Mit 22:8-Stimmen

Grundschul-Standort Evingsen wird geschlossen

Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein bei der geheimen Abstimmung. Die war nötig, weil Ratsmitglieder und der Verwaltungschef massiv bedroht und unter Druck gesetzt wurden. Foto: Köller

ALTENA - Am Ende kam es, wie es sich seit Tagen abgezeichnet hat. Mit 22 Ja-Stimmen zu acht Nein-Stimmen beim Fehlen von drei Ratsmitgliedern empfahl der Stadtrat am Montagabend in geheimer Abstimmung den Grundschul-Teilstandort Evingsen „sukzessive aufzulösen.“

Damit verlassen im Sommer 2018 die letzten Kinder das Schulgebäude mitten im Dorf. Mehr als 90 Minuten hatten sich zuvor Vertreter aller Parteien unter großer Publikumsbeteiligung im Saal längst bekannte Argumente, Standpunkte und Kritik buchstäblich um „die Ohren gehauen“. Neues war dabei nicht zu vernehmen – die Diskussion aus dem Schulausschuss wurde lediglich aufgewärmt.

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Die SPD blieb bei ihrem Fünf-Punkte-Fragenkatalog mit den wesentlichen Inhalten Kosten-Einsparprüfung bei Aufgabe und zudem einem Check möglicher Zuschuss-Rückforderungen von Bund und Land und dem Appell, einen jahrgangsübergreifenden Unterricht sowie die Einrichtung einer stadtweiten Verbundschule zu prüfen. Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein, ganz besonders aber CDU-Fraktionschef Scholz und Grünen-Sprecher Oliver Held sowie Ulrich Biroth (SDA) und Bernhard Diel (FDP), untermauerten noch einmal ihre Vorschläge in Richtung Verbund zwischen dem Mühlendorf und dem Teilstandort Dahle, den diese Parteien gemeinsam tragen.

Mit starker Stimme hatte zuvor vor der geheimen Abstimmung Evingsens Ortsvorsteher Dirk Mühle (CDU) erklärt, er trage die Schließung des Teilstandortes nicht mit, werde nicht mit seiner CDU stimmen. Scholz und Hollstein berichteten von massivem Druck in den letzten Wochen. Der Unions-Fraktionschef: „Das geht zu weit, dass unsere Ratsmitglieder beschimpft, bedroht und deren Kinder angegangen werden. Wir wären bereit, Strafantrag zu stellen, machen wir nur einen dingfest.“ Hollstein erinnerte an seine bisherige Amtszeit seit 1999 und merkte an: „Auch ich habe einen solchen Druck und den Versuch einer Einflussnahme niemals zuvor erlebt.“

SPD-Chefin Ibrom stellte er die Frage, ob ihre Partei, sollte sie und ihr BM-Kandidat die Kommunalwahl gewinnen, den jetzt getroffenen Schulkonsens von vier Parteien kippen würde. Ibrom versuchte auszuweichen, verneinte aber dann doch.

von Johannes Bonnekoh

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