Historische Bilderreise durch Alt-Altena

Historische Aufnahme der Netter Straße in Richtung Gasthof Pilling. Entstanden ist das Bild um das Jahr 1900. Foto: Archiv des Märkischen Kreises

Altena - „Nein, mit einem Heimatforscher würde ich mich nicht schlagen“, lacht Ulrich Biroth. Der Archivar in Diensten des Märkischen Kreises präsentiert am Mittwoch, 25. Februar, ab 19 Uhr im Festsaal der Burg Altena „Ansichten von Altena zwischen 1877 und 1977.“

Heimatforscher, so sagt der Kreis-Amtmann, seien Menschen, die sich mit ihrem ganz speziellen Umfeld so sehr auseinander gesetzt hätten, dass er eventuelle Kritik sofort aufnehme. „Wenn die sagen, das ist das und das, dann ist das so.“

Dennoch: Wer an diesem Mittwoch der Einladung der Freunde der Burg folgt, wird Interessantes, vielleicht nie so gesehenes und ganz bestimmt viel Neues aus alter Zeit erfahren und sehen. „Aus den Augen verloren“ – diese Überschrift wählte Biroth bewusst für seine knapp 100 Bilder und Fotos, die er an diesem Abend vorstellen wird. Ausgewählt hat er sie aus der schier unübersichtlichen Zahl von mehr als 40 000 (in Worten: Vierzigtausend!). Denn über diese umfangreiche Sammlung, in vielen Jahren katalogisiert, beschrieben und auf CD gebrannt, verfügt das Kreisarchiv. Es sind Schätze, unersetzliche (Foto)- oder Zeitdokumente über ein Altena, das zwischen 1877 bis 1977 „das Gesicht verändert hat“, wie viele Kleinstädte in Deutschland und Westfalen.

Biroth glich alte Dokumente ab, fand Manuskripte, sichtete Bilder von Familien, von hauptamtlichen Fotografen oder „durchreisenden Photokünstlern“. So wird er erstmals öffentlich die seiner Ansicht nach älteste Altenaer Fotografie, einen Schnappschuss des Bahnhofs, aus dem Jahr 1877 vorstellen.

„So weit wir herausfinden konnten, soll ein Herr von Hagen, Kaufmann, über die Lennebrücke hinüber, diese Fotografie gemacht haben“, sagt Biroth. Er habe nicht gewusst, bevor er sich an die Arbeit machte, dass es 1892, um das Jahr 1894 und 1901 sogar durchreisende Fotografen gab, die sich ganz speziell für Altenaer Fotomotive interessierten und sie auf Platte bannten. In zwei Sektoren hat Biroth seinen Vortrag unterteilt. Er lässt zum einen bewusst die Zeit von 1877 bis 1910 und dann in einem zweiten Stepp die Zeit von 1968 bis 1977 aufleben. Da kommt dann ganz besonders der enorme Wandel der Innenstadt ins Spiel. Der Archivar hat Bilder vom Küstersort, vom Bungern, von der heutigen Fritz-Berg-Brücke und ihrem Umfeld und dem Areal rund um das Amtsgericht. „Da standen teils unglaublich schöne Häuser“, sagt er. Auch Hotels und Beherbergungsbetriebe waren hier angesiedelt. Manchmal glaube er, dass viele der alten Villen und Stadthäuser bewusst dem Verfall preis gegeben worden seien, um sie dann abzureißen. „Ich glaube, wenn wir wirklich Touristenstadt werden wollen, hätten uns diese Prachtbauten, und das waren die Häuser, gut zu Gesicht gestanden. Ich habe herausgefunden, das viele davon schon im 17. Jahrhundert in Altena errichtet wurden.“ Frei wird Biroth seinen Vortrag halten. „Ich habe mich wirklich sehr, sehr intensiv mit allen Bildern befasst“, sagt er. Und kommt wieder schmunzelnd auf den eingangs erwähnten Heimatforscher zu sprechen. „Ich wiederhole noch mal: Wer speziell die Rahmede oder die Nette, um nur zwei Bereiche zu nennen, erforscht hat. Nein, mit dem würde ich mich nicht schlagen. Der hat im Zweifel Recht.“ -

von Johannes Bonnekoh

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