Protest gegen Ablehnung des Künstlernamens: Antek verklebt Schaufenster

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Christoph Schulz hat aus Protest das Schaufenster seines Ateliers zugeklebt.

Altena – „Ich bin wohl nicht prominent genug. Ich bin so, so wütend“, sagt Christoph Schulz und klebt das Schaufenster seines Ateliers zu. Aus Protest. Denn gerade hat er von der Stadt Altena ein für ihn vernichtendes Urteil bekommen.

Sein Künstlername Antek, so entschied Ordnungsamtsleiterin Ulrike Anweiler, „kann nicht in seinen Personalausweis eingetragen werden.“ Für Christoph Schulz bricht eine Welt zusammen. Er versteht die Entscheidung nicht. Christoph Schulz wollte nicht seinen Namen ändern. Er beantragte bei der Stadt lediglich einen Zusatzeintrag für die Rückseite seines Personalausweises. 

Denn mit seinem Künstlernamen Antek ist er in der Szene bekannt, unter eben diesem Namen verkauft er Bilder. Und hat, wie er erzählt, auch nicht selten erhebliche Probleme mit dem Zoll, weil Antek als Zusatz nirgendwo auftaucht. Das wollte er ändern und scheiterte. Christoph Schulz persönlicher Reichtum ist die Kreativität. Seine Leidenschaft ist die Kunst – mit frech-bunten Katzen, fröhlichen Landschaften, außergewöhnlichen Köpfen. 

"Ich male vielleicht zu viele Kühe"

In Altena kennt man Antek und sein Atelier an der Kirchstraße. Sein Enthusiasmus für die Stadt, in der er lebt und arbeitet, in der er Initiator der Atelierroute ist. „Antek ist mein Künstlername seit Ewigkeiten“, erzählt der Wahl-Altenaer. Eigentlich, so sagt er, sei Antek gar nicht positiv gemeint. „Mein Vater nannte mich immer so, hat mich mit dem Namen Antek ausgeschimpft, weil ich anders war als die anderen.“ 

Bauernlümmel

Antek ist polnisch und heißt Bauernlümmel, Dreckspatz. 1979 hatte der Maler in Danzig seine erste Ausstellung. Statt ein Stipendium an der Hochschule Danzig anzunehmen, siedelte er nach Deutschland um. „Ich drehte den Spieß um, um meinen Vater zu ärgern und nannte mich Antek“, erzählt der 58-Jährige, der 2007 in Altena sein Atelier eröffnete. 

2010 versuchte Christoph Schulz zum ersten Mal bei der Stadt Altena, seinen Künstlernamen Antek in die Ausweispapiere eintragen zu lassen. Vergeblich. „Aber damals war ich noch nicht so selbstbewusst“, sagt der Künstler. Sein erneuter Versuch hat für ihn wichtige Gründe: „Es würde mich beruflich weiterbringen. Wenn Antek im Ausweis steht, wäre es eine große Erleichterung für mich. Wenn ich ins Ausland fahre, müsste ich mich beim Zoll nicht dafür entschuldigen, dass ich Kunst von einem Antek im Koffer habe. Das ist immer wieder ein Problem. Jetzt erst in der Schweiz. Da dachte der Zollbeamte, dass ich Kunst schmuggle. Ich wäre fast in Grund und Boden versunken.“ Er fühlt sich persönlich durch die Art und Weise verletzt, wie die Stadt Altena mit ihm herumspringe.

"Ich wüsste nicht, dass er überregional bekannt ist"

 Tatsächlich liegt es im Ermessen der Behörde, einen Künstlernamen einzutragen oder dies abzulehnen. „Ich wüsste nicht, dass er überregional bekannt ist“, erklärt Ordnungsamtsleiterin Ulrike Anweiler auf Anfrage der Redaktion. „Er ist auch nicht mit seinem Künstlernamen bei der Künstlersozialkasse gemeldet. Es nützen mir keine Ausdrucke von Internetseiten, wo Herr Schulz selber was veröffentlicht“, sagt Ulrike Anweiler. Sie kenne weder das Atelier noch Christoph Schulz persönlich. Die Voraussetzungen zur Eintragung müsse sie prüfen und diese lägen nicht vor. 

"Ich male vielleicht zu viele Kühe“

„Viele kennen mich nur unter Antek und wissen gar nicht, dass ich Schulz heiße“, sagt der Künstler. Und zur Künstlersozialkasse sagt er: „Die tragen nichts ein, was nicht im Ausweis steht.“ Die Macht, so sagt Christoph Schulz, liegt bei der Stadt. „Ich male vielleicht zu viele Kühe“, versucht er der Situation etwas Komisches abzugewinnen. Doch es gelingt ihm nicht. 

Antek fühlt sich schlecht behandelt. Er hat einen Nachweis von seinem Gewerbe als Künstler. „Das Leben von der Kunst ist nicht einfach. Doch statt mich zu unterstützen, bekomme ich als ersten Satz zu hören: ‘Da kann ja jeder kommen.’ Schulz führt ein scharfes Wort: Er bezeichnet die Entscheidung der Stadt als „geschäftsschädigend und böswillig.“ 

Undankbarkeit

„Ich präsentiere die Stadt und viele Touristen sind total happy, dass sie mich finden. Mein Atelier gehört zu den besten Schaufenstern von Altena. Und jetzt so viel Undankbarkeit. Es ist einfach schade. Da sitzen alles nur Kunstbanausen.“

 Nun ist sein Schaufenster zugeklebt. Die Bilder sind nicht mehr zu sehen. Ob das letzte Wort darüber gesprochen ist? Ordnungsamtsleiterin Ulrike Anweiler formuliert es so: „Er hätte ja auch mal mit mir reden können, statt zur Presse zu laufen. Das hätte ich gut gefunden. Sprechenden Leuten kann geholfen werden.“

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