Bürgermeisterwahl in Altena: Katharina Hübenthal (Grüne) im Interview

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Katharina Hübenthal (39), Bürgermeister-Kandidatin für die Grünen.

Katharina Hübenthal (39) tritt für die Grünen als Bürgermeisterkandidatin an. Als einzige Frau gegen drei Konkurrenten. Im Interview erzählt sie, für welche Politik sie steht.

Altena – Die parteilose Rechtsanwältin und Notarin Katharina Hübenthal (39) kandidiert für die Partei Bündnis 90/Die Grünen für das Amt als Bürgermeisterin. 

Über Ihre Ideen und ihre Beweggründe, sich für das kommunale Spitzenamt zu bewerben und anzutreten, sprach Johannes Bonnekoh mit der Kommunalpolitikerin. 

Warum und wann haben Sie sich entschlossen, als Grünen-Spitzenkandidatin zu kandidieren? 

Katharina Hübenthal: Der Entschluss reifte im Laufe der Monate heran. Durch die Ausarbeitung gemeinsamer Programme und Definition gemeinsamer Ziele stellte ich fest, dass ich, egal wie die Wahl ausgeht, auf jeden Fall meinen Ideen mithilfe der Altenaer Grünen im Rat Gehör geben und möglichst viele meiner Konzepte umsetzen möchte. 

Wie gehen Sie konkret auf „Ihre“ Altenaer zu - sind Sie mit ihrem Bekanntheitsgrad trotz Corona zufrieden? 

Katharina Hübenthal: Corona hat mit Sicherheit einige Steine in den Weg gelegt, was den Wahlkampf und damit den Bekanntheitsgrad betrifft. Aber durch die Lockerungen ist jetzt wieder einiges möglich und diese Chancen nutze ich. 

Unser Wahlkampfstand auf dem Wochenmarkt gibt mir die Möglichkeit, mit den Bürgern in direkten Kontakt zu kommen. Der Bekanntheitsgrad ist zumindest schon so groß, dass ein Einkauf oder Bummel durch die Innenstadt mittlerweile deutlich länger dauert als früher. 

Ich stelle außerdem jede Woche Freitag ein neues Video mit meinen Inhalten auf Facebook und Instagram ein. Ich biete auch persönliche Gespräche oder E-Mail-Kontakte an. 

Was möchten Sie als Bürgermeisterin anstoßen, bewirken, verändern? 

Katharina Hübenthal: Ich möchte begonnene Projekte, die ins Stocken geraten sind, wie zum Beispiel den Lenneradweg, oder die nicht weiter vorangetrieben wurden, wie der Schwarzensteinkomplex, mit neuer Energie angehen und zudem neue Projekte ins Leben rufen wie beispielsweise einen zusätzlichen städtischen Kindergarten, einen Spiel- und Freizeitsportplatz im Lennepark für alle Generationen, Mehrgenerationenhäuser und neue kleine, aber feine (Outlet-)Läden in die Innenstadt holen und gemeinsame Konzepte, auch im Onlinebereich, mit den bereits vorhandenen Einzelhändlern und Gastronomen erarbeiten. 

Wir brauchen einen Infoplan für die Touristen, in denen sich Händler und Gastronomen mit ihrem Angebot und Standort präsentieren können, damit die Touristen auch besser mitbekommen, was es alles bei uns gibt und dadurch mehr Kaufkraft in Altena verbleibt. 

Man sagt immer, Altena sei ländlich geprägt. Makel oder Vorteil? 

Katharina Hübenthal: Ich denke Vorteil. Ländliches Leben liegt im Trend. Die Städter sehnen sich nach Natur und ländlicher Idylle. 

Das zeigen zum Beispiel die Urban-Gardening- und Nachbarschaftsprojekte in den großen Städten. In Altena kennt man sich, gibt aufeinander Acht. Das haben auch die ehrenamtlichen Hilfsprojekte während Corona gezeigt. 

Wir sind von Wald umgeben, viele Häuser oder Wohnungen haben einen Garten oder eine Grünfläche am Haus. Hier kann man in der Natur entschleunigen. 

Stichwort Bürgerbeteiligung. Was sagt Katharina Hübenthal? 

