Coronavirus: Gastronomie geschlossen

Café Nostalgie: Vermieter erlässt die Miete

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Nilüfer Seker vor ihrem Café Nostalgie, das derzeit geschlossen bleiben muss.

Altena – Nilüfer Seker ist gerührt.  Alexander Schmitz verzichtet aktuell auf die Miete für ihr Café Nostalgie. Sonst hätte sie arg zu kämpfen.

Da „Nili“, wie alle sie nennen, aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schließung des beliebten Treffpunktes keine Einnahmen hat, ist es für ihren Vermieter selbstverständlich, ihr in diesen schweren Zeiten zu helfen. „So etwas habe ich in meinem Leben noch nie erlebt. Er hat unsere Situation erkannt. Das ist wirklich fantastisch“, sagt Nilüfer Seker. 

Keine Einnahmen, keine Miete

Dass es schwere Zeiten für Unternehmen sind, für große und kleine gleichermaßen, ist längst keine Frage mehr. Aber es ist augenscheinlich auch eine Zeit des Miteinanders. „Es passieren ganz tolle Sachen“, sagt die Café-Besitzerin. „Jeder fragt, wie es geht. Jeder ist hilfsbereit, wenn auch auf Abstand. Hauptsache ist, dass wir gesund aus dieser Sache herauskommen“, meint Nilüfer Seker. 

So sieht es auch Alexander Schmitz. Dass er auf die Mieteinnahmen verzichtet, stellte er keine Sekunde infrage. „Ich kann das verkraften. Das hört sich vielleicht doof an, weil das Haus auch noch lange nicht bezahlt ist, aber es ist für uns gerade noch zu stemmen. Und wie soll die Miete gezahlt werden, wenn es keine Einnahmen gibt?“, sagt der Inhaber des Radio- und Fernsehgeschäftes an der Kirchstraße. 

Finanziell schwierige Zeiten

„Geteiltes Leid ist halbes Leid“, findet Alexander Schmitz und lobt auch den Austausch der Altenaer Geschäftsleute untereinander. Radio Schmitz hat unter eingeschränkten Bedingungen geöffnet: „Es ist eine Belastung für jeden.“ 

Die finanzielle Seite sieht natürlich gerade nicht rosig aus. Dadurch, dass Nili Seker in einem Jahr das Café Nostalgie, die Terrasse Nostalgie und das Eiscafé Nostalgie aufgebaut hat und einen Umzug aufgrund eines Wasserschadens hatte, konnten keine Rücklagen gebildet werden.

Tortenverkauf an neuer Stelle: Nilüfer Seker (l.), hier mit Ulrike Singer, ist dankbar, dass sie ihre Torten nun bei „Tante Carola“ verkaufen darf.

„Länger als drei Monate schaffe ich die Situation nicht“, sagt die Altenaerin. Die Soforthilfe hat sie beantragt. Die 9000 Euro würden ihr helfen. „Wenn das nicht klappt, würde ich erst einmal mein Gewerbe abmelden.“ 

Die möglichen Stundungen sieht die Geschäftsfrau kritisch: „Dann musst du im Juni dreifach bezahlen.“ 

Reservierungen storniert

Dass in Altena gerade viele Menschen zusammenhalten, dass die Situation rund um das Coronavirus viele gute Seiten in den Menschen weckt, findet Nilüfer Seker besonders schön. „Wenn wir im Sommer mit den schweren Tabletts an der Straße stehen, hält niemand an. Jetzt bleiben alle Autos stehen und man unterhält sich von Weitem“, erzählt die 40-Jährige. 

Sie hofft, dass vieles beibehalten wird – „und nicht, dass man in den alten Trott verfällt, wenn alles wieder in Ordnung ist“. Hilfsbereitschaft ist das Zauberwort. 

Und so richtet Nilüfer Seker auch ein Dankeschön an einen jungen Mann, der einen Café-Gutschein gekauft hat, der bis Ende des Jahres gültig ist. „Es ist schön, wenn man die kleinen Läden, die wir hier haben, unterstützt.“ 

Stadt macht Hoffnung

Die Reservierungen, die Nilüfer Seker für ihr Café hatte, wurden fast alle auch weit im Voraus abgesagt. Auch die Mai-Termine schon. „Ich glaube, das wird sicher ein hartes Jahr“, ist sich die Geschäftsfrau sicher. 

Ganz sicher ist aber auch, dass die vielen Stammgäste so bald wie möglich wiederkommen möchten. Einige, besonders auch Ältere, waren „vor Corona“ fast täglich vor Ort, lieben das familiäre Ambiente und die Gespräche mit Nili Seker. Die Café-Schließung ist für sie fast tragisch. 

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Übrigens: Es gibt auch einen kleinen Hoffnungsschimmer: Denn es gab das Okay von der Stadt, dass Nilüfer Seker die Hütte an der Lenneterrasse aufbauen darf, sobald die Absperrung abgebaut ist. 

Torten bei Tante Carola

Erlaubt ist dann vom Ordnungsamt ein „To-Go-Verkauf“ für Eis, Kaffee und Kuchen. „Es wäre schön, wenn wir bald starten könnten“, sagt Nilüfer Seker und sieht dies auch als kleinen Hoffnungsschimmer für die Menschen. 

Riesig gefreut hat sie sich über die Möglichkeit, jetzt auch bei „Tante Carola“ ihre Torten zum Mitnehmen anbieten zu können. Der Start am Mittwoch war sehr erfolgreich, Nilis Torten, spätabends zuvor noch zubereitet, gingen weg wie warme Semmeln. Das Miteinander der Altenaer Geschäfte bewegt sie sehr.

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