Bürgermeisterwahl in Altena: Volker Spitz (parteilos) im Interview

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Der parteilose Bürgermeister-Kandidat Volker Spitz spricht im Interview über seine politischen Ziele.

Im Interview spricht der Bürgermeisterkandidat Volker Spitz (parteilos) über seine Ziele und Themen, die ihm als Bürgermeister wichtig wären.

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen – diese Empfehlung von Altbundeskanzler Helmut Schmidt teilt der parteilose Bürgermeisterkandidat Volker Spitz ganz sicher nicht. 

Im Gegenteil: Er will mit der ganzen Stadt nach Ideen suchen, um die Altena voranzubringen. Noch fehle in Altena ein Masterplan, meint er im Interview. Spitz ist 60 Jahre alt und lebt erst seit 2018 in der Burgstadt. 

Zwei Jahre Altena - wie kommt man dann auf die Idee, hier Bürgermeister werden zu wollen? 

Volker Spitz: Ich habe eine hohe Identifikation mit dieser Stadt. Wir sind hierhin gezogen, weil uns Altena von Anfang an fasziniert hat und weil wir uns hier ein sehr schönes Haus leisten konnten. 

Als ich dann gelesen habe, dass der amtierende Bürgermeister nicht mehr antritt, da habe mich gefragt, wie es mit der Stadt weitergehen soll, in der ich alt werden möchte. 

Ich will nicht motzen, sondern mitgestalten – das hat eigentlich den Ausschlag gegeben. 

Was qualifiziert sie für dieses Amt? Sie sind gelernter Druckformhersteller. 

Volker Spitz: Das stimmt. Aber ich habe mich immer weitergebildet, habe den Industriemeister und den technischen Betriebswirt gemacht und zu guter Letzt in führender Position in einem Betrieb gearbeitet. 

Aber in 60 Jahren bildet man sich ja nicht nur beruflich, sondern auch menschlich weiter. Und Bürgermeister ist ja kein Lehrberuf. Man muss sich das einfach trauen, finde ich. Sehr viele Städte werden inzwischen von parteilosen Bürgermeisters regiert. 

Die kommen aber oft aus der Verwaltung. 

Volker Spitz: Ja, aber nicht immer. 

Wenn sie es jetzt würden, könnten CDU und Grüne, die ja eigene Kandidaten stellen, das als Bankrotterklärung empfinden. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit einem Rat vor, in dem sie keine „Hausmacht“ haben? 

Volker Spitz: Das ist eine Frage von persönlicher Integrität und Fairness. Und parteipolitische Befindlichkeiten haben nach meiner Kenntnis in der Vergangenheit in der Altenaer Kommunalpolitik so gut wie keine Rolle gespielt. 

Ich würde mir da durchaus mehr Auseinandersetzung und auch Streit wünschen – aber mit dem Ziel, dadurch letztlich zu den besten Ideen zu kommen. Nur so bleibt Demokratie spannend. 

Ich glaube auch, dass es mein Vorteil ist, dass ich von außen komme. Ich bin nicht verstrickt durch 20-jährige Tätigkeit im Rat, sondern kann neue Sichtweisen einbringen. 

In Ihrer allerersten Vorstellung haben Sie als Beruf „arbeitslos“ angegeben. War das klug? 

Volker Spitz: Nein, aber es war ehrlich. Ich war nach 43 Jahren Berufstätigkeit zu diesem Zeitpunkt tatsächlich erwerbslos.

Mittlerweile habe ich aber einen neuen Job gefunden und bin bei Biotop e.V. in Lüdenscheid angestellt. Ich helfe dort psychisch erkrankten Menschen, ihre Selbstständigkeit zu bewahren. 

Bei Ihrer Bewerbung haben Sie auch das Thema bedingungsloses Grundeinkommen angesprochen und sich dafür stark gemacht, in Altena einen entsprechenden Pilotversuch zu starten. Inzwischen hört man dazu nichts mehr von Ihnen. Sind Sie in der Realität angekommen? 

Volker Spitz: Nein, ich halte das bedingungslose Grundeinkommen nach wie vor für die beste Lösung. So kann man mit Würde existieren, ohne jedes Mal einen Antrag stellen zu müssen, wie man wohnen darf oder ob man etwas hinzuverdienen und das dann behalten kann. 