Katharina Hübenthal: Ich finde es wichtig, dass man im Dialog mit den Bürgern steht. Um zufriedenstellende Ergebnisse für die Mehrheit der Bürger zu finden, ist die Verwaltung darauf angewiesen, im Vorfeld Ideen und Anregungen der Bürger einzuholen, Probleme in der Praxis aufgezeigt zu bekommen. 

Man kann nicht jede Idee verwirklichen, aber es gilt zu prüfen, ob sie praktisch umsetzbar ist. 

Stichwort Demografie. Da ist und bleibt Altena gebeutelt oder nicht? 

Katharina Hübenthal: Es würde nicht den Tatsachen entsprechen, wenn ich sagen würde, da haben wir in Altena kein Problem. Deshalb möchte ich Altena für junge Menschen mit meinem Programm attraktiver machen. 

Ich möchte erreichen, dass unsere jungen Leute hierbleiben und nicht dauerhaft in anliegende Großstädte ziehen oder dass sie zumindest nach abgeschlossener Ausbildung oder Studium gerne in ihre Heimatstadt zurückkehren und hier beruflich Fuß fassen und ihre Familien gründen. 

Durch die Digitalisierung wird es immer weniger wichtig, dort zu leben, wo der Arbeitgeber sitzt, sondern man kann da leben, wo es einem gefällt. Die Wirtschaft vor Ort muss gestärkt werden, damit im Übrigen genügend attraktive Arbeitsplätze vorhanden sind. 

Ich möchte durch attraktive Wohnkonzepte wie Mehrgenerationenwohnen, Studenten-WGs, für Studierende der entlang der Ruhr-Sieg-Strecke gelegenen Uni-Städte erreichen, dass Altena für die junge Generation wieder attraktiv wird und wir so der Überalterung entgegensteuern. 

Sind Sie eine Teamplayerin? 

Katharina Hübenthal: Ja, aber wenn es sein muss, habe ich kein Problem damit zu sagen, wo es lang geht. Ich finde es wichtig, verschiedene Meinungen und Aspekte einzuholen und dadurch auch neue Wege einschlagen zu können. Das bereichert ungemein. 

Aber ein Team braucht auch immer einen Leader, der verhindert, dass sich das Team verzettelt oder Entscheidungen nicht umgesetzt werden, weil niemand sich zuständig fühlt oder sich traut den ersten Schritt zu gehen. 

Können Sie mit Kritik umgehen? 

Katharina Hübenthal: Ja, ich denke schon. Sachliche Kritik führt schließlich dazu, dass man für sich selbst überprüfen kann, ob der eigene Standpunkt noch richtig ist, oder ob man sich vielleicht in einem Thema verrannt hat oder Aspekte nicht berücksichtigt hat. 

Unsachliche Kritik finde ich jedoch fehl am Platz. Man sollte sich stets gegenseitig mit dem gebührenden Respekt behandeln. Altena hat große Probleme - neben der Herausforderung Demografie. Es stehen große Projekte an. 

Stichworte: Lennepark und Lenneradweg, Markaner Brücke, Entwicklung der Itani-Brache Schwarzenstein. Was plant Katharina Hübenthal und wie schnell wird es passieren (müssen)? 

Katharina Hübenthal: Der Lenneradweg hat auf jeden Fall höchste Priorität. Aus den Gesichtspunkten Tourismusförderung, attraktives Freizeitangebot für die Altenaer und Klimaschutz muss hier kurzfristig etwas passieren. 

Die Berufspendler müssen endlich die Möglichkeit bekommen, zwischen Altena und Werdohl beziehungsweise Letmathe sicher zur Arbeit zu kommen. Das Fahrrad ist das günstigste und klimafreundlichste Verkehrsmittel. 

Die Markaner-Brücke steht zum Glück kurz vor dem Abschluss, da würde es für mich als Bürgermeisterkandidatin voraussichtlich im Herbst nicht mehr viel zu tun geben. 

Die Itani-Brache Schwarzenstein ist ebenfalls ein Projekt, das ich angehen möchte. Im Rahmen meines Tourismuskonzepts ist es eine wichtige Komponente. Ich möchte dort weitere Campingstellplätze schaffen. Auch Konzepte wie Tiny-Houses, Glamping etc. wären dort sicherlich sehr interessant. 

