Vor 150 Jahren Lesungen in der Markstraße

Stumme Zeugen der Gründungszeit

An diesen Haken im Kellergewölbe der Bücherei wurden im Hotel Quitmann Lebensmittel gelagert.  Foto: Hornemann

Altena -  Das wunderschöne Büchereigebäude in der Marktstraße schlägt einen Bogen zwischen der Gründungszeit vor 150 Jahren und dem heutigen Standort: Das Comté für öffentliche Vorträge in Altena, das überhaupt für die Entstehung der Volksbibliothek sorgte, lud seine Referenten gern ins Hotel Quitmann ein. Und das befand sich 1864 genau dort, wo heute die Stadtbücherei Altena ansässig ist.

„Im Keller finden wir heute noch stumme Zeitzeugen dieses Hotelbetriebs“, erklären Büchereileiter Antonius Gusik und Mitarbeiterin Anges Frassek. Ein Trinkwasserbrunnen und in die Decke eingelassene Metallhaken zur Lagerung von Lebensmitteln befinden sich dort bis heute, sind jedoch weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet.

Erd- und Obergeschoss beherbergen tausende von Medien. Die Kundschaft genießt es, stundenlang zu stöbern zwischen gedruckten Schätzen. Eine solche Freiheit hatten die Bürger bis in die 1960er Jahre nicht: Die aktuelle Ausstellung im Lesecafé zeigt Originalaufnahmen vom Tresen, über den die Bücher persönlich an die Leser ausgegeben wurden.

Das handhabte auch einer der berühmtesten Altenaer Büchereileiter so: Paul Kriegeskotten übernahm 1898 als zehnter Büchereileiter die Geschicke und revolutionierte das Ausleihwesen. Er katalogisierte die Bestände akribisch, beantragte mehr Platz und Geld für die Bücherei und führte als erster eine ständige Statistik ein, anhand derer erkennbar war, was für ein Publikum die Bücherei aufsuchte. Auch jetzt noch bildeten Arbeiter die größte Leserschicht. „Für Kinder gab es nichts“, hat Agnes Frassek herausgefunden.

Gustav Selve erhöhte die Frequenz, indem er seinen Angestellten die Hälfte der Abo-Gebühr erstattete. Zeitweilig war Lesen ein echter Luxus, als diese Abgabe den Wert von zwei Broten hatte.

Mit dem Ersten Weltkrieg brach auch eine bittere Zeit für die Bücherei an, denn Paul Kriegeskotten wurde eingezogen. In Publikationen aus dieser Zeit wurde ein Aufruf wie eine Reklame veröffentlicht: „Sendet Bücher ins Feld! Unsere Soldaten brauchen auch geistige Anregung“ - von Ina Hornemann

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