Kommunalwahl 2020

Bürgermeisterwahl in Altena: Uwe Kober (CDU) im Interview

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Bürgermeisterkandidat Uwe Kober (CDU) spricht im Interview über seine politischen Ziele.

Uwe Kober (CDU) will in die Fußstapfen seines Parteifreunds Dr. Andreas Hollstein treten und Altenas neuer Bürgermeister werden. Im Interview erzählt er, was die Bürger von ihm im Fall seiner Wahl zu erwarten hätten.

Uwe Kober tritt als CDU-Bürgermeisterkandidat zur Wahl an. Der 55-jährige gehört seit 1999 dem Rat an und ist seit drei Jahren deren Fraktionsvorsitzender. Das Gespräch mit ihm führte Thomas Bender. 

„Weiter so“ oder „Alles neu“ – was gilt, wenn Sie irgendwann im Oktober Ihren ersten Arbeitstag im Bürgermeisterbüro des Altenaer Rathauses haben sollten?

Uwe Kober: Weder noch. Ich werde mich ja erst mal für mich aufstellen müssen. Klar kenne ich viele Leute im Rathaus, aber es wird sich ja vieles ändern. 

Es geht ja nicht nur Andreas Hollstein weg, sondern zum Beispiel auch Gundula Schulze, die aus dem Vorzimmer des Bürgermeisters heraus bestens vernetzt war. Verabredet ist, dass - wenn ich es denn werde - Andreas Hollstein mir das eine oder andere noch sagen und zeigen wird. 

Eines der dringendsten Themen, die ich dann angehen möchte, ist die Personalplanung. Wir müssen zum Beispiel dringend die Stelle des Stadtplaners besetzen. Da darf es keine Vakanz geben, wenn Roland Balkenhol ausscheidet.

Ist eine so kleine Stadtverwaltung wie die in Altena als Arbeitgeber überhaupt attraktiv? 

Uwe Kober: Fakt ist, dass wir vor allem in Konkurrenz zum Kreis und zu größeren Kommunen stehen. Gegen die kommen kleine Kommunen nicht an. 

Der wird weiter Personal einstellen und bessere Perspektiven bieten als wir. Aber irgendwann kommt auch da das Spardiktat, weil die Kommunen nicht mehr genug Einnahmen haben werden, um ständig steigende Kreisumlagen zu finanzieren. 

Ich glaube aber, dass es auch noch andere Wege gibt. Wir müssen unbedingt die Digitalisierung unserer Verwaltungen vorantreiben. Aber das Thema IT, das kann auch nicht einer mal so nebenbei miterledigen. Auch dafür braucht man Personal. 

Es fällt auf, dass die Verwaltung schon jetzt nicht mehr in der Lage ist, ihr Alltagsgeschäft zu erledigen. Das hat sich zuletzt beim Bürgerservice gezeigt.

Uwe Kober: Ja, aber Corona war natürlich gerade für den eine schwierige Zeit. Und als dann auch noch jemand krank wurde und die EDV umgestellt werden sollte, da war natürlich Chaos. Das ist auch völlig verständlich. 

Grundsätzlich finde ich aber, dass wir in der Verwaltung nicht nur Häuptlinge brauchen, sondern auch ein paar mehr Indianer. Deshalb ist es ein guter, erster Schritt, dass wir jetzt wieder ausbilden. Das ist wichtig, um in solchen Fällen über Reserven zu verfügen.

Macht es angesichts dieser Probleme Sinn, sich an Projekten wie Regrow City oder Urbact zu beteiligen, für die Mitarbeiter in ganz Europa unterwegs sind? Uwe Kober: Die klare Aussage der CDU und ihres Bürgermeisterkandidaten ist, dass sich die Verwaltung auf ihre Kernaufgaben konzentrieren soll. Solche Projekte sind dann in Ordnung, wenn sie gut sind für die Stadt. 

Da müssen wir abwägen. Richtig ist nämlich auch, dass wir mit Mitteln aus diesen Projekten Mitarbeiter querfinanzieren können. Und man muss auch anerkennen, dass Andreas Hollstein sich durch die Teilnahme an diesen Projekten ein Netzwerk geschaffen hat, das der Stadt zugute gekommen ist. 

Falsch ist das also nicht unbedingt. Aber wir müssen da ganz bestimmt nicht noch draufsatteln.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren als Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses sehr stark eingebracht, wenn es um das Thema Kindergärten ging. Auffällig ist, dass das Thema Jugendarbeit lange Zeit überhaupt keine Rolle spielte. Jetzt ist das JuZ seit März geschlossen, weil der Leiter krank ist - und keinen scheint das zu interessieren. Hat sich diese Form der Jugendarbeit womöglich überlebt? 

Uwe Kober: Das ist eine gute Frage. Man muss überprüfen, was da überhaupt noch los ist. Wen kriege ich da rein, wen will ich ansprechen? Junge Erwachsene kriege ich wohl nicht mehr in so ein Jugendzentrum. 