Aber dies wird aufgrund des Umfangs des Konzeptes, der Verfahren die durchlaufen werden müssen, ein längerfristiges Projekt, das nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Wir werden das auch ohne Unterstützung und Förderung beispielsweise des Landes nicht stemmen können, Wünsche sind das eine - Tatsachen das andere. 

Wie wollen Sie die Bürger und die nötigen überörtlichen Stellen mit in eine schnelle Entwicklung einbeziehen? 

Katharina Hübenthal:Info-Veranstaltungen mit den Bürgern im Vorfeld sind meines Erachtens ein guter Weg, um von vornherein Anregungen aufzunehmen. Natürlich dürfen wir keine Luftschlösser bauen, aber gemeinsames Brainstorming kann zu guten Resultaten führen.

Als Bürgermeisterin ist natürlich Netzwerkarbeit für mich eine wichtige Aufgabe. Gute Kontakte zur Landes- und Bundesebene sind unheimlich wichtig. Hier hat Herr Dr. Hollstein in den letzten zwei Jahrzehnten Maßstäbe gesetzt, die für die Nachfolgerin oder den Nachfolger eine hohe Messlatte darstellen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was wären die? 

Katharina Hübenthal: 1. Einen Impfstoff und ein gutes Medikament gegen den Coronavirus – damit wir endlich in die „Normalität“ zurückkehren können. 

2. Als Bürgermeisterin: Eine Trendwende in Altena – steigende Einwohnerzahl. 

3. Und einen ganzen privaten: dass meine Familie gesund bleibt. Die Altenaer Stadtverwaltung ist personell sehr eng gestrickt. 

Wurde da zu viel an Fachverstand eingespart? 

Katharina Hübenthal: Ich denke ja. Durch die schlechte finanzielle Lage und den dadurch eingesetzten Sparkommissar wurden frei gewordene Stellen nicht wieder besetzt. Aber das geht nur bis zu einem gewissen Grad. 

Eine Verwaltung muss handlungsfähig bleiben. Ich möchte soweit wie möglich Personal aufstocken und Vertretungskonzepte für Krankheit und Urlaub mit den Mitarbeitern erarbeiten, damit der Service für die Bürger und die Arbeitsbedingungen für die städtischen Bediensteten sich verbessern. 

Es gibt praktisch keine Debatten- oder Streitkultur im Rat. Wortmeldungen, quer durch alle Parteien, sind die Ausnahme. 

Ihr Eindruck und Wunsch für die Zukunft? Wer wünscht sich denn Schaufensterreden der Kommunalpolitiker? 

Katharina Hübenthal: In Altena bestand zumindest bis jetzt in der Regel Einvernehmen. Es ist natürlich wichtig, durch Wortmeldungen auch mal andere Blickwinkel oder Aspekte einer Sache zu beleuchten. Aber ich halte nichts von Contra-Geben des Contra-Gebens-Willen. 

Wie ist Ihr Verhältnis zu den anderen Ratsfraktionen? Katharina Hübenthal:  Ich gehe erst mal offen auf jeden zu und biete das Gespräch an. Es hat einige Veränderungen bei einigen Fraktionen gegeben. 

Da müssen wir uns erst mal (neu) kennenlernen und schauen wie die Zusammenarbeit im Rat funktionieren wird. 

Was werden Sie als Erstes anstoßen, wenn Sie auf dem Chefsessel im Rathaus sitzen? 

Katharina Hübenthal: Erst mal werde ich mich sämtlichen Mitarbeitern des Rathauses vorstellen, um sie kennenzulernen und das „Team“ zu organisieren und um prüfen zu können, wo gibt es noch Personalbedarf. 

Und die Stelle für die Stadtplanerin ausschreiben, die das Projekt Lenneradweg betreuen soll. 

Die Grünen haben Sie auf Listenplatz eins für den Rat gesetzt. Sie werden also in jedem Fall politisch weiter aktiv sein, möglicherweise im Amt als stellvertretende Bürgermeisterin, dass jetzt eine Parteifreundin innehat? 

Katharina Hübenthal: Ja, ich werde auf jeden Fall in Altena politisch aktiv sein. Ob als Bürgermeisterin, Ratsmitglied oder stellvertretende Bürgermeisterin wird sich zeigen.

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