Bürgermeisterwahl in Altena: Frank Herbel (parteilos) im Interview

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Bürgermeister-Kandidat Frank Herbel (parteilos) spricht im Interview über seine Ziele und Themen.

Frank Herbel (52) tritt als parteiloser Bewerber bei der Bürgermeisterwahl in Altena an. Im Interview spricht er über seine Ziele und Themen, die verschlafen wurden.

Herr Herbel, warum wollen Sie Bürgermeister werden? 

Frank Herbel: Es muss mehr für die Jugend getan werden. Die Jugendarbeit hat keiner bislang richtig auf dem Radar. 

Was wurde denn verschlafen? 

Frank Herbel:  Beispiel Trubel am und im Behörden-Parkhaus. Dort gab es sofort Sanktionen, wir hetzen den Jugendlichen die Polizei auf den Hals. Aber es kam keiner mal auf die Idee, was für die Jugend zu tun, damit das aufhört. 

Ich möchte keine jugendlichen Straftäter in Altena haben, sondern den Jugendlichen was bieten, damit so etwas gar nicht geschieht. 

Wenn wir sie gut beschäftigen – Stichwort Lennepark – dann kommen sie gar nicht auf solche Ideen. Man muss sich um die Jugend kümmern. 

Was kann man den jungen Leuten denn bieten? Wo muss man sie abholen? 

Frank Herbel: Im Ehrenamt sieht man, dass Jugendliche immer mehr Verantwortung übernehmen möchten. 

Wir sorgen mit dem THW gerade in Plettenberg dafür, dass ein Naturschutzgebiet nicht trocken fällt. Dorthin fahren täglich zwei bis vier Helfer, um zu kontrollieren, dass alles gut läuft. Unter ihnen sind auch viele junge Helfer. 

Und das machen sie von sich aus, ich muss niemanden zwingen oder auch nur fragen. 

Mal abgesehen von den Vereinen und deren Engagement: Was muss die Stadt für ihre Jugendlichen tun? 

Frank Herbel: Das fängt beim Jugendzentrum an, das ist nur ein Notnagel. Früher war viel mehr los im Juz als es noch zentraler in der Stadt war. Der aktuelle Standort ist ein No-Go, deshalb wird es meiner Meinung nach auch nicht so gut angenommen. 

Und wie versuchen Sie die Jugend im Wahlkampf zu erreichen? 

Frank Herbel: Ich greife auf das zurück, was ich die letzten Jahre für die Jugend getan habe. Durch Corona habe ich derzeit kaum direkten Zugriff auf sie. 

Aber per Facebook, Twitter und Co. sind sie erreichbar... 

Frank Herbel: Ich bin aktuell auf Facebook und Instagram aktiv, mit meinen Bekannten läuft alles über WhatsApp. 

Neben Zielen für die Jugendarbeit haben Sie sich auch klar zur Zukunft der Feuerwehr positioniert: Die Wache soll an der Bachstraße bleiben. Warum? 

Frank Herbel: Es geht um die Erreichbarkeit. Jede Einheit muss innerhalb kürzester Zeit am Einsatzort sein. Wenn wir einen großen Klotz in die Innenstadt reinbauen wollen, dann müssen wir eine Firma irgendwo abreißen.

Ich sehe keinen Platz dafür in der Innenstadt. Und den geplanten Lennepark dafür zu opfern ist keine sinnvolle Lösung. 

Es hat zwar noch keiner offiziell drüber gesprochen, aber es gibt Überlegungen, die Löschgruppe Knerling mit zur Hauptwache zu verlegen, wenn man sie am Bahnhof neu baut. Dann zieht man das Ehrenamt immer mehr aus den Stadtteilen heraus. 

Als die Löschgruppen Mühlendorf, Nette und Freiheit in der Hauptwache zusammengezogen wurden, hat man schon gemerkt, dass einige Leute aus der Feuerwehr ausgetreten sind. 

Und auch die anderen Gerätehäuser sind nicht mehr ausreichend. Aber das Zusammenlegen ist keine gute Lösung. 

Deshalb war meine Idee eine eigene kleine Löschgruppe am Nettenscheid. Nicht, um einer anderen Löschgruppe etwas wegzunehmen, sondern um Ehrenamt dort oben zu positionieren und möglich zu machen. 

Viele Vereine klagen über erheblichen Nachwuchsmangel. Gibt es denn überhaupt noch genug Leute für zusätzliche Löschgruppen und Ehrenämter allgemein? 

Frank Herbel: Wenn Eltern Kinder nicht an ein Ehrenamt heranführen, dann bleiben die Vereine sicher auf der Strecke. Auch die Erreichbarkeit ist entscheidend: Wir vom THW haben uns gesträubt, nach Rosmart zu ziehen, weil es zu weit weg vom Schuss ist für Jugendliche. 