Gerade in Zeiten von Corona hätte das bedingungslose Grundeinkommen vielen Menschen – zum Beispiel Künstlern und kleinen Unternehmen – helfen können. 

Aber Sie wollen Bürgermeister von Altena werden. Überschätzen Sie da nicht den mit diesem Amt verbundenen Gestaltungsspielraum? 

Volker Spitz: Wenn man nichts wagt, kann man auch nichts gewinnen. Was spricht denn gegen ein Modellprojekt unter wissenschaftlicher Begleitung? Ich habe dazu mit verschiedenen, sehr interessanten und sehr interessierten Menschen Kontakt aufgenommen, zum Beispiel Professorin Fischer aus Dortmund, die so etwas mit ihren Studenten gerne begleiten würde. 

Auch der Armutsforscher Christoph Butterwegge, der ja eine ganz andere Meinung zu diesem Thema hat, wäre sehr interessiert. 

Zurück zu einem besser greifbaren Thema: Sie haben das Thema Lenneradweg von Anfang an sehr forciert und prognostiziert, durch den Lenneradweg kämen hundertttausende zusätzliche Touristen in die Stadt. Wir belastbar ist denn diese Zahl? 

Volker Spitz: Das Konzept Lennetalradweg ist ja gemeinsam mit dem Ruhrtalradweg beschlossen worden. Den gibt es längst, er hat 2017 sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. 

In den zehn Jahren haben 6,5 Millionen Fahrradfahrer den Ruhrtalradweg genutzt. Der Lückenschluss zwischen Ruhrtal- und Lennetalradweg würde deshalb erhebliche Auswirkungen haben. Es hat ja einen Grund, dass das Stadtmarketing Hagen diesen Lückenschluss dringend fordert. 

Selbst andere Städte erkennen also das touristische Potenzial eines Fahrradweges zur Burg Altena. 

Ganz pragmatische Frage: Wie kommen Sie denn mit dem Fahrrad nach Nachrodt? 

Volker Spitz: Bisher hat noch keiner eine entsprechende Trasse gefunden. Das gilt ja auch für andere Abschnitte wie etwa den rund ums Kraftwerk Elverlingsen. Man wird für diese problematischen Abschnitte sicherlich keine billigen Varianten finden. 

Vielleicht muss man den Radweg auf Stelzen neben die Straße stellen oder den Radweg erst auf der anderen Lenneseite bauen und dann mittels einer Brücke über den Fluss bringen. Ich bin davon überzeugt, dass man da Lösungen finden kann., 

Stichwort Kultur: Das macht in Altena der Kulturring, Politik und Verwaltung halten sich raus. Sie wollen das ändern - warum?

Volker Spitz: Kultur muss in den kommenden Jahren ein wichtiger Bestandteil der Stadtentwicklung werden. Wir müssen mehr Angebote schaffen für Menschen, die nach Altena kommen oder die hier schon wohnen. 

Die müssen sich wohlfühlen und dazu muss in der Innenstadt im wahrsten Sinne des Wortes die Musik spielen. Ich kann mir ein buntes Sommernachtsprogramm vorstellen mit vielen verschiedenen Künstlern, mit schöner Lichtkunst und vielem anderen mehr. 

Da muss ein Gesamtkonzept her. Darum muss sich die Stadt kümmern, das kann kein Verein leisten. 

Reicht Kultur allein aus, um die Lennestraße mit ihren zum Teil seit Jahren leerstehenden Ladenlokalen zu beleben? 

Volker Spitz: Als ich mich mit der Frage beschäftigt habe, ob ich kandidieren soll, habe ich Kontakt aufgenommen mit Professor Spiegel vom Kultursekretariat NRW. 

Da gibt es eine ganze Reihe von Ansätzen von armen, kleinen Städten, die noch nicht mal eine Burg und einen Fluss haben, zum Beispiel Stadtbesetzungen und einen Freiraum Leerstand. 

Die Mitgliedschaft in dieser Initiative kostet nicht viel, verschafft uns aber Zugang zu Ideen und womöglich auch zu vielen Fördertöpfen. 

Sie haben schon Gespräche mit Altenaer Unternehmern geführt. Was haben Sie daraus mitgenommen? 

Volker Spitz: Die haben natürlich auch über Steuern und andere Belastungen gesprochen. Es kam aber vor allem heraus, wie sehr sie sich mit der Stadt identifizieren. Das wichtigste Thema ist aber der qualifizierte Nachwuchs.

