Antrag an den Rat

Bürger fordern Biotonne - Stadt behilft sich bislang mit Trick 

Seit 2017 gibt es die braune Tonne auf dem Gelände des Bauhofs in Altena bereits. Sie steht recht versteckt, genutzt wird sie so gut wie nie.
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Seit 2017 gibt es die braune Tonne auf dem Gelände des Bauhofs in Altena bereits. Sie steht recht versteckt, genutzt wird sie so gut wie nie.

Das Ehepaar Hahne wünscht sich eine Biotonne. Die gibt‘s in Altena nicht für jedes Haus - wie in vielen Kommunen im MK. Obwohl sie Pflicht ist. Städte und Gemeinden behelfen sich mit einem Trick.

Altena – Mit dem Thema Müll muss sich demnächst die Kommunalpolitik beschäftigen. Grund ist ein Bürgerantrag von Friedrich und Susanne Hahne. Sie fordern die Einführung einer Biotonne. Das Abfallgesetz NRW schreibt zwingend vor, dass „biogene“ Abfälle separat eingesammelt werden müssen.

Das gilt nicht nur für Grünabfall aus dem Garten, für die es in Altena bekanntlich Container gibt und die auch an Bringhöfen angenommen werden. Auch für Küchenabfälle, die auf dem Kompost nichts verloren haben, muss eine gesonderte Entsorgungsmöglichkeit geschaffen werden.

Bioabfall auf Bauhöfen: 0,0 Tonnen

Dazu bedienen sich die im Zweckverband für Abfallbeseitigung (ZfA) zusammengeschlossenen Kommunen eines Tricks: Küchenabfälle und Speisereste können in braunen Tonnen entsorgt werden, die an den Bauhöfen stehen. Aus der ZfA-Mengenstatistik für 2020 geht hervor, wie viel Abfall im vergangenen Jahr in Menden, Iserlohn, Altena, Nachrodt-Wiblingwerde, Werdohl, Balve und Plettenberg auf diesem Weg eingesammelt wurde: 0,00 Tonnen.

Friedrich und Susanne Hahne wohnen an der Feldstraße, aus ihrem Wohnzimmer blickt man auf kahle Hänge: Waldsterben und Flutkatastrophe seien doch der Beweis dafür, dass endlich ernst gemacht werden müsse mit der CO2 -Reduzierung, meinen sie. Bioabfall, der in der grauen Tonne landet, wird in der Müllverbrennungsanlage verbrannt, was die Umwelt belastet.

„Geruchsdichte“ Eimer statt brauner Tonne

Der Inhalt von Biotonnen hingegen geht an Biogasanlagen – die nächste steht in Witten und verwertet die Bioabfälle aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Aus etwa 25 000 Tonnen Abfall pro Jahr wird dort soviel Strom erzeugt, dass es für 3000 Haushalte reicht. Quasi nebenbei fällt auch noch Kompost an.

Friedrich und Susanne Hahne aus Altena mit ihrem Eimerchen für den Biomüll: Der Deckel schließt geruchsdicht.

„Ich muss doch bei mir zuhause anfangen“, sagt Susanne Hahne und zeigt auf ein kleines Eimerchen in ihrer Küche, in dem sie Kartoffelschalen, Kaffeemehl, Speisereste und sogar Küchenkrepp sammelt. Riechen tut es erst, wenn sie den geruchsdichten Deckel öffnet. Zwei solcher Eimer gibt es im Haushalt der Hahnes. Zwei bis drei Tage dauere es, bis einer voll sei, berichten die beiden.

Bauhof für Berufstätige schlecht erreichbar

Ist genug Bio-Müll zusammengekommen, geht es zum Bauhof in der Brachtenbeck. „Das ist mir immer ein bisschen peinlich“, gesteht Friedrich Hahne. Die Biotonne steht sehr versteckt auf einem oft abgeschlossenen Teil des Betriebsgeländes. Dann muss er klingeln, damit ihm eine der im Büro tätigen Bauhofmitarbeiterinnen das Tor öffnet. „Die sind aber immer total freundlich“, lobt er. Schlecht für Berufstätige: Nach Feierabend und an den Wochenenden ist keine Biomüllentsorgung möglich.

In ihrer grauen Tonne lande etwa 70 Prozent weniger Abfall als sonst, schätzen die Hahnes. Ihnen ist bewusst, dass eine weitere Tonne möglicherweise höhere Kosten verursacht. „Trotzdem würden wir uns wünschen, dass andere unsere Initiative unterstützen“, sagen sie.

Zielwert für Bioabfall: Altena weit entfernt

Der formale Antrag des Ehepaares hat zur Folge, dass sich der Rat jetzt mit dem Thema beschäftigen muss. Vorher werde er aber die Meinung des ZfA und des Märkischen Kreises einholen, kündigte Bürgermeister Uwe Kober an. Abzuwarten bleibt allerdings, wie lange die im ZfA zusammengeschlossenen Kommunen mit ihrer Quasi-Verweigerungshaltung in Sachen braune Tonne noch durchkommen.

Der Gesetzgeber hat nämlich nicht nur festgelegt, dass biogene Abfälle getrennt gesammelt werden müssen. Seit über zehn Jahren gibt es auch Zielwerte: Wo weniger als 500 Menschen pro Quadratkilometer leben (wie in Altena), soll im Jahr 2021 180 Kilo Bioabfall pro Kopf und Jahr eingesammelt werden, heißt es im Abfallwirtschaftsplan Nordrhein-Westfalen. Davon ist Altena noch meilenweit entfernt. In den Grünabfallcontainern landeten 2020 etwas über 1200 Tonnen. Das waren zwar gut 18 Prozent mehr als 2019, aber eben nur 72,2 Kilo pro Einwohner.

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