Brandmeldeanlage spinnt: Viele Fehlalarme auf der Burg

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Alarm auf der Burg: In einem solchen Fall fährt zunächst einmal nur ein Auto die Thoméestraße hoch. Der Rest wartet am Langen Kamp.

Altena - Immer wieder heulen die Sirenen, immer wieder Feueralarm auf der Burg - und immer wieder falscher Alarm. Das hat Folgen.

Ein halbes Dutzend Mal musste die Wehr in diesem Jahr schon zur Jugendherberge auf der Burg ausrücken – und immer war es Fehlalarm. „Das nervt“, meint Wehrführer Alex Grass kurz und knapp. Und damit steht er nicht alleine. 

Ein Brandalarm von der Burg hat automatisch die Alarmierung des Löschzugs Stadtmitte zur Folge. In der ganzen Innenstadt heulen dann die Sirenen. Können in so einem Fall nicht erst die Hauptamtlichen der Feuerwache nach dem Rechten schauen? Grass verneint das: „Wenn dann tatsächlich etwas sein sollte, verlieren wir kostbare Zeit.“ 

Gerade die Burg ist nämlich feuerwehrtechnisch hoch problematisch: Die Zufahrt über die enge Thoméestraße ist schwierig, am Burgtor ist für die meisten Feuerwehrfahrzeuge ohnehin Schluss. Der eine oder andere kommt nicht mehr Üblich ist nach Alarmen von der Burg, dass zunächst nur ein Fahrzeug dorthin fährt, um die Lage zu erkunden. Die übrigen Einsatzkräfte versammeln sich mit ihren Fahrzeugen am Langen Kamp und harren der Dinge, die da kommen. 

Ehrenamtliche warten ab

Meistens kommt Entwarnung – im Idealfall so früh, dass die Ehrenamtlichen gar nicht erst die Gerätehäuser verlassen. 

Die laufenden Fehlalarme fördern natürlich nicht unbedingt die Motivation der Einsatzkräfte. Sie werden nicht nur über die Sirene zum Dienst gerufen, sondern auch über so genannte Meldeempfänger. Auf denen können sie nachlesen, warum alarmiert wird. „Es kann durchaus sein, dass der eine oder andere nicht kommt, wenn da wieder „Brandmeldeanlage Burg“ steht“, ahnt Grass. 

Letzter Fehlalarm vor wenigen Tagen

Der Einsatzfähigkeit tut das aber keinen Abbruch: „Bisher waren immer ausreichend viele Leute da.“ „Wichtig ist natürlich, dass solche Anlagen regelmäßig gepflegt und gewartet werden – aber das ist in 95 Prozent der Fälle gewährleistet“, sagt Grass. 

Stefan Wille, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und dort für die Feuerwehr zuständig, bestätigt das. Er war vor Ort, als die Anlage in der vergangenen Woche einen erneuten Fehlalarm verursachte: „Da war gerade der für die Anlage zuständige Techniker mit der Fehlersuche beschäftigt. Der hat vor seinem Kasten gesessen und die Welt nicht mehr verstanden“, berichtet Wille. 

Die Burg gehört zwar dem Märkischen Kreis, der hat aber einen Teil davon als Jugendherberge zur Verfügung gestellt. Für die darin verbaute Brandmeldeanlage sei das Jugendherbergswerk verantwortlich, erläuterte Kreispressesprecherin Ursula Erkens gestern. Das hat auch eine Fachfirma mit der Fehlersuche beauftragt. 

Unbezahlte Einsätze

Würden sich Fehlalarme häufen, dann müsse man vielleicht doch darüber nachdenken, Rechnungen zu schicken, sinniert Grass. Darüber muss das Ordnungsamt entscheiden, und zwar auf Grundlage einer Feuerwehrsatzung der Stadt. Dort heißt es, dass Einsätze bezahlt werden müssen, die auf einen „nicht bestimmungsgemäßen oder missbräuchlichen“ Umgang mit der Brandmeldeanlage zurückzuführen sind. 

Im Fall der Burg sei das aber ausdrücklich nicht der Fall, sagt Wille. Dort werde ja mit Hochdruck nach dem Fehler gesucht. Überhaupt ist die Stadt zurückhaltend mit der Berechnung von Feuerwehreinsätzen. Auch eine Firma in der Rahmede, bei der sich vor einigen Wochen die Fehlalarme häuften, musste nichts bezahlen. 

Mülheim kassiert ab

Die Frage ist, wie der „nicht bestimmungsgemäße“ Umgang mit der Brandmeldeanlage definiert ist – diese Formulierung lässt schließlich einigen Spielraum. 

Beispiel Mülheim an der Ruhr: In der dortigen Feuerwehrsatzung findet sich exakt die gleiche Formulierung – und die Mülheimer Stadtverwaltung schreibt für Fehlalarme fleißig Rechnungen. Die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichten, dass die Mülheimer Feuerwehr im Jahr 2015 insgesamt 232 mal durch Brandmeldeanlagen alarmiert wurde. 

152 Einsätze waren kostenpflichtig. Die Verwaltung vertritt dort die Auffassung, dass eine ordentlich gewartete Anlage keine Fehlalarme auslösen kann. Tue sie das doch, so liege eben kein bestimmungsgemäßer Gebrauch vor.

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