Wir müssen uns mit dieser Frage sicher beschäftigen und dann auch darüber nachdenken, wie wir uns zukünftig aufstellen. Dazu gehört womöglich auch die Standortfrage.

Thema Innenstadt: Da wurde mit viel Enthusiasmus der Burgaufzug eröffnet, von dem man sich eine Belebung der Lennestraße erhofft hatte. Seitdem ist nicht mehr viel passiert, auch seitens der Politik nicht. Woran lag das? 

Uwe Kober: Für dieses Jahr war ja Summer in the City geplant – eine Aktion, bei der ja Ladenlokale besetzt worden wären. 

Man muss sich aber bewusst machen, dass das immer nur temporäre Sachen sind. Da kann man Glück haben, wenn da mal einer hängen bleibt. Schwierig ist, dass es im Bereich Tourismusförderung und Stadtmarketing immer wieder personelle Wechsel gegeben hat. 

Da fehlt so ein bisschen die Steuerung. Ich habe neulich an einem Donnerstag am Langen Kamp gestanden und musste wenigstens drei Leuten den Weg zum Burgaufzug erklären.

Das Tourismusbüro, das wir mit hoher Förderung in die Freiheit26 integriert haben, war nicht besetzt. Das soll zumindest im Sommer und in den Ferien nicht sein. 

Da muss es eine Anlaufstelle geben, da muss man Prospekte bekommen oder Hinweise, wie man wohin kommt. Wir müssen da präsenter sein. In dieser Beziehung haben wir in den letzten Jahren definitiv nachgelassen.

War eigentlich die Politik eingebunden, als die Stadt die ehemalige Gaststätte an der Freiheitstraße kaufte und zur Begegnungsstätte Freiheit26 umbaute? 

Uwe Kober: Wir sind schon darüber informiert worden, was in dem Gebäude geplant war und welche Gruppen es nutzen sollen. Das ist kommuniziert worden. 

Man muss ja auch anerkennen, dass durch diese Investition ein Leerstand an einer ziemlich markanten Stelle verschwunden ist. 

Im CDU-Wahlprogramm wird für die Innenstadt das Thema Rückbau angesprochen. Sie verabschieden sich also von der Idee, dass für jedes leer stehende Ladenlokal eine neue, gewerbliche Nutzung gefunden werden muss? 

Uwe Kober: Viele Ladenlokale stehen ja schon seit Jahren leer. Ich glaube nicht, dass wir die alle wieder gefüllt kriegen. Wohnen in der Innenstadt ist da durchaus eine interessante Alternative. 

Der Bedarf ist da. Und in Häusern, in denen es keinen Aufzug gibt, ist der Bau von Wohnungen im Erdgeschoss bestimmt eine Variante, die man prüfen sollte. Die Fenster einer Wohnung sind ganz bestimmt attraktiver als große, leer stehende Schaufenster. 

Noch schlimmer ist es ja, wenn die Läden dann auch noch mit irgendwas vollgestellt sind und aussehen wie eine Abstellkammer. 

Auch in diesem Sommer besucht eine nicht unerhebliche Zahl von Touristen die Stadt. Haben Sie eigentlich eine Erklärung dafür, warum das nicht zu einer deutlichen Belebung der Gastronomie in der Innenstadt führt? 

Uwe Kober: Haben sie ein Rezept dagegen? Die Stadt alleine kann die Innenstadt nicht beleben und natürlich auch keine Gastronomie dort betreiben. Aber wir könnten versuchen, mit besonderen Events die Innenstadt und die Gastronomie zu beleben, vielleicht mit einem Weinfest.

Leider sind diese Möglichkeiten ja durch Corona sehr eingeschränkt. Ich glaube auch, dass es in der Stadt noch Potenzial für eine etwas höherwertigere Gastronomie gibt. Allerdings muss man dafür nicht nur den richtigen Wirt, sondern auch geeignete Räume finden. 

Erster Punkt im CDU-Wahlprogramm ist Bürgernähe. Warum diese Priorisierung? Mangelt es in dieser Stadt an Bürgernähe? 

Uwe Kober: Nein, das glaube ich nicht. Ratsmitglieder sind ganz normale Bürger wie jeder andere auch und wir machen ja nicht die große, abgehobene Politik. Deshalb zeichnet sich Kommunalpolitik grundsätzlich durch Bürgernähe aus. 

Irgendwie kennt doch hier jeder jeden. Als Bürgermeister würde ich mir die Zeit nehmen, öfter unterwegs zu sein und den Kontakt zu den Menschen zu suchen. Da sein, ansprechbar sein, erreichbar sein, auch für unsere Dörfer – das ist mir wichtig. 

Auf einmal spielt der Radweg durchs Lennetal auch in Altena eine große Rolle. Nur bei Ihnen steht er nicht im Programm. Ist der Radweg für die CDU nicht so wichtig? 

