Burgaufzug: Erbitterte Debatten auf dem Markt

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Stellte sich dem Bürgergespräch: Burgaufzugs-Kritiker Wilfried Bracht.

ALTENA - Mit starken Sprüchen wie „Uns wird etwas vorgemacht. Beim Aufzug geht es gar nicht um Altena“, versuchte gestern Wilfried Bracht auf dem Wochenmarkt zu punkten. Gemeinsam mit einigen seiner bisher sieben Mitstreiter stellte sich der ehemalige SPD-Vize-Bürgermeister den Bürgern. Und die nahmen den erklärten Burgaufzugs-Gegner häufig kräftig auf die Hörner.

In teils sehr emotional geführten Gesprächen, bei denen auch das kleine Megaphon des ehemaligen SPD-Fraktionschefs zum Einsatz kam, hielten ihm Bürger Sätze vor wie: „Was haben Sie denn für Altena getan? Sie hatten doch jahrzehntelang Zeit dazu im Rat? Nennen wir doch mal die Tiefgarage oder das Krankenhaus!“

Ruhig und sachlich

Bracht ging auf diese Angriffe stets ruhig und sachlich ein und antwortete häufig: „Hier sollen 5,7 Millionen Euro im Berg verbaut werden. Was haben denn wir Bürger konkret davon?“ Eine Frage, die sich offenbar auch Altenaer selbst gestellt hatten. Denn viele räumten in den sich anschließenden Gesprächen schon ein: „Das ist sicherlich nicht das Gelbe vom Ei. Aber wo ist die Alternative?“ Ein Rentner fügte nachdenklich an: „Ich habe möglicherweise nicht mehr viel davon, aber meine Enkel. Sie, Herr Bracht, Sie reden doch nur noch mehr alles kaputt.“ Und Geschäftsleute, die teils aufgebracht mit ihm diskutierten und ihm jegliche Sachkompetenz absprachen, störte auch nicht, dass ein Fernsehteam des WDR fleißig mitschnitt und die Diskussionen einfing.

„Hier, in der Lennestraße, gibt es große Probleme. Wenn der Aufzug kommt und hoffentlich viel mehr Touristen die Möglichkeit haben, die Burg zu besuchen, dann profitieren wir alle davon“, hielt ein weiterer Aufzugs-Befürworter der Bürgerinitiative vor.

Wilfried Bracht und seine Kollegen verteilten den ganzen Morgen über kleine Abstimmungszettel um „Ihre Meinung zum Burgaufzug“ zu erfragen. Dabei hatten sie die komplexe Fragematerie auf ein schlichtes „Ja“ oder „Nein“ zugespitzt. Abstimmen durften dabei alle Passanten, egal ob Kind oder Erwachsener.

Als Ergebnis einer „nicht repräsentativen Umfrage“ nannte Michael Busch später 67 Stimmen für, aber 196 Voten gegen den Aufzug

Die letzte Chance

Den häufig gebrauchten Satz, der „Aufzug ist die letzte Chance für Altena“, hält Bracht für ein Totschlags-Argument. „Dieser Begriff“, so hatte er auch in einen Info-Handzettel geschrieben, „wird immer dann herausgeholt, wenn man gegenüber den Bürgern eine politische Keule braucht.“ Für den Dahler ist diese Formulierung „ein entlarvender Satz, denn, egal, ob unser Projekt Burg-aufzug Sinn macht oder nicht, man will unsere Steuergelder abgreifen.“

Der streitbare 67-Jährige will jetzt auf der Ziellinie des Regionale-Projektes erreichen, „das noch umgedacht und umgeplant wird. Das ist möglich. Wir vom Aktionskreis werden in Kürze unsere Alternativ-Ideen öffentlich vorstellen“. Welche das sein werden ließ er aber offen.

Johannes Bonnekoh

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