Wahlkreis 150: Kandidat der Linken sammelt viele neue Eindrücke

Christian Kißler: Seit neun Monaten bei den Linken und schon Kandidat

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Christian Kißler glaubt, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen zum mehr Beschäftigung führen würde.

Lennetal - Politiker stehen nicht unbedingt in dem Ruf, persönlich immer das zu leben, was sie nach außen hin verkünden. Christian Kißler trifft dieser Vorwurf nicht. 

Der Bundestagskandidat der Linken im Wahlkreis 150 gehört zu den Konsequenten: Er empfindet es als ungerecht, dass oft nur Menschen mit genügend Geld eine Chance auf Wissen haben – also macht er was dagegen und bietet kostenlose Nachhilfe an.

Nachhilfe auf Youtube

Mit 400 Lehrvideos zu Themen der Sozialwissenschaften, Pädagogik und Psychologie auf seinem YouTube-Kanal im Internet hat der Masterstudent und Dozent in der Erwachsenenbildung schon vielen Schülern und Studenten zu guten Noten verholfen. 

Politisch ist der 26-Jährige konsequenterweise Anfang des Jahres bei der Partei der Linken gelandet, die das Recht auf kostenlose Bildung ganz groß im Programm stehen hat. 

In der Familie sozialdemokratisch geprägt, hat er seine eigenen Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit entwickelt. „In der SPD gibt es viele gute Ansätze, aber in der Praxis werden sie oft nicht umgesetzt“, hat Kißler festgestellt – und den Genossen nach zwei Jahren den Rücken gekehrt. 

Bei den Linken fühlt er sich besser aufgehoben: „Mit dem Großteil der Ziele gehe ich konform, und mit den Menschen auch. Sie stehen hinter ihrer Sache.“

"Ich kann gut reden" 

Im Iserlohner Stadtverband fiel das „kleine Talent“ des jungen Mannes – „Ich kann gut reden“ – schnell auf. Und weil er sich aktiv einbringen wollte – „Was ich mache, muss Hand und Fuß haben.“ –, ist er nicht nur Sprecher der Iserlohner Linken, Sachkundiger Bürger im Stadtrat und Mitglied im Kreisvorstand, sondern jetzt auch als Bundestagskandidat unterwegs. 

„Eine meiner besten Entscheidungen“, sagt er: „Ich habe Kontakte zu vielen Menschen, bekomme neue Einblicke.“ Er will den „bestmöglichen Wahlkampf“ machen, nimmt sich viel Zeit, Mails zu beantworten und genießt die Diskussionen an den Wahlständen. 

Philosophische Fragen

Aufgewachsen ist der Iserlohner im Letmather Ortsteil Lasbeck, wo er auch heute wieder mit seiner Lebensgefährtin und zwei Golden Retrievern lebt. 

Er liebt das ländliche Leben und den Wald, durch den er gern wandert. Oder in dem er einfach sitzt und liest. Oft ist es etwas Philosophisches. Wie wird der Mensch zu dem, was er ist und warum? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Kißler intensiv. 

Hochbegabter Schüler

Mit einem Notenschnitt von 1,1 standen dem hochbegabten Schüler, der in den letzten beiden Schuljahren bereits Lehrveranstaltungen an der Uni besuchte, alle Türen offen. Ein Medizinstudium gab er jedoch nach einem Jahr auf. „Ich habe gemerkt, dass es vielen in dem Umfeld nur ums Geld ging, nicht um den Menschen.“ 

Nach dem Bachelor-Studium der Erziehungswissenschaften und Biologie strebt er jetzt Master und Promotion in Erziehungswissenschaften und einen zweiten Master im Studiengang Bildung und Medien:eEducation an. 

Keine Politik für Großkonzerne

In der Demenzforschung hat er als wissenschaftliche Hilfskraft ein Themenfeld gefunden, das ihn begeistert. Und das ihn auch in seinem politischen Engagement für mehr soziale Gerechtigkeit prägt. Missstände in der Renten- und Pflegepolitik erlebt er aus erster Hand. In dem Ziel, darauf aufmerksam und eine Politik für die Bürger, nicht für Großkonzerne zu machen, ist er eins mit seiner Partei. 

Einkommen unter 7100 Euro monatlich müssten steuerlich entlastet werden – „alle, die mehr verdienen, könnten etwas mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, sagt Kißler. Eine Mindestsicherung von 1050 Euro monatlich solle ein Leben und Altern in Würde ermöglichen – „Keiner soll von Pfandflaschen leben müssen.“ 

Mehr Beschäftigung

Das trage auch zur inneren Sicherheit bei: „Soziale Desintegration führt zu höherer Gewalttätigkeit und Straftaten.“ Und es würde, da ist sich der Erziehungswissenschaftler sicher, manchen ermutigen, etwas Neues auszuprobieren: „Bei einem bedingungslosen Grundeinkommen würden nicht weniger, sondern mehr Menschen arbeiten.“

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