Burg Altena: Restaurierung historischer Bücher

Lieselotte Colsmann (2. v. l.) besichtigt das Turnierbuch aus dem Jahr 1566. Burgrestaurator Holger Lüders erläutert die Dokumentation der Arbeiten. ▪

ALTENA ▪ So eine Restaurierung von historischen Büchern ist nichts für Ungeduldige: „Das dauert Monate“, beschrieb Museumsleiter Stephan Sensen den Prozess, „und es ist Millimeterarbeit.“ Mit dem Radierschwamm zum Beispiel und einem Haarpinsel müssen Restauratoren den Schmutz der Jahrhunderte beseitigen, Risse geflickt und Deformationen aller Art beseitigt werden.

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, dass für ein solches Unterfangen viel Geld benötigt wird.

Drei besonders für die Regionalgeschichte wichtige Bücher aus der Dauerausstellung der Burg konnten jetzt vor dem weiteren Verfall gerettet werden, weil die „Freunde der Burg“ als Förderverein aus Anlass des Todes von Dr. Johann Friedrich Colsman Spenden in Höhe von 5000 Euro erhalten hatten. Dr. Colsman war langjähriges Vorstandsmitglied der Freunde der Burg Altena. Von der erfolgreichen Restaurierung überzeugte sich gestern die Witwe des Verstorbenen, Lieselotte Colsman.

Erster Anlaufpunkt war das in Soest verlegte und 1733 in Iserlohn gedruckte Märkische Gesangbuch, zu sehen im Flur vor der Burgkapelle. Es wies zuvor besonders starke Schäden auf. Als Folgen einer intensiven Nutzung über einen langen Zeitraum waren die Buchecken durchstoßen, das Leder berieben, rissig und verschmutzt, das Titelschild kaum noch lesbar, die Schließen verlorengegangen, Blätter hatten sich gelöst, es gab Knicke und Fehlstellen.

Die „Fürstliche Hochzeit“, eine mit doppelseitigen Kupferstichen ausgestattete Beschreibung der jülich-kleve-märkischen Hochzeit Johann Wilhelms mit seiner Braut Jakobe von Baden im Jahr 1585, gedruckt zwei Jahre später in Köln, ist ein Prunkstück der Sammlung und im Raum „Leben im Luxus“ ausgestellt.

Allerdings war sein Marmorpapier an den Kanten ziemlich mitgenommen, seine Spiegel verfärbt, sein vorderer Falz wies einen Riss auf, der Buchblock war stark fleckig und zeigte Wasserränder und Schmutzeinrieb und die Papiersubstanz war partiell geschwächt und abgebaut. Außerdem hatten aus heutiger Sicht falsche Restaurierungen vergangener Jahrzehnte weitere Probleme verursacht, indem ungeeignete Kleber, Verklebungen, Papiersorten oder gar Folien Verwendung fanden.

Das 1566 in Frankfurt am Main gedruckte und verlegte „Thurnier Buch“ von Georg Rüxner mit Holzschnittillustrationen von Jost Amman wird im Raum „Turnier und Fest“ präsentiert. Seine Deckelkanten waren berieben, bestoßen und zeigten bereits Aufspaltungen der Schichten und Deformationen. Das Pergament war verschmutzt und zeigte Fehlstellen, das Bezugspapier hatte sich teilweise gelöst. Der Buchblock wies leichte Knicke und einen Riss im Falz und Brüche auf und war mit Bleistift- und Kugelschreibernotizen, Flecken und Wasserrändern versehen.

Die Restaurierung der Bücher hatte das „Atelier für Papierrestauration“ von Dirk Ferlmann in Köln übernommen. ▪ tk

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