Das Potenzial ist da, man muss aber wohnortnah was bieten. Stichwort ortsnah: Diesbezüglich sieht es vor allem fürs Einkaufen nicht besonders gut aus in der Stadt. 

Viele klagen über fehlende Läden und die vielen Leerstände. Wie sieht die Lösung aus? 

Frank Herbel: Man sollte versuchen, Altena wieder zur Einkaufsstadt zu machen. Projekte wie Urbact sind gut, aber man sollte dafür kein Personal aus der Verwaltung herausziehen, sondern neues einstellen, am besten aus Regionen, die diesen Wandel geschafft haben, und zwar befristet für ein paar Jahre. 

Ein kontinuierlicher Wechsel beim Personal wäre gut, damit sich nicht alles so einfährt und auch mal frischer Wind in die Stadt kommt. Und für die Mitarbeiter ist es eine Karrierestufe zum Erfahrungensammeln. Jobhopping ist ja heutzutage gang und gäbe. 

Wo sehen Sie denn konkrete Ansatzpunkte, um Altena wieder attraktiver zu machen? 

Frank Herbel: Je mehr wir anbieten, desto besser. Kaffeefahrten nach Altena wären gut. Wenn die Stadt Verträge mit Busunternehmen macht, die Senioren für Kaffee, Kuchen und Burgbesuch nach Altena bringen, profitieren alle davon. 

Sie sollen nicht in die Stadt gefahren werden, zur Burg hochwandern und fürs Kaffeetrinken dann zur Bigge weiterfahren. Wenn täglich 20 Leute kommen und Kuchen holen, bleibt auch für uns Bürger ein Stück Torte übrig. 

Ähnlich ist es mit dem Radtourismus: Die Sportler essen eine Banane und trinken Wasser. Attraktiv für die Stadt sind Touristen. Dafür brauchen wir den Lenneradweg. 

Es fehlt ein Angebot für Radreisende, die von Stadt zu Stadt fahren, Gastronomie und Hotellerie nutzen und das Gepäck hinterhergefahren kriegen. Und auch der Radweg selbst entlang der B 236 ist eine Katastrophe. 

Vom Lenneradweg zum Lennepark. Beides Projekte, die seit Jahren diskutiert werden, ohne dass sich viel Sichtbares tut. Wird es Zeit, dass er nun gebaut wird? 

Frank Herbel: Er wurde geplant, aber wir wissen noch gar nicht, ob er überhaupt angenommen wird. Daher meine Idee für einen Lennepark auf Probe –den Radweg am Finanzamt vorbei weiterbauen und mit einer Brücke zum Stortel verbinden, wo man zum Beispiel einfach eine Wiese einzäunt. 

Man könnte ein Stück abtrennen für Hunde, ein anderes Eck für Sport wie Hand- oder Fußball nutzen und schauen, worauf die Leute überhaupt anspringen und was sie wollen. Beim Lennepark ist mir auch nicht bekannt, dass es Pläne für eine Gastronomie gibt. Auch diesbezüglich wäre es gut zu wissen, was man eigentlich braucht.

Sie haben den Schwarzenstein schon angesprochen. Nicht die einzige Industriebrache in der Stadt. Was soll mit diesen Baustellen passieren?

Frank Herbel: Zur Bierbach-Brache: Anfang des Jahres sollte sie abgerissen werden. Sie steht immer noch. Schwarzenstein: Eine Riesen-Brache, es gibt viele Ideen dafür. Ich habe Baumaschinen-Führerscheine und mal die Fühler ausgestreckt bei denjenigen, die diese Führerschein-Trainings anbieten. 

Es gibt Interessenten, die solche Gelände wie den Schwarzenstein suchen, um dort ausbilden zu können. Vielleicht könnte man solchen Unternehmen diese Brachen für zwei, drei Jahre anbieten, dann sind die alten Gebäude schonmal abgerissen. 

Und danach? 

Frank Herbel: Wir haben dort schmale, längliche Grundstücke. Man kann da eigentlich nur Campingplätze hinbauen, um den Tourismus zu fördern. Die Auflagen für den Standort Schwarzenstein an der Lenne sind für Industrie-Firmen viel zu hoch. 

Viele Altenaer interessiert vor allem die Zukunft des alten Krankenhauses. Was muss da passieren? 

Frank Herbel: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Das alte Linscheid-Bad wurde verkauft, dort soll ein Seniorenheim entstehen. Man will die Senioren also dort wohnen lassen, wo es gar nichts gibt und sie weit weg vom Zentrum sind. Das Gleiche gilt fürs alte Krankenhaus. (Dort plant ein Investor eine Anlage unter anderem mit seniorengerechten Wohnungen und Pflegeheim, Anm der Red.). 

Da ist ja sonst nichts mehr. Ich möchte die Senioren nicht so weit aus dem Zentrum verdrängen. Wir brauchen auch für diese Themen neues Personal für die Stadtverwaltung, um von anderen Städten zu lernen. 

