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Café Nostalgie: Bierwagen darf nicht aufgestellt werden

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Von: Volker Heyn

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Die verbogene Hülse für den weggerissenen Sonnenschirm der oberen Lenneterrasse ist das Problem: Die Flut hat nicht nur die Hülse, sondern den darunterliegenden tragenden Stahlrahmen verzogen.
Die verbogene Hülse für den weggerissenen Sonnenschirm der oberen Lenneterrasse ist das Problem: Die Flut hat nicht nur die Hülse, sondern den darunterliegenden tragenden Stahlrahmen verzogen. © Heyn, Volker

Warum darf Nilifür Seker, Betreiberin des Café Nostalgie, ihren Bierwagen nicht an der Lenneterrasse aufstellen? Es könnte theoretisch alles so einfach sein, ist es aber nicht.

Altena – Nicht nur die Altenaerin Marianne Greupner wundert sich, warum der eigentlich für die obere Lenneterrasse vorgesehene Bierwagen seit Wochen nicht aufgebaut werden kann. Die Kundin vom Café Nostalgie möchte gerne, dass der Wagen auf der Terrasse aufgestellt wird, weil der Betrieb dort auch nur im Sinne der Stadt sein könne. Auch einige Ratsmitglieder und die Betreiber der unteren Lenneterrasse haben sich bereits zu Wort gemeldet.

Nach der Flut ging das Drama weiter

Nilüfer Seker, Betreiberin des Café Nostalgie, hat diesen Bierwagen angeschafft. Sie hat bekanntlich mehrere Jahre lang die obere Terrasse bespielt, bis die Flut vor knapp einem Jahr alles wegspülte und auch Schäden an der Terrasse selbst hinterließ. Während auf der unteren, von Martina Zöller vom Lennekai betriebenen Terrasse alles rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnte, wurde bei der Nostalgie-Terrasse vor allem die Verkaufshütte durchs Wasser weggerissen. Aber auch das Stammgeschäft von Seker, das Café Nostalgie, war weitestgehend zerstört. Von Juli bis Dezember 2021 wurde dort renoviert (siehe Kasten). „So richtig gestartet sind wir ja erst im Januar 2022“, sagte Seker. Als alles wieder einigermaßen lief, wurde sie krank und lag lange im Krankenhaus. Aus dieser Situation heraus hatte sie es zunächst abgelehnt, die obere Terrasse wieder zu bewirtschaften. Die Konzessionen für die Bewirtung der beiden Terrassen werden jährlich im Rat neu vergeben.

Notbetrieb

Einige Zeit später taten ihr aber die Kundinnen leid, die gerne bei Kaffee und Kuchen an der Lenne sitzen wollten. Seker organisierte eine Art Notbetrieb, stellte dekorierte Tische und Stühle heraus, Sonnenschirme dazu und begann irgendwann doch, ihre Gäste draußen zu bedienen. Ursprünglich wollte sie nur Tische und Stühle zur Selbstbedienung aufstellen.

Besser als nichts

Weil sie sich dann doch dazu entschlossen hatte, die Terrasse wieder komplett zu bewirtschaften, schaffte ihr Mann relativ spontan einen Bierwagen an. Der sei zwar nicht so funktional wie die fortgeschwemmte Verkaufsbude mit kleiner Eistheke, aber besser als nichts. Im Augenblick müssen Seker und ihr Team wegen jeder Serviette und jedem Hundewasser über die Lenneuferstraße ins Café und wieder zurücklaufen. Seker plant auch schon die Anschaffung von Sonnenschirmen, die alten Segel waren ja fortgerissen.

Zwänge und Vorgaben

Doch so einfach sei das alles leider nicht, sagte Bürgermeister Uwe Kober auf Nachfrage der Redaktion. Er sei in engem Austausch mit Seker, sprach aber auch von Zwängen und Vorgaben, die einzuhalten seien. „Nili“ Seker sei einen Tag vor dem Helferfest auf ihn zugekommen mit der Bitte, den gerade eben gekauften Bierwagen aufstellen zu dürfen. Das habe er ablehnen müssen, so der Bürgermeister, es gebe schließlich Gestaltungs- und Brandschutzvorgaben.

Terrasse beschädigt

Überdies liege seit dem 29. März ein Gestattungsvertrag für Seker vor, dass sie ohne Sondernutzungsgebühren die obere Terrasse vom Café aus bewirten dürfe. Der sei von ihm, aber nicht von Seker unterschrieben worden. Die Terrasse selbst ist beschädigt, die Flut hat eine Sonnenschirmhülse verbogen und damit auch den darunterliegenden Stahlträger. Da die Wiederherstellung der Terrasse im Wiederaufplan stehe, habe niemand vor Anerkennung des Plans irgendetwas tun dürfen. Die Genehmigung für den Wiederaufbau liegt bekanntlich erst seit dem 19. Mai vor. Kober: „Erst seitdem dürfen wir.“ Aus vielerlei Gründen – unter anderem hatte Kober einen familiären Todesfall, Verwaltungsmitarbeiter haben Corona und Handwerker Urlaub – gibt es erst Anfang Juli einen Termin zur Schadensaufnahme der Terrasse. Kober: „Wenn neue Träger in die Terrasse müssen, wird es dort diese Saison nichts. Wenn es einfach zu reparieren ist, kann Nili Seker ihren Wagen dort hinstellen.“

Keine Konkurrenz

Der Bürgermeister erinnerte an die Übereinkunft, dass es auf beiden Terrassen unterschiedliche Angebote geben müsse: Zöller biete vor allem Bier und Cocktails an, Seker Eis und Kuchen. Der Bierwagen solle keine Konkurrenz zur Lennekai-Terrasse werden.

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