Wie arm sind die Altenaer wirklich?

Das verfügbare Einkommen der Altenaer Privathaushalte zeigt, dass die Kaufkraft im NRW-Vergleich vorhanden ist. Nur auf der Einkaufsstraße in der Innenstadt geben die Bürger das Einkommen nicht aus: 40 Prozent der Kaufkraft verteilt sich außerorts.

Altena - Platz 330 von 396 Städten beim Aufkommen der Lohn- und Einkommensteuer – dieses Ranking hat am Mittwoch der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) veröffentlicht. Ist Altena also bitterarm? Es gibt auch ganz andere Zahlen ...

Vorab: Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2014 – die Landesstatistiker müssen warten, bis die Erhebungen in den Finanzämtern abgeschlossen sind. Das muss aber nichts heißen: Auch in anderen Jahren lag Altena ganz weit hinten, wenn es ums Steueraufkommen ging. 2010 kam die Stadt auf Rang 338, 2013 auf 332.

34 181 Euro pro Jahr verdiente 2014 Altenas durchschnittlicher Steuerzahler. Knapp 290 Millionen Euro hatten die 8 488 Steuerpflichtigen im Jahr 2014 insgesamt zur Verfügung.

Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr

Immerhin hat die Stadt im Vergleich zu 2013 zugelegt, da waren es nur 33 109 Euro pro Steuerzahler. Die Frage ist allerdings, wie aussagekräftig solche Statistiken über den Reichtum respektive die Armut einer Stadt überhaupt sind. Es gibt nämlich auch ganz andere Werte. IT.NRW führt nämlich auch eine Statistik darüber, was pro Kopf in der Bevölkerung ausgegeben werden kann – und dieser Wert liegt in der Burgstadt im Jahr 2014 bei 21 730 Euro. Das ist Platz 171 unter den 396 NRW-Kommunen. Im Jahr 2015 steigerte sich Altena sogar mit einem Einkommen von 22 265 Euro je Einwohner auf Platz 155. Das verfügbare Einkommen gibt an, welcher Betrag Bürgern für Konsum- und Sparzwecke zur Verfügung steht. Die Altenaer haben also weniger zu versteuerndes Einkommen, aber mehr Geld in der Tasche als der Durchschnitts-NRWler.

Kaufkraft bleibt weiterhin hoch

Warum das so ist, das konnte sich gestern auch Leo Krüll von der Pressestelle des Landesbetriebs Information und Technik nicht erklären: „Grundlegend sind es zwei verschiedene Statistiken. Die Diskrepanz ist aber schon deutlich. Es könnte ein Ungleichgewicht der Bevölkerungsstruktur vorliegen, in der es viele Rentner und Kinder gibt.“

8 488 Steuerpflichtige bei 17 595 Einwohnern

Von den 17 595 Einwohnern in Altena im Jahr 2014 waren 8 488 steuerpflichtig, das sind 48,2 Prozent. „Die Werte je Einwohner können dabei aber schon von einigen Wenigen, die sehr gute, hohe Einkommen oder sehr niedrige Einkommen haben stark beeinträchtigt werden, wenn die Gesamtzahl der erfassten Personen nicht sehr hoch ist“, erklärt Krüll. Allerdings: Auch auf Kreisebene liegt der Anteil der Steuerzahler ebenfalls bei rund 48 Prozent.

Eines zeigen die Werte des verfügbaren Einkommens auf jeden Fall: In Altena ist Kaufkraft vorhanden, und zwar mehr als in vielen anderen Städten. In dieser Hinsicht decken sich die Zahlen IT.NRW mit anderen Untersuchungen zum Beispiel für das Gutachten, das die Grundlage zur Genehmigung des neuen Edeka-Marktes in der Rahmede bildete und das davon ausging, dass die Altenaer pro Jahr allein 40 Millionen für Lebensmittel ausgeben.

Insgesamt stehen ihnen jährlich sogar 386 Mio. Euro zur Verfügung. Die Crux ist, dass nur ein Teil dieses Geldes in Altena bleibt. Der vorher schon hohe Kaufkraftabfluss in Nachbarstädte hat mit der Schließung des toom-Marktes noch zugenommen, die Bürger fahren eher nach Lüdenscheid, Iserlohn, Nachrodt-Wiblingwerde oder sogar Dortmund.

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