Ein gutes Stichwort: Die Stadtverwaltung selbst ist eine Baustelle. Es gibt große Personal-Engpässe. Die langen Warteschlangen am Bürgerservice sorgten für großen Unmut. Welche Personalpolitik würden Sie als Bürgermeister verfolgen? 

Frank Herbel: Ich würde Personal aufstocken, zum Beispiel im Bürgerservice. Ich möchte zufriedene Bürger haben. Es war der falsche Weg, der bislang gegangen wurde. 

Und wie soll Altena das bezahlen? 

Frank Herbel: Dafür kann ich keine Steuersenkungen versprechen, da die Stadt hohe Ausgaben hat. Auf die Steuern können wir nicht verzichten, die brauchen wir einfach. 

Und bei den Ausgaben müssen wir uns auch ein bisschen danach richten, was die Bürger eigentlich wollen. Wenn 14 000 von 15 000 Einwohnern sich wünschen, die Löcher in den Straßen zu flicken, dann flicken wir eben die Löcher. 

Das heißt, die Verwaltung und Politik sollte sich mehr am Bürgerwillen orientieren? 

Frank Herbel: Ja, meine Meinung: Ein Bürgermeister wird von den Bürgern gewählt und nicht von den Ratsmitgliedern der Stadt. 

Und wie wollen Sie mit den Bürgern ins Gespräch kommen? 

Frank Herbel: Man muss im Internet und in den sozialen Netzwerken aktiv sein und den Leuten zeigen, was man so alles tut. 

Es kann nicht sein, dass auf den Homepages der Parteien nur im Wahlkampf was Aktuelles zu finden ist. 

Und für den direkten Kontakt zu den Bürgern könnte ich mir vorstellen, dass sehr selten genutzte Obst-Büro in der Innenstadt zu nutzen und dort ein paar Tage die Woche zu arbeiten. Homeoffice in der Innenstadt sozusagen. Zum Beispiel auch im Bürgerbüro. 

Wie wollen Sie denn im Fall Ihrer Wahl den Spagat zwischen Bürgermeister-Job und Ehrenamt überhaupt schaffen? 

Frank Herbel: Ich habe viele Leute, die mich beim THW gut unterstützen. Klar müsste ich das Engagement dort zurückfahren. 

Aber die Unterstützung ist groß, die Jungen wollen Verantwortung tragen. Ich muss nicht mehr der Angelpunkt sein, der ich vielleicht mal war. Aber ganz aufhören würde ich natürlich nicht, jeder hat ja sein Hobby. 

Die Kandidatur als Bürgermeister hat viele Konsequenzen. Wie viel Mut hat es gekostet, den Schritt zu wagen? 

Frank Herbel: Die Leute, die mich kennen, wissen: ein Mann, ein Wort. Wenn eine Idee spruchreif ist, wird sie umgesetzt. Ich bin diesbezüglich recht zielstrebig. 

Wann haben Sie sich entschlossen zu kandidieren? 

Frank Herbel: Es hatten sich ja schon einige Bewerber vor mir positioniert. Dann kam immer wieder aus den Reihen des THW die Aussage: ,Das kriegst du auch hin.‘ 

Wir haben dann zwei, drei Wochen diskutiert. Und dann habe ich gesagt: ,Gut, wenn ich von Euch Unterstützung bekomme, dann gehen wir es an.‘ 

Allerdings wird auch alles, was ich sage, als Meinung des THW wahrgenommen. 

Macht es das schwer, als Kandidat Ihr persönliches Profil zu schärfen? 

Frank Herbel: Nein, eigentlich nicht. Ich stehe hinter vielen Dingen und kommuniziere das auch als persönliche Meinung. 

Ich versuche einfach, bei diesen persönlich für mich wichtigen Themen das THW als Team zu integrieren. Wenn die Mitglieder denn wollen und mitziehen. Ich bin ein Typ, der erst die Helfer fragt, ob sie mich unterstützen, bevor ich etwas zusage. 

Sie sind also kein Cheftyp, der von oben regiert? 

Frank Herbel: Genau. Das Wir-Gefühl ist mir enorm wichtig. Klar könnte ich es auch anders machen, aber das ist nicht mein Ding. Ich kann die Leute nicht zwingen. 

Kann das auch als Bürgermeister und Chef der Stadtverwaltung funktionieren?

Frank Herbel: Da muss man zwischen Verwaltung und Bürgern klar trennen. Bei den Bürgern zählt das Wir, in der Stadtverwaltung wäre ich der Chef. Da braucht es klare Linien. 

Der Bürgermeister wird von den Bürgern gewählt, nicht vom Rat der Stadt. Deswegen sehe ich mich auch als parteineutral, ich muss und will keiner Partei hinterherlaufen. Man muss ein Wir-Gefühl schaffen.

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