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Es gibt sie noch, die Reste der Berg‘schen Produktion im Firmengebäude an der Rahmedestraße. ▪

ALTENA ▪ Sie schrieb ein Stück Wirtschaftsgeschichte, die Firma Wilhelm Berg. Aus kleinen Anfängen ab 1850 entwickelte sich in Familienbesitz eine Unternehmensgruppe mit 3000 Mitarbeitern und Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf, Münschen und Frankfurt. Von Thomas Keim

Jetzt geht dieses Kapitel endgültig zu Ende. Nach der Firma Wilhelm Berg GmbH & Co KG in der Rahmede und dem Märkischen Stahldrahtwerk (MSW) geht jetzt auch das Insolvenzverfahren über die Firma WBG Berg zu Ende, die Grundstücks- und Immobiliengesellschaft der Unternehmensgruppe Berg. Deren Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Andreas Schoß, sitzt in der Wuppertaler Anwaltskanzlei Blesinger. Das WBG-Insolvenzverfahren habe sich in die Länge gezogen, berichtete gestern Dr. Niels Brückelmann, ebenfalls aus dem Hause Blesinger. Der letzte Jahresabschluss der WBG-weist einen nicht gedeckten Fehlbetrag von 8,5 Millionen Euro aus. Wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit war im Mai 2002 das Insolvenzverfahren über die WBG eröffnet worden.

In das Insolvenzverfahren gingen zwei „operative“ Unternehmensteile und die WBG. Die beiden Firmen MSW und Berg waren 1996 fusioniert - zumindest der Berg-Unternehmensbereich, der noch existierte.

Kernstück und Angelpunkt ist die Wilhelm Berg GmbH an der Rahