Bürgermeisterwahl in Altena: Volker Spitz (parteilos) im Porträt

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Volker Spitz tritt als parteiloser Bürgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl in Altena an.

Konzerte im Salon daheim, ein Philosophie-Zirkel und besondere Ideen für die Stadt: Bürgermeisterkandidat Volker Spitz (parteilos) ist anders als andere. Das merkt man schon an seinem Zuhause

Altena - Kunst und Kronleuchter, eine Badewanne auf Füßen, ein Salon mit Klavier, Stuckdecken und Deko-Schönheiten in jedem Winkel, selbst auf den Heizkörpern Malerei: Wer bei Volker Spitz zu Besuch ist, dem verschlägt es direkt die Sprache. 

Die Gründerzeitvilla an der Hardenbergstraße, die der parteilose Bürgermeisterkandidat vor zwei Jahren mit seiner Frau Ina Wohlgemuth gekauft hat, ist von einem „normalen Wohnen“ weit entfernt. 

Kommunalwahl in Altena: Durch Zufall in der Burgstadt gelandet

Und doch ist Volker Spitz alles andere als überkandidelt oder abgehoben, wenn auch sein besonderes Zuhause durchaus das widerspiegelt, was er ist: anders als die anderen. 

Ein Paradiesvogel? Eher nicht. Aber einer mit Visionen für Altena. Eigentlich ist Volker Spitz durch einen Zufall in der Burgstadt angekommen. Die Villa wurde im Internet angepriesen und der heute 60-Jährige war mit seiner Frau gerade auf der Suche nach einer Immobilie. Allerdings sollte es ein kleines Reihenhäuschen werden. 

„Wir haben den Makler angerufen und der meinte: ‘Sie wollen nach Altena? Sind Sie sicher?’ Das war irgendwie der falsche Text“, erzählt Volker Spitz lachend. Statt eines Termins schlug der Makler vor, dass die Familie aus Herdecke sich doch mal von außen das Gebäude angucken sollte. 

Kommunalwahl in Altena: Wohnen der besonderen Art

„Dann sind wir hier hin. Es war gespenstisch. Die Tore quietschten. Nebel. Ein bisschen wie in einem Edgar Wallace-Film. Der Gartenteich war zugefroren. Wir haben uns die Nasen an den Fenstern platt gedrückt.“ Und doch war es Liebe auf den ersten Blick – auch, weil die Familie schon immer Mehrgenerationen-Projekte geliebt hat. 

Und Platz gibt es in der Villa wahrlich genug. 440 Quadratmeter. Reicht irgendwie. In kleinen Schritten wurde liebevoll renoviert, auch auf Flohmärkten und bei ebay die eine oder andere Schönheit entdeckt – und plötzlich kamen auch die Stuckdecken zum Vorschein. Der Vorbesitzer hatte die Decken abgehängt. 

Kommunalwahl in Altena: Konzerte im eigenen Salon

Im Salon gibt es gleichnamige Konzerte. Musik ist ein Lebenselixier für die ganze Familie. Volker Spitz spielt Schlagzeug. Das Klavier ist von seiner Oma. „Wir wollen zum 100. Geburtstag des Klaviers ein Konzert veranstalten“, erzählt Volker Spitz. 

Das Haus wurde 1889 gebaut. „Es verdient es, so zu sein, wie es ist“, sagt Volker Spitz, der fünf Kinder hat. Mittlerweile ist er auch Opa und liebt diese Rolle. Allerdings ist das vierjährige Enkelkind mit Mama jetzt ausgezogen, sodass aktuell nur die Zwillinge (22) mit im Haus leben. 

Volker Spitz arbeitet bei einem Verein, der vom Landschaftsverband finanziert wird. „Ich helfe psychisch Erkrankten dabei, selbstständig zu bleiben.“ 

Kommunalwahl in Altena: Berufliche Krise als Chance genutzt

Sein eigentlicher Beruf ist eigentlich weit davon entfernt. Volker Spitz ist technischer Betriebswirt, kommt aus der Druckindustrie. Geboren in Oberhausen. Er war auf einer Gesamtschule, ist nach der zehnten Klasse abgegangen und hat eine Ausbildung zum Druckformhersteller gemacht. Dann ist er Industriemeister Druck geworden. 

