Der Bücherei gehen die Leser aus

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Buchausleihe in der Stadtbücherei: Die Nutzung dieses Angebotes ist rückläufig.

Altena -  7,43 Euro kostet es den Steuerzahler, wenn in der Stadtbücherei ein einziges Buch ausgeliehen wird. Das ergibt sich aus den Ansätzen im Kulturetat des Haushaltsplans.

Dass die Bibliothek ein solches Zuschussgeschäft ist, liegt vor allem an den hohen Kosten für das Gebäude – es verschlingt 156 000 Euro im Jahr. Hier wurde Ulrich Biroth (SDA) während der Etatberatungen des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur hellhörig: Warum der Ansatz nicht gesunken sei, wollte er mit Blick auf die „Untervermietung“ von Teilen des Gebäudes an das Tagespflegebüro der Awo wissen – eine Frage, der die Verwaltung nachzugehen versprach. 2,5 Stellen weist der Stellenplan für die Bücherei aus, dafür fallen 149 000 Euro Personalkosten an. Für die Anschaffung von Büchern und anderen Medien bleiben da gerade mal 23 000 Euro übrig.

Die Zahl der aktiven Leser geht pro Jahr um etwa sieben Prozent zurück. 1079 der gut 17 000 Altenaer sind als Nutzer registriert. Das sei zum einen dem allgemeinen Trend geschuldet, liege zum anderen aber auch an der demographischen Entwicklung, sagte Stefan Kemper in der Sitzung. Es falle auf, dass zwar nach wie vor viele Kinder und Jugendliche einen Leseausweis haben, viele würden davon aber keinen Gebrauch machen.

Mit der Zahl der Leser sinkt auch die Nutzung. 43 000 Medien wurden im vergangenen Jahr ausgeliehen, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 15 Prozent. Die Möglichkeit der elektronischen „Onleihe“, bei der man sich über das Internet Bücher auf das Tablet oder den PC laden kann, wurde in den ersten neun Monaten dieses Jahres etwa 2500 Mal genutzt. „Da hatte ich mit mehr gerechnet“, gesteht Büchereileiter Antonius Gusik ein.

Gemeinsam mit seinem Team sucht der Diplombibliothekar nach Wegen aus der Krise. So soll versucht werden, das Interesse junger Leser anzukurbeln – zum Beispiel durch eigens ausgebildete Lesepaten, die in Grundschulen und Kindergärten die Lust am Buch wecken sollen. Ein weiterer Ansatz betrifft die Öffnungszeiten: Er höre oft, dass Besuche in der Bücherei gerade für Berufstätige kaum möglich seien, sagte Gusik. Deshalb plane er eine entsprechende Umfrage unter den Nutzern. Die wöchentliche Öffnungszeit der Bücherei liegt unter 20 Stunden. Sie hat nur einmal pro Woche vormittags geöffnet und nur an einem Samstag pro Monat.

Der Ausschuss nahm die Zahlen (abgesehen von Biroths Einwand) kommentarlos zur Kenntnis. Einstimmig sprach er sich für eine enge Zusammenarbeit mit der Gemeindebücherei in Nachrodt aus. Sie wird unter anderem zur Folge haben, dass Altenaer auch dort Bücher entleihen können. Aus der SPD-Fraktion kam in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass dann sich ergänzende Öffnungszeiten der beiden Büchereien interessant sein könnten. - ben.-

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