Wahlkreis 150: Grüner bezeichnet sich als "Klima-Politiker"

John Haberle fordert mehr Visionen

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Zum Gespräch im Iserlohner Barendorf ist Haberle natürlich mit dem Fahrrad gekommen.

Lennetal - Langeweile ist nichts für John Haberle. Dass er zu den Grünen und zur Politik kam, führt der 47-Jährige auch auf Helmut Kohl zurück. Der Grünen-Bundestagskandidat fordert eine Politik, in der Visionen wieder eine Rolle spielen.

Zum Gespräch lädt John Haberle ins Iserlohner Barendorf. „Einer der schönsten Orte, den die Stadt zu bieten hat“, findet der 47-Jährige, der im Ortsteil Hennen sein Zuhause gefunden hat. „Wenn nur nicht die vielen Autos wären“, deutet er auf die nahe Bundesstraße.

"Klima-Politiker" Haberle fährt Diesel 

Und da ist Haberle schon bei einem seiner Lieblingsthemen: „Ich würde mich als Klima-Politiker beschreiben“, sagt er. Privat fährt der Grünen-Politiker zwar ausgerechnet einen Diesel. „Aber nur wenn es absolut nötig ist“, erklärt der Vater einer Tochter und eines Sohnes. 

Er ist sich sicher, dass in einigen Jahren Elektroautos kaum teurer sein werden als Verbrenner. Dann sei es auch deutlich ruhiger, nicht nur im Barendorf. 

Mit dem Rennrad zur Arbeit

Viel lieber ist Haberle mit dem Rennrad unterwegs, eines seiner Hobbys. So fährt er auch mal mit dem Rad von der Arbeit – immerhin aus Bochum – nach Hause. Mit dem Auto geht es normalerweise nicht zum Arbeitsplatz. „Viel zu langweilig“, findet Haberle. „Im Zug kann ich arbeiten und habe dadurch auch mehr Freizeit.“ Ein Wohnort mit Bahnanschluss sei ihm wichtig gewesen. 

So kommt Haberle zu seinem zweiten großen Politikfeld: Verkehr. Als die Grünen bis 2014 im Iserlohner Stadtrat vertreten waren, saß er im Verkehrsausschuss. „Ob irgendwo ein Zebrastreifen geschaffen wird, ist mir nicht so wichtig.“ 

Großvater war SPD-Mitglied

Vielmehr gehe es um grundsätzliche Dinge, ein Radverkehrskonzept zum Beispiel. Als er das im Verkehrsausschuss einbringen wollte, sei er zunächst enttäuscht worden: Radverkehr sei doch kein Thema für den Verkehrsausschuss, hieß es. Das habe er schnell ändern wollen, sagt Haberle, der auch Sprecher des Grünen-Kreisverbandes ist. 

Sein Großvater war SPD-Mitglied in Bochum-Dahlhausen, wo Haberle auch lange gelebt hat. Letztlich waren es aber nicht die Sozialdemokraten, denen er sich als Student zugewandt hat: Mitte der 90er-Jahre hatte Haberle zum ersten Mal Kontakt mit den Grünen. 

Behäbigkeit der Merkel-Regierung

Auch Helmut Kohl war daran nicht ganz unschuldig: „Diese langweilige Behäbigkeit hat mich zur Politik getrieben.“ Eine Behäbigkeit, die er auch der Regierung Merkel zuschreibt. 

Nach Wehrdienst und Studium der Sozialwissenschaften an der Bochumer Ruhr-Uni arbeitet Haberle heute für einen großen Krankenhausträger als Referent, ist für die Patientenbefragung und zum Teil für den betriebswirtschaftlichen Part tätig. 

Auch Gesundheitspolitik im Fokus

Daraus rührt auch sein drittes politisches Interesse: die Gesundheitspolitik. Im politischen Betrieb, sagt er, fehlt ihm zu oft die Weitsicht, mehr noch: Visionen. Ein „Fahren auf Sicht“ praktiziere die Regierung viel zu häufig. 

Vielleicht war es gerade das, was Haberle seit Kindertagen an Science-Fiction-Literatur begeisterte: „Diese Vorfreude auf die Zukunft hat mich einfach fasziniert.“

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