„Ich habe bei einer Zeitung in Düsseldorf gearbeitet, bin dann nach Essen gezogen und später technischer Betriebswirt geworden.“ In Schwerte war er Leiter des Außendienstes bei einer Druckerei. Doch diese musste die Tore schließen. Da war Volker Spitz 58. 

„Was macht man dann?“ Die Krise als Chance. „Dann muss man aber auch die Backen zusammenkneifen“, sagt Volker Spitz, der seinen neuen Job schließlich durch Bekannte kam. 

Kommunalwahl in Altena: Der weg ins Ungewisse

Der Weg nach Altena war durchaus ein Weg ins Unbekannte, ins Ungewisse. „Aber mit viel Optimismus“, sagt Volker Spitz. „Wenn man hier freundlich ist und bereit, sich zu öffnen, dann klappt es.“ Die Gegend findet der Bürgermeisterkandidat traumhaft, die Leute ebenso. 

Nicht borniert sein, selber wissen, dass man morgens aufstehen muss, um die Brötchen zu verdienen, ist gelebte Wirklichkeit. 

Beim VfB Altena spielt Volker Spitz Fußball bei den alten Herren. „Wer gerade laufen kann und nicht humpelt, darf spielen“, witzelt er. Im Kern gehe es darum, mit netten Leuten Spaß zu haben. 

Was Volker Spitz ebenso klasse findet, ist der Philosophie-Zirkel. „Das macht Helmut Zimmer, ein ganz bunter Mensch, der Theologie studiert hat und während seines Studiums den Glauben verloren hat, weil die Fragen nicht beantwortet wurden, die er gestellt hatte. 

Kommunalwahl in Altena: Liebe zur Philosophie

Und er hat dann Philosophie studiert. Seine Liebe ist immer bei den grundsätzlichen Fragen geblieben. Und zu diesem Zirkel kommen ganz unterschiedliche Leute. Das ist immer einmal im Monat, wobei Corona jetzt natürlich ein Problem ist. Aber es ist immer total klasse, weil so viele tolle Leute da mitmachen. Und das ist hier. Das ist Altena.“ 

Doch zurück zur Villa. „Ich wollte wissen, ob das Haus eine dunkle Vergangenheit hat. Was war hier zur Nazi-Zeit?“ 

Seine Sorgen waren unbegründet. Die Villa war immer in gut bürgerlichen Händen. Volker Spitz recherchierte im Stadtarchiv. Vor Spuk hatte er keine Angst. „Wer hier mit Ketten rasseln will, geht hier unter“, sagt er lachend. 

Seine Frau liebt übrigens Geisterfilme, Volker Spitz ist das eher gleichgültig. Auch Serien mag er nicht, außer Breaking Bad vielleicht. „Kein Mensch ist nur böse oder nur gut“, sagt Volker Spitz und schätzt die tiefergehende Unterhaltung. 

Kommunalwahl in Altena: Masterplan für die Stadt entwickeln

Einen Fernseher gibt es in seinem Zuhause nicht – nur in der Ferienwohnung oben. „Diese Bude ist einfach zu groß, als dass man nichts damit macht“, sagt Volker Spitz, der kulturell die Stadt beleben möchte. 

„Was passiert hier in der Stadt, wenn neu gewählt wird? Im Grunde genommen sind wir zu alt dafür zu sagen, dass es uns nichts angeht. Warum sind 115000 Leute auf der Burg im Jahr und unten sind die Geschäfte leer? Es gibt viele solcher Fragen“, sagt Volker Spitz. 

„Warum schaffen andere Städte mit Kultur, die weder einen Fluss in der Stadt haben noch eine Burg, noch so ein wunderschönes Umland, mit Formaten wie Mord am Hellweg eine Stadtentwicklung? Warum haben wir das nicht?“ 

Und so tritt er als Bürgermeisterkandidat an, dem klar ist, dass er ein Außenseiter ist, aber der gern einen Masterplan für Altena entwickeln würde: 

„Es ist eine ganz schlimme deutsche Eigenart zu sagen, dass große Ideen etwas mit Wahnsinn zu tun haben. Das haben sie nämlich nicht.“ 

Das Haus als Konzept, Altena als Konzept: „Das ist ähnlich schön, wenn man sieht, was man daraus machen kann.“

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