem Schwimmkurs. Achim Wiese: „Eltern sind schlechte Lehrer, das haben wir in der Pandemie festgestellt. Das mit der Schule lässt sich eins zu eins übertragen auf das Schwimmen. Eltern sind keine Schwimmlehrer.“

Wartelisten für Schwimmkurse immer länger

Matthias Sauerland aus Herscheid geht es zu weit, gleich von einem „verlorenen Jahrgang“ in der Schwimmausbildung zu sprechen, Probleme sieht der DLRG-Bezirksleiter Märkischer Kreis gleichwohl. „Die Wartelisten für Schwimmkurse waren auch vor Corona schon lang und konnten 2020 natürlich nicht abgearbeitet werden. Es wird einen Stau und lange Wartelisten für Schwimmkurse geben“, so Sauerland.

Er weist zudem darauf hin, dass die Zeiten für diese Kurse in einigen Bädern schon vor der Pandemie ohnehin begrenzt waren. „Trotzdem“, betont der Bezirksleiter, „wird die DLRG alles dafür tun und alle Kräfte bündeln, um Kindern das Schwimmen beizubringen.“ Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

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