Hollstein bedauert Schließung des Pflegeheims

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Nach dem Krankenhaus wird auch das Pflegeheim St. Vinzenz geschlossen.

Altena - Die Nachrichten von der Bornstraße sind ernüchternd: „Es tut mir unendlich leid“, sagte Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein in einer ersten Stellungnahme. Er bedauere die Entscheidung des Insolvenzverwalters für die Bewohner und deren Angehörige, aber natürlich auch mit Blick auf die beruflichen Perspektiven der Mitarbeiter.

„Mit jeder Faser meines Herzens“, so Hollstein weiter, „habe ich versucht, das zu verhindern.“ Der Ratsvorsitzende unterstrich zugleich, die Bemühungen um ein Gesundheitszentrum am Ort würden fortgesetzt. „Wir warten damit auch nicht, bis dort etwas verkauft ist.“

Wie der Insolvenzverwalter der Lenne-Kliniken GmbH, Rechtsanwalt Achim Thomas Thiele aus der Kanzlei Husemann & Partner in Dortmund jetzt mitgeteilt hat, muss der Geschäftsbetrieb des von der Lenne-Kliniken GmbH unterhaltenen Seniorenzentrums und Pflegeheims kurzfristig eingestellt werden.

Hohe Verluste erwirtschaftet

Der Altenaer Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein.

Hintergrund hierfür ist, dass mit dem Betrieb des Seniorenzentrums und Pflegeheims gegenwärtig monatlich Verluste in Höhe eines „mittleren fünfstelligen Euro-Betrages“ erwirtschaftet werden. Die Gläubigerversammlung der Lenne-Kliniken hatte daher zur Auflage gemacht, dass bis spätestens Mitte März 2017 ein Weg gefunden werden muss, die Verluste zu vermeiden, also möglichst einen Käufer für den Geschäftsbetrieb des Seniorenzentrums und Pflegeheims zu finden. „Da dies nicht gelang“, so der Insolvenzverwalter, „ist eine Schließung des Seniorenzentrums und Pflegeheims leider unerlässlich.“

Der Insolvenzverwalter war zuletzt mit Kaufinteressenten in intensiven Verhandlungen über den Erwerb der Immobilie und des Pflegeheims. Sowohl die laufenden Verluste des Pflegeheims, aber auch das Risiko, „für Verbindlichkeiten der Lenne-Kliniken GmbH aus Arbeitsverhältnissen haften zu müssen, haben jedoch in den letzten Tagen zum Scheitern „der zunächst vielversprechenden Verhandlungen“ geführt, teilt der Insolvenzverwalter mit.

30 Bewohner müssen neue Einrichtung finden

In dem Seniorenzentrum und Pflegeheim wohnen derzeit 30 Menschen, die zum Teil auch erhebliche Pflegeleistungen in Anspruch nehmen.

Die Schließung erfolge in Abstimmung mit dem Märkischen Kreis als Aufsichtsbehörde. Der Märkische Kreis und der Insolvenzverwalter werden sich bemühen, für die Bewohner des Seniorenzentrums kurzfristig anderweitige Wohngelegenheiten und Pflegeplätze zu finden.

Die Bewohner und ihre Angehörigen haben eine schriftliche Mitteilung über die bevorstehende Schließung des Seniorenzentrums und Pflegeheims erhalten und sollen am Mittwoch durch den Märkischen Kreis und den Insolvenzverwalter in einer Informationsveranstaltung über die nächsten Schritte unterrichtet werden.

Mitarbeiter wurden am Montag informiert

Die Arbeitnehmer der Lenne-Kliniken sind am Montag über die bevorstehende Schließung des Pflegeheims unterrichtet worden.

Es geht um 30 Bewohner und 50 Mitarbeiter.

„Es ist sehr schade, dass auch das Seniorenzentrum nun geschlossen werden muss. Wir hoffen jedoch, gemeinsam mit der Stadtverwaltung die Immobilie so entwickeln zu können, dass für die Stadt auf lange Sicht eine gesundheitliche Versorgung in dem Gebäude erhalten bleibt.“

Die Lenne-Kliniken GmbH hatte am 27. Oktober vergangenen Jahres einen Insolvenzantrag über ihr Vermögen gestellt. Bereits unmittelbar nach der Einleitung des Verfahrens hatte der Insolvenzverwalter die Suche nach Investoren für den Klinikbetrieb und das Seniorenzentrum mit Hilfe eines Beraters aufgenommen. „Aufgrund der Abwanderung von Fachpersonal und hohen betrieblichen Verlusten“ sei der Betrieb dann zur Jahreswende eingestellt worden.

Betriebsrat fühlt sich nicht ernst genommen

„Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Achim Thomas Thiele hat uns nie ernst genommen. Er hat uns in kein Gespräch einbezogen. Wir sind von ihm von Beginn an übergangen worden!“ Das stellte am Dienstag der Betriebsrat der Lenne-Kliniken/Alten- und Pflegeheim fest. Von den einstmals neun Betriebsräten existieren derzeit noch fünf, vier davon sind sogar arbeitstechnisch freigestellt.

„Es ist nicht so, dass wir nichts versucht hätten. Aber, was soll man machen, wenn man am Montag beim Einkaufen plötzlich per Handy-Nachricht die Mittteilung bekommt, ,schau mal auf come-on.de, das Pflegeheim wird geschlossen!’“, konstatierte ein Mitglied bitter enttäuscht. „Wir sorgen uns um die Menschen. Man sagt immer, einen alten Baum verpflanzt man nicht. So kann man nicht mit Menschen umgehen!“ Nach der Gläubigerversammlung hätte es bei vielen Betriebsräten schon irgendwie gegrummelt. „Doch so etwas, ohne Information, ohne das Einhalten betriebsfassungsmäßiger Rechte, das hat uns total geschockt“.

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