Neue Corona-Regeln: Altenaer zwiegespalten

Abstand halten bleibt das Maß aller Dinge.
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Abstand halten bleibt das Maß aller Dinge.

Neue schärfere Corona-Regeln und ein eingeschränkter Bewegungsradius sorgen für Diskussionen. Die Altenaer sind zwiegespalten.

Altena – Die von Bund und Ländern beschlossene Einschränkung des Bewegungsradius auf 15 Kilometer in Corona-Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 Fällen pro 100 000 Einwohner sorgt für Diskussionen. NRW geht diesen strikten Weg nicht mit. Diese drastische Verschärfung findet sich in der Coronaschutz-Verordnung des Landes nicht wieder. Vielmehr soll die 15-Kilometer-Regel im Rahmen der „bestehenden Hotspot-Strategie“ umgesetzt werden.

Damit können Kreise und kreisfreie Städte bei einer Inzidenz von 200 oder mehr selbst entscheiden, ob sie den Bewegungsradius der Menschen einschränken oder nicht und Ausgangsbeschränkungen erlassen. An vier Tagen im vergangenen Jahr war der Kreis bereits ein Hotspot mit einer Inzidenz von mehr als 200. Dennoch wurden keine Maßnahmen verschärft, kurz darauf ging der Inzidenzwert wieder zurück. Alle Infos und aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK finden Sie in unserem News-Blog. 

Landrat: „Die meisten sind verantwortungsbewusst“

Auch den 15-Kilometer-Radius um den Wohnort wird es nach aktuellem Stand im Kreis nicht geben, wie Landrat Marco Voge (CDU) auf Anfrage sagte. „Die Radius-Regel ist schwierig umzusetzen. Es stellt sich auch die Frage, wie sie kontrolliert werden soll.“ Für eine größtmögliche Akzeptanz in der Bevölkerung sei es wichtig, dass die Coronaschutzmaßnahmen nachvollziehbar sind.

„Mein Gefühl sagt mir, dass die allermeisten Menschen merken, wie ernst die Lage ist und sich sehr verantwortungsbewusst verhalten“, betont Voge. Mit Blick auf die aktuelle Coronaschutzverordnung für NRW begrüßt der Landrat, „dass sie nicht so eng ausgelegt ist wie der Beschluss aus Berlin“.

„Ganz eingeschränkt nicht in Ordnung“

Die neue Verordnung samt Verschärfungen und dem Bewegungsradius sorgen dennoch für Gesprächsstoff in Altena. Die Bürger sehen die 15-Kilometer-Regel zwiegespalten.

„Man muss natürlich vernünftig sein“, sagt Karin Naasner. Aber: „So ganz eingeschränkt, das finde ich nicht in Ordnung. Man muss den Menschen doch auch ein bisschen Lebensmut geben.“ Sie habe Zweifel an der Regelung. Naasner wundert sich auch über andere Regeln: „Die Textilgeschäfte haben zu, aber bei Aldi können Klamotten verkauft werden.“

Grundsätzlich positiv steht Ursula Rinke der 15-Kilometer-Regel gegenüber. „Das wäre doch im Prinzip vernünftig.“ Sie persönlich habe mit den verschärften Auflagen insgesamt keine Probleme: „Ich kann gut allein sein“, sagt die 82-Jährige. Maßgeblich sei der Schutz der Menschen vor einer Infektion.

15-Kilometer-Radius für Hotspots: „Vielleicht muss das sein“

Etwas kritischer sieht das Dorothee Isenbeck: „Das ist natürlich schon persönlich einschränkend.“ Eine 15-Kilometer-Regel sei zweifellos ein Eingriff in die Grundrechte. Man müsse aber auch sehen, dass es dabei letztlich um eine Schutzfunktion geht. Marion van den Boogard (72) findet, dass es sich bei einer solchen Maßnahme um ein Gebot der Stunde handeln kann. „Ich kann einsehen, dass es vielleicht sein muss.“

Sie gibt aber auch zu bedenken: Für manche Familien könnte es schwierig werden, wenn sie für die Betreuung von Kindern auf die Großeltern angewiesen sind, diese aber außerhalb dieses Radius’ wohnen. Aber auch für sich selbst hätte diese Regel Schattenseiten: „Ich könnte dann nicht mehr meinen Sohn in Düsseldorf besuchen.“

Richard Jablonski sieht für sich persönlich wenige Probleme. „Ich komme nur für meine Einkäufe in die Stadt. Dann gehe ich wieder nach Hause“, sagt der Rentner. Er brauche keinen großen Bewegungsradius. Allerdings bereite ihm im Zusammenhang mit Corona etwas anderes Sorgen: „Ich habe Angst vor der Impfung, denn es könnte ja Nebenwirkungen geben. Ich bin herzkrank.“

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