Bücherei: Stadt zahlt sich selbst hohe Miete

Schön - und ganz schön teuer: Für die Stadtbücherei setzt die Stadt eine kalkulatorische Miete an, die weit über dem Marktniveau liegt.

ALTENA -  Die Zahl ist erschreckend: 317.000 Euro pro Jahr kostet die Stadtbücherei den Steuerzahler – und das ist auch Folge einer deutlich überhöhten Miete. 12 Euro pro Monat und Quadratmeter zahlt die Stadt an sich selbst. Das ist die Kaltmiete, die Nebenkosten kommen noch hinzu.

Einerseits ist es eine interne Verrechnung und damit eigentlich egal. Andererseits wird durch die hohe Miete natürlich ein verzerrtes Bild gezeichnet – bedenklich, weil das Gemeindeprüfungsamt im Altenaer Rathaus ein und aus geht und nach Einsparungsmöglichkeiten sucht. Dazu werden auch Kennzahlen wie die Kosten für die Bücherei mit denen anderer Städte verglichen.

Wie die 12 Euro zustande kommen, versucht Uwe Krischer vom städtischen Gebäudemanagement zu erklären: Bei neueren Gebäuden wie der Stadtbücherei kenne man deren „Herstellungswert“ und könne dementsprechend abschreiben. Diese Abschreibungen und die Ausgaben für die Gebäudeunterhaltung führten dann zu einer kalkulatorischen Gesamtmiete, die für die Bücherei eben 12 Euro pro Quadratmeter betrage. Bei 809 Quadratmetern Nutzfläche führe das zu einer Jahresmiete von rund 110.000 Euro, sagte Krischer gestern auf Anfrage.

Damit ist die Stadtbücherei das mit Abstand teuerste Gebäude im städtischen Portefolio. Es folgt mit Quadratmeterkosten von etwa zehn Euro pro Monat die Burg Holtzbrinck. „Deutlich niedriger“ liegen nach Angaben Krischers die Kosten für die Büros im Rathaus – was auch daran liegt, dass hier anders gerechnet wurde. Niemand weiß, was das Rathaus gekostet hat – deswegen wurde ein „kommunalnutzungsorientierter Wert“ ermittelt und zur Grundlage der Miete gemacht.

Ulrich Biroth von der sozialen und demokratischen Alternative hat sich in der Vergangenheit schon mehrfach schützend vor die Bücherei gestellt. Er will jetzt von der Verwaltung im Detail wissen, wie sie die Abschreibung der Stadtbücherei berechnet hat.

Darauf darf man gespannt sein: Geht man davon aus, dass von den 110.000 Euro jährlicher Kosten 10 .000 Euro für die Gebäudeunterhaltung ausgegeben werden, so müsste die Bücherei einstmals fünf Millionen Euro gekostet haben – ein solcher Anschaffungspreis ergäbe bei einer Nutzungsdauer von 50 Jahren (die bei Gebäuden üblicherweise angesetzt wird) eine jährliche Abschreibung von 100.000 Euro.

Gebaut wurde die Bücherei in einer Zeit, in der Baukostenexplosionen in Altena nicht unüblich waren. 1985 kaufte die Stadt die beiden denkmalgeschützten Häuser Marktstraße 14 und 16, um sie zu sanieren und die Bücherei dort unterzubringen. Anfangs wurden die zu erwartenden Kosten auf 1,25 Mio. Mark geschätzt – doch dann fand man Hausschwamm, Käfer im Gebälk und vieles mehr, was die Kosten in die Höhe trieb. Als die Bücherei im Januar 1989 eingeweiht wurde, ging man von Sanierungskosten in Höhe von 2,4 Mio. Mark aus – ein Betrag, der die heutigen Abschreibungen bei weitem nicht erklären kann.

von Thomas Bender

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