Haftstrafe für Angeklagten

Cannabis und fast zwei Promille: Autofahrer weiß nur aus Erzählungen wie es zum Unfall kam 

Polizei sichert Unfallstelle
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Polizei sichert Unfallstelle. (Symbolfoto)

Altena – Ein Kraftfahrzeug der Marke Daimler krachte am 8. Dezember 2019 gegen eine Laterne und die Fassade der Firma Frohn an der Nettestraße. Dabei entstanden Schäden von 3000 Euro an der Laterne und 6000 Euro an der Fassade. Auch das Auto war offenbar nicht mehr zu gebrauchen. Die Umstände des Umfalls sind unglaublich.

Schwer zu glauben waren die Umstände dieser Kollision: Obwohl fast seine ganze Familie mit im Auto saß, hatte es der damals 19-jährige Sprössling geschafft, sich mit Cannabis und fast zwei Promille Alkohol im Blut ans Steuer zu setzen.

„Ich war an dem Tag alkoholisiert. Ich weiß nur aus Erzählungen, wie der Unfall passiert ist“, erklärte der mittlerweile 20-Jährige im Amtsgericht, wo er sich wegen einer Trunkenheitsfahrt ohne Fahrerlaubnis verantworten musste. Richter Dirk Reckschmidt stellte dem Angeklagten jene Frage, die sich als allererste aufdrängte: „Warum ist Ihre Mutter nicht gefahren?“

Er sei heilfroh, dass ihr und seinen Brüdern nichts Schlimmes passiert sei, drückte sich der 20-Jährige um eine Antwort. Die gab der Vertreter der Jugendgerichtshilfe: „Die Mutter ist nicht ansatzweise in der Lage, sich durchzusetzen“, erklärte er.

Dafür zeige der Vater „tyrannische Tendenzen“. Der 20-Jährige gab sich einsichtig: „Ich habe mir alles verbaut durch die Fehler, die ich gemacht habe. Ich habe mich schon für Dutzende Fehler entschuldigt in meinem Leben.“ Wie ernst es damit war, zeigte ein Brief, den ihm Richter Dirk Reckschmidt noch im Gerichtssaal überreichte – eine Ladung zum Strafantritt, weil er die Vollstreckung einer zunächst zur Bewährung ausgesetzten Strafe von neun Monaten angeordnet hatte.

Denn der 20-Jährige hatte sich vor einiger Zeit eine Keilerei mit zwei Polizisten geliefert. Damals war es auch um seine Familie gegangen. Oberstaatsanwalt Bernd Haldorn blieb maßvoll in seinem Plädoyer: Er beantragte eine Gesamtstrafe von einem Jahr ohne Bewährung, in die die neun Monate aus der letzten Verurteilung eingingen.

Er hatte auch noch einen guten Rat für den jungen Mann mitgebracht und warb für ein Leben anderswo – fern von den Familienbanden, die ihm offenbar nicht gut tun: „Es gibt Städte in Deutschland, die wärmer sind als Altena.“ Der 20-Jährige gelobte intensive Bemühungen um ein gelingendes Leben: „Ich versuche in der Haftzeit alles zu machen, was ich kann.“

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