Bürgermeisterwahl in Altena: Frank Herbel (parteilos) im Porträt

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Familienmensch: Frank Herbel genießt die Zeit mit seiner Frau Manuela, den drei Töchtern Vivien-Helene, Anna-Lena und Lisa sowie Hund Kalle.

Frank Herbel (52) kennt fast jeder in Altena - als Ortschef des THW. Nun tritt er als Bürgermeisterkandidat an - und scheut keine klaren Worte.

Altena – Er liebt Erbsensuppe, ist „mit der Schüppe groß geworden“ und sagt gerade heraus, was er denkt. „Das ist bei mir eben so.“ Frank Herbel, grinst und zuckt mit den Schultern. Ein echter Sauerländer, Altenaer in dritter Generation. 

Beide Großväter schufteten bei den Vereinigten Deutschen Metallwerken (VDM), er absolvierte dort von 1986 bis 1989 seine Ausbildung als Verfahrensmechaniker. Werkzeugmacher, Blechschlosser, dann Wareneingangsprüfer bei Erco in Lüdenscheid. Heute kümmert er sich bei dem Leuchtenhersteller um die Abwicklung von Retouren.

Kommunalwahl in Altena: Kein Typ, der schnell ausrastet

Kein Job ohne Konfliktpotenzial. Ärger aushalten hat Frank Herbel gelernt, ganz offiziell, Schwarz auf Weiß bestätigt. „Stressbewältigung im OV“ steht auf der Urkunde, die in einer blauen Kladde vor dem 52-Jährigen auf dem Wohnzimmertisch liegt. 50 bis 60 Zertifikate hat er bislang dort gesammelt, für den Job und für die Organisation, für die Herbel steht wie kein Zweiter in Altena: das Technische Hilfswerk (THW).

Für das Ehrenamt hat der Ortschef auch einst den Kurs Stressbewältigung absolviert. „Das sind die wichtigsten Kurse, die wende ich fast täglich an“, sagt er und schmunzelt. 

Gute Voraussetzungen für einen potenziellen Bürgermeister. Die Seminare zeigten Wirkung. „Man muss mir schon öfter auf die Füße treten bis ich ausraste“, sagt er. Und man glaubt es ihm sofort. Frank Herbel wirkt gelassen. Ein Typ, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt.

Kommunalwahl in Altena: Allein unter Frauen

Gute Grundvoraussetzung auch als einziger Mann in einem Haushalt mit vier Frauen. „Ich wollte keine Kinder, ich habe Töchter“, scherzt der verheiratete Familienvater. 

Drei an der Zahl: Vivien-Helene (19), Anna-Lena (18) und Lisa (16). Wie schwer hat er es zuhause wirklich? Die Antwort kommt prompt: „Ich habe mir einen Hund gekauft – einen Rüden.“ Wobei Kalle sich ziemlich auf Tochter Anna-Lena fixiert hat. Im Hintergrund zwitschert Tweety. Der Wellensittich will nicht vergessen werden.

Kommunalwahl in Altena: Seit Kindertagen in der Rahmede zuhause

Frank Herbel ist ein Familienmensch, kocht gern und oft und genießt die Zeit daheim im Mehrgenerationenhaus an der Rahmedestraße. Sein Vater wohnt mit im Haus, die Töchter haben in der oberen Etage ihr Reich. 

Mit seinem Vater zusammen schuf er einen Anbau für das Wohnzimmer samt Balkon. „Wer kann schon sagen, dass man von der zweiten Etage direkt in den Garten kommt?“, fragt der 52-Jährige und grinst. Steiles Hang-Grundstück, zig Treppen im und am Haus, das hält fit. 

Als Fünfjähriger zog Frank Herbel mit seinen Eltern dort ein, vorher wohnten sie nur ein paar Hausnummern weiter. Ein echter Rahmeder. 

Kommunalwahl in Altena: Zwei Herbel seit 100 Jahren beim THW

Wobei die Identifikation mit dem Ortsteil lange nicht so groß ist wie bei vielen Dahlern und Evingsern. Herbel fühlt sich als Altenaer. „Ich habe so viele Bekannte und Kontakte über die ganze Stadt verteilt“, sagt er. Und er ist auch in der ganzen Stadt bekannt, das Gesicht des THW.

Nicht immer einfach. „Egal, was ich sage, immer wird es so wahrgenommen, als spräche ich für das THW.“ Auch, wenn er seine ganz persönliche Meinung sagt. 

Die Gruppe ist seine Passion, das Engagement liegt in den Genen. Sein Vater trat dem THW, gegründet 1958, zwei Jahre später bei. „Ohne Corona hätte ich dieses Jahr mit meinem Vater 100-Jähriges gefeiert“, erzählt der Ortsbeauftragte. 

Seit 40 Jahren ist er selbst Mitglied, seit 60 Jahren sein Vater. Den Chefposten übernahm Frank Herbel 2003. 

Kommunalwahl in Altena: Jugend übernimmt das Ruder

Die Jugendarbeit liegt ihm besonders am Herzen. „Es ist toll, was die Jugendlichen alles aus sich heraus leisten“, sagt er voller Anerkennung. Nie muss er um Hilfe bitten, sie einfordern. Bedenken hat er daher nicht, im Falle seiner Wahl im THW kürzerzutreten. „Sie werden groß, das verselbstständigt sich“, sagt er mit Blick auf viele Mitglieder, die er seit jungen Jahren im THW begleitete.

Er kann sich auf seine Truppe verlassen. Und aus dieser Gruppe heraus kam auch die Idee für die Kandidatur. Immer wieder mal sei er darauf im THW angesprochen worden, sagt Frank Herbel. 

Kommunalwahl in Altena: "Parteilos" mag Frank Herbel nicht

Die Idee setzte sich fest, reifte, wurde spruchreif. Der 52-Jährige entschied sich, als Bürgermeister-Kandidat anzutreten. Die 96 Unterstützer-Unterschriften hatte der Parteilose innerhalb weniger Wochen zusammen. 

Der Vorteil eines in Stadt und Vereinsleben Verwurzelten. Wobei Frank Herbel das Wort „parteilos“ nicht mag – und mit „parteineutral“ in den Wahlkampf zieht. Weil er ein Pragmatiker ist, bodenständig, offen, ehrlich. Auch wenn das mal jemandem nicht passt.

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