Eiserkuchen-Eisen

Auf der Burg Altena: Harte Hausfrauen-Arbeit für süßes Vergnügen 

Sophie Kimritz, Jahrespraktikantin der Museen auf der Burg Altena, reinigt das historische Eiserkuchen-Eisen von 1913.
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Sophie Kimritz, Jahrespraktikantin der Museen auf der Burg Altena, reinigt das historische Eiserkuchen-Eisen von 1913.

„So etwas können sich vermutlich nur Männer ausdenken und entwickeln.“ Früher hatten es Hausfrauen am Herd oft besonders schwer. Das wird auf der Burg Altena ziemlich deutlich.

Altena – „So etwas können sich vermutlich nur Männer ausdenken und entwickeln. Sie mussten ja nicht damit in der Küche hantieren und arbeiten.“ Sophie Kimritz, Jahrespraktikantin der Museen auf der Burg Altena, die derzeit zahlreiche Schaulustige anlockt, steht im Magazin vor einem historischen Eiserkuchen-Eisen. Schon vor Jahrhunderten gehörte das Herstellen dieser feinen Backwaren zur Winterzeit dazu. Auch in Altenaer Haushalten, die etwas auf sich hielten.

Matt schimmernd liegt das Küchengerät auf einem Arbeitstisch vor Kimritz, doch allein das Anheben der beiden ovalen Backplatten ist für die 20-Jährige nicht ganz einfach. Die extrem flachen Formen sind schwer. Sehr schwer sogar. Sie wiegen zusammen stattliche 5,1 Kilogramm.

Stundenlages Hntieren mit schwerem Gerät

Zusätzliches Gewicht kommt noch durch zwei je 80 Zentimeter lange Haltestangen aus Holz dazu, die auch noch einmal fast ein Kilo auf die Waage bringen. „Wer damit stundenlang backen musste und dann auch noch über dem offenen Feuer hantiert, der hat etwas geleistet“, sinniert die junge Frau.

Deutlich lesbar steht 1913 als Herstellungsjahr im Halbrund auf einer dieser gusseisernen Flächen. Der Durchmesser pro Platte beträgt stattliche 27 Zentimeter, schließlich wurde der Eiserkuchen nach dem Backen und dem vorsichtigen Lösen aus den mit Fett oder Speck eingeriebenen Platten mit einem Messer noch von Hand gerollt.

Christliche Inschrift auf Küchenzubehör

Das historische Stück belegt, wie sehr das Herstellen von Backwaren einst eine Kunst für sich war: Neben der körperlichen Arbeit, die die Frau zu leisten hatte, ist aber auch zu sehen, dass das Eisen durchaus ein sehenswertes Stück Kunsthandwerk ist. Denn: In eine der ovalen Platten ist mittig eine Abendmahlsdarstellung eingearbeitet.

Umlaufend gibt es eine in Latein gehaltene Umschrift, die frei übersetzt österliche Gedanken zu Tod und Auferstehung sowie die Liebe Christi zu den Menschen ausdrückt. Die Inschrift lautet: „Corpus et Sanguinem dat – Christus suis in segnum amortis.“

Die Museen auf der Burg besitzen Dutzende solch prächtiger Eiserkuchen-Eisen und auch Waffeleisen. Sophie Kimritz holt auch ein solches Stück aus dem Magazin. Es ist nicht minder beeindruckend und stammt aus den 1930er Jahren. Vermutlich war es in einem örtlichen Fabrikanten-Haushalt im Einsatz.

Heißes Eisen: Handschuhe sind Pflicht

Dem Museum hat es Gustav Feyer aus Altena gestiftet. Das Waffeleisen ist aus Gusseisen, wiegt mehr als vier Kilogramm und wird als sogenannter Herdaufsatz mit Backplatten für den Gas- oder Kohleherd bezeichnet. Der Griff, das hat das Archiv auf einer Bestandskarte vermerkt, ist aus „bestem Buchenholz“. Vermutlich, weil dieses Hartholz extrem schwer entflammbar war.

Obwohl nicht zweifelsfrei klar ist, in welchem Haus es verwendet wurde, die Herstellung ist eindeutig geklärt: „Gefertigt im Alexanderwerk in Remscheid von Alexander von der Nahmer.“ Es gibt sogar schon einen Patentschutz, der gut sichtbar eingestanzt auf die Marke „Waffeleisen Klipp Klapp 1936, DRGM – ein Produkt des täglichen Bedarfs“, aufgebracht ist.

Obwohl es sich bei diesem Teil schon um eine deutlich leichtere Version als die Eiserhörnchen-Plattformen handelt: Das Hantieren auf dem Herd war auch nicht ohne. „Handschuhe waren wohl auch hier Pflicht“, heißt es dazu, „um keine Brandblasen zu bekommen.“ Denn auch dieses alte Gusseisenstück wurde richtig heiß.

Kunst geht zugunsten der Praktikabilität verloren

Viele historische Eisen sind heute nicht mehr erhalten, weil sie Gebrauchsgegenstände waren oder als nicht erhaltenswert erachtet wurden. Doch Nachbauten gibt es auf dem freien Markt in Hülle und Fülle. „Weil sie einfach toll aussehen“, meint die Praktikantin.

Eiserkuchen standen, das ist hinlänglich gesichert und überliefert, sowohl bei der Dienstherrschaft als auch den Dienstherrn selbst hoch im Kurs. Waffeln wie sie aus dem Eisen aus Remscheid entstanden, waren auch eine weit verbreitete Festtagsgabe für Bedienstete in den Haushalten. Vermutlich mussten sie diese Leckereien aber für sich selbst herstellen…

Die bildliche und textliche Ausgestaltung der Waben im Herdeisen mit seinen fünf Herzchen oder wie beim Eiserkuchen-Eisen – das gab es schon im Mittelalter – für das offene Feuer waren dem künstlerischen Zeitstil unterworfen. Waren die historischen Eiserkuchenplatten stets noch aufwendige, individuelle Handarbeit, war das bei dem Waffeleisen ab dem Beginn der Industrialisierung nicht mehr der Fall.

Die heimischen Historiker sprechen von einer Verarmung des künstlerischen Aussehens. Die im Gesenk geschmiedeten Eisen hatten nämlich in der Regel nur noch einheitliche Muster. Meist ein einfaches Wabenmuster.

Wer heute zum Eiserkuchen-Hörnchen oder zur Waffeln greift, macht sich vermutlich keine Vorstellung vom Aufwand, der einst für die Herstellung betrieben werden musste. Eines aber ist geblieben: Sie sind einfach lecker.

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