Die verstehen nicht, dass der Berufsschulstandort aufgegeben wurde, statt ihn in einen den Bedürfnissen dieser Stadt angepassten, technischen Standort umzuwandeln. Wenn ein Teil einer technischen Fakultät nach Altena käme – und darum werde ich mich bemühen – dann könnte das auch Schülern unseres Gymnasiums eine Perspektive bieten. 

Thema Geld: Sie warnen davor, die Folgen von Corona auf Bürger und Betriebe abzuwälzen und fordern einen kommunalen Rettungsschirm von Bund und Land. Wie sollen die das denn bezahlen? 

Volker Spitz: Man wundert sich ja, wo in der Corona-Krise plötzlich überall Geld aufgetaucht ist und verteilt werden konnte. Das hat gezeigt, dass dieses Land enorme Kraft entwickelt, wenn es erkennt, was wichtig ist und was gemacht werden muss.

Da sind große Potenzen vorhanden. Wenn jetzt die Gewerbesteuer wegbricht, muss man einen Plan entwickeln, eine Vision, die man dann gegenüber übergeordneten Stellen vertreten muss. Wenn eine Stadt ein überzeugendes Konzept hat, wie es weitergehen kann, dann muss das Land gemeinsam mit dieser Kommune prüfen, wie das umgesetzt werden kann. 

Wenn man pfiffig und klug ist und Konzepte entwickelt, dann wird keiner hingehen und die Stadt pleite gehen lassen. Das geht auch gar nicht, die Verfassung lässt das nicht zu. 

Wenn es um das Zusammenspiel mit Kreis, Land und eventuell Bund geht, dann spielt stets auch das Thema Vernetzung eine große Rolle. Wie sieht es denn damit bei Ihnen aus? 

Volker Spitz: Also, im Moment geht es mal zuerst darum, was diese Stadt braucht. Wenn der Wähler mein Konzept annimmt und mir das Mandat gibt, dann werde ich alles versuchen, um alle hier vor Ort an einen Tisch zu kriegen. 

Das gilt im nächsten Schritt auch für die Lenneschiene – auf diesen Ebenen vernetzt zu sein, das hat für mich Priorität. Wir haben ja sehr ähnliche Probleme und da können wir durchaus auch voneinander lernen. Mir sind Kontakte und Kooperationen zum Beispiel mit wissenschaftlichen und künstlerischen Institutionen und unseren Unternehmen sehr wichtig. 

Ich habe mich zum Beispiel beim Institut für Städte- und Landesentwicklung in Dortmund informiert, die Altena kennen. Grundsätzlich möchte ich dazu kommen, Altena in eine andere Richtung zu entwickeln. 

Können Sie das erläutern? 

Volker Spitz: Nehmen wir den Aufzug, so schön er auch ist. Der große Wurf ist er nicht, weil er nicht in Gesamtkonzept eingebunden ist. 

Es muss mehr geben für die Menschen, die hierhin kommen. Ich würde gerne mit den Altenaern zusammen einen solchen Masterplan zur weiteren Entwicklung der Stadt auf die Beine stellen und ich habe großes Vertrauen, dass wir mit einem guten Konzept bei der Landesregierung Gehör finden. 

Die hat ein Interesse daran, zusammen mit den Gemeinden eine strukturschwache Region zu stärken. Dafür wurde schließlich das Heimatministerium geschaffen. 

Es soll dafür sorgen, dass die Lebensverhältnisse in den Kommunen vergleichbar sind. 

Würden Sie Bürgermeister, dann wären sie auch oberster Chef der Verwaltung- Arbeitgeber von etwa 120 Menschen. Sie fordern eine „pfiffige Personalpolitik“. Wie muss man sich das im öffentlichen Dienst mit seinen doch sehr starren Bestimmungen vorstellen? 

Volker Spitz: Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass jeder Mensch gerne einen guten Job macht und abends gerne mit dem Bewusstsein nach Hause gehen möchte, etwas bewegt zu haben. 

Menschen möchten gestalten und in ihrem Bereich sauber und nachhaltig arbeiten. Ich möchte die Menschen auch in der Verwaltung für die Aufgabe, Altena voranzubringen, mitnehmen und begeistern. 

Ich halte es mit Klopp: Wer guten Fußball spielen möchte, der darf keine Angst vor dem Verlieren schüren, sondern muss den Spaß am Gewinnen fördern.

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