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Bürgerbus zieht Reißleine

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Der Bürgerbusverein sucht dringend Mitstreiter.
Der Bürgerbusverein sucht dringend Mitstreiter. © Privat

Jetzt ist es passiert, jetzt muss die Reißleine gezogen werden. Da es zu wenige Fahrer und Fahrerinnen beim Bürgerbusverein gibt, müssen Touren gestrichen werden.

Altena – Ab dem 1. März rollt der Sprinter nur noch Vormittags durch die Burgstadt. „Wir haben schon überlegt, ob wir uns auf den Markt stellen und Flyer verteilen. Wie können wir die Menschen überzeugen, mitzumachen?“, fragt Geschäftsführer Herbert Fritz.

Nur noch 14 Chauffeure

Im Moment gibt es nur noch 14 Chauffeure: 13 Männer und eine Frau. So werden die Bürgerbus-Fahrten auf wenigen Schultern verteilt, was so nicht mehr zu stemmen ist. „Wir haben in den letzten Wochen erneut einen Fahrer und eine Fahrerin verloren, die altersbedingt bzw. aus gesundheitlichen Gründen ihre Fahrertätigkeit aufgeben mussten. Die angespannte Fahrersituation hat nun dazu geführt, dass der bisherige Fahrplan nicht mehr aufrechterhalten werden kann und reduziert werden muss“, sagt Volker Stehl.

Letzte Fahrt ab Markaner

Ab 1. März gilt zunächst für drei Monate: Die letzte Fahrt beginnt um 12.05 Uhr ab Markaner Richtung Rahmede und Drescheider Berg. Bei Bedarf werden die Fahrgäste auch zum Breitenhagen gebracht. Der Buchholz wird bis auf Weiteres nicht mehr angefahren.

Viele Menschen aufgeschmissen

Bei den Bürgerbus-Fahrgästen dürfte die Nachricht großes Bedauern auslösen, sind doch viele ältere Bürger auf die Fahrten angewiesen. „Die älteren Leute sind dankbar, wenn wir fahren, wenn wir sie vor der Haustür ‘rauslassen, auch mal bei den Taschen helfen. Diese Dankbarkeit, die an uns Fahrer zurückkommt, das geht einem schon nahe. Viele Menschen wären total aufgeschmissen, wenn es uns nicht gäbe“, sagt Herbert Fritz. Er macht den ehrenamtlichen Job seit 2012 und ist immer noch mit Herz und Seele dabei.

Shuttle-Fahrten ab 1. April

Das Fahren mit dem Bürgerbus mache Spaß, der Kontakt mit den Fahrgästen sei immer interessant. Und jeder Fahrer habe die Möglichkeit, seinen Fahrdienst selbst zu wählen. Der Bürgerbus, so betont Volker Stehl, ist in Altena immer ein verlässlicher Partner gewesen – „und das soll auch so bleiben. Ab dem 1. April werden die Fahrten am Wochenende zur Burg wieder aufgenommen, um für die Besucher bequem den steilen Burgberg hinaufzukommen. Wegen dieser „Shuttle-Fahrten“ wurde der Bürgerbusverein auch bereits ausgezeichnet – mit dem Sonderpreis der Märkischen Kulturstiftung und dem Kreisheimatbund. Altenas Bürgerbus ist nämlich weit und breit der einzige, der auch an Wochenenden fährt – und steht dann am Langen Kamp, um Touristen, die dort ihre Autos parken, entweder zur Burg oder zum Burgaufzug zu fahren. Etwa 1000 Fahrgäste gibt es pro Jahr bei diesen Touren, schätzt Herbert Fritz. Dass die Touren hoch zur Burg auch ein fahrerisches Können voraussetzen, versteht sich von selbst. „Aber wenn man zwei, drei Mal da hochgefahren ist, geht es gut. Der Bürgerbus ist sehr übersichtlich“, sagt Herbert Fritz. Nur wenn auswärtige Besucher widerrechtlich oben parken würden, könnte es schon mal eng werden. Schlimmer wären aber eher die Fußgänger beim Mittelaltermarkt.

Mitmachen ist eine Herzensangelegenheit

So oder so: Mitmachen beim Bürgerbusverein ist eine Herzensangelegenheit. Dass es eine ehrenamtliche Aufgabe ist, schreckt, so vermutet Herbert Fritz, viele Leute ab. „Dann suchen sie sich wohl lieber einen 450-Euro-Job.“ Dass die Pandemie auch eine Rolle spielt, ist nicht überraschend. Teilweise musste der Fahrbetrieb ganz eingestellt werden „und da alle Menschen vorsichtig waren, sind die Fahrgastzahlen deutlich zurückgegangen. Wir hoffen natürlich bei einem besser werdenden Pandemieverlauf auf eine Verbesserung der Zahlen“, so Volker Stehl.

Auch Kassierer gesucht

Neben der Suche nach neuen Fahrern muss auch der Posten des Kassenwartes beim Bürgerbusverein neu besetzt werden. „Wer sich also mit Zahlen etwas auskennt und in einem kreativen Team mitmachen möchte, kann sich unter 02352/ 22153 gerne informieren. Laptop und Drucker werden selbstverständlich kostenfrei zur Verfügung gestellt“, rührt Volker Stehl die Werbetrommel.

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