Uwe Kober: In meinem Wahl-Video sage ich ganz deutlich, dass wir da weiterkommen müssen. Aber es gibt natürlich auch jede Menge Hürden, die wir allein nicht beseitigen können und die mit anderen Projekten verknüpft sind. 

So wird der Radweg durch den Lennepark führen, von dem mancher sagt, dass sich da seit Jahren nichts tut. Das stimmt so nicht: Da tut sich eine Menge, nur sieht man das im Moment noch nicht. Schön wäre es, wenn uns in nächster Zeit mal der Lückenschluss zwischen der Mittleren und der Steinernen Brücke gelingen würde. 

Das würde eine schöne Runde für Spaziergänger, Rollstuhlfahrer, Radler und so weiter ermöglichen. Ein Problem ist, das wir diesen Weg gegen die Bahngeleise sichern müssten. 

Aber warum sollen wir da jetzt einen Zaun bauen, wenn die Bahn da im kommenden Jahr ihre Lärmschutzwände aufstellen möchte? 

Thema Geld: Die Stadtfinanzen sind in den vergangenen Jahren konsolidiert worden, der Haushalt ist ausgeglichen und dann kam Corona. Wie schätzen Sie die finanziellen Folgen der Pandemie ein? 

Uwe Kober: Das wirft uns und alle anderen um Jahre zurück. Die große Welle kommt ja erst noch, wenn die Firmen ihre Gewerbesteuer für dieses Jahr abrechnen. Da werden ganz schwierige Zeiten auf uns zukommen, auch wenn Land und Bund Hilfen zugesagt haben. 

Das beruhigt ein wenig. Ob und wie man die Verluste durch die Pandemie dann in den städtischen Haushalten auffangen kann, bleibt abzuwarten. Ich befürchte, wir werden noch lange in der Haushaltssicherung bleiben.

Müssen Bürger mit weiteren Belastungen rechnen? Uwe Kober: Nein. Sie sind durch die zwangsweise erhöhte Grundsteuer doch schon mehr als genug gebeutelt. Da ist wirklich keine Luft mehr nach oben. 

Sind vor diesem Hintergrund die für die kommenden Jahre geplanten Projekte noch realisierbar?

Uwe Kober: Die Beseitigung der Itani-Brache wird ohne Hilfe des Landes ohnehin nicht möglich sein. Ich bin ja schon froh, wenn in diesem Jahr endlich die Bierbach-Brache verschwindet. 

Und dann ist da ja auch noch der Brandschutzbedarfsplan. Wir brauchen eine neue Feuerwache, wir brauchen neue Gerätehäuser in Evingsen, in der Rahmede und am Drescheid. 

Dazu kommen dann noch die normalen Beschaffungen neuer Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände, die ja allein schon immer teuer genug sind, die aber der Sicherheit der Bevölkerung dienen und deshalb unabdingbar sind. 

Da sind wir ganz schnell bei einem zweistelligen Millionenbetrag für die Feuerwehr. Hinzu kommt, dass mir weitere Investitionen in Schulen und Kindergärten sehr, sehr wichtig sind. Wir sind da jetzt schon gut aufgestellt. 

Das muss so bleiben, weil gute Schulen und gute Kindergärten die Stadt für junge Familien attraktiv machen. Man muss sehen, dass das alles nicht nur sehr viel Geld kostet: Man braucht auch hier das Personal, um das alles umzusetzen. 

Müssen Sie jetzt Abstriche zum Beispiel bei der Sanierung der Itani-Brache machen? 

Uwe Kober: Da muss wohl in den nächsten Jahren zumindest ein Teilrückbau stattfinden, schon allein aus Sicherheitsgründen. Wir müssen jetzt zunächst planen, was dort umsetzbar ist.

Welche der anstehenden Aufgaben, die Sie genannt haben, ist für Sie die dringlichste? 

Uwe Kober: Der Lennepark ist ja auf einem guten Weg, da wird man Ende des Jahres schon deutlich was sehen, zumindest am Abschnitt bis zum Bahnhof. 

Und der Rest wird dann auch weitergehen, das kriegen wir hin und das wird uns auch nach vorne bringen, weil dadurch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt deutlich steigen wird. 

In Sachen Feuerwehr haben wir wenig Zeit, eigentlich müssen wir 2024 schon wieder den nächsten Brandschutzbedarfsplan vorlegen. Deshalb ist dieses Thema bei den Prioritäten ganz vorne. 

In den sozialen Medien haben Ihre Mitbewerber mit dem Wahlkampf längst begonnen. Sie machen sich da eher rar. Warum? 

Uwe Kober: Ich beteilige mich gerne an Diskussionen, wenn man mich anspricht – auch im Internet, wo die CDU ja auch präsent ist. Mir ist aber die persönliche Präsenz wichtiger als die im Internet. Ich will aber vor allem keinen Wahlkampf gegen andere machen. Ich mache Wahlkampf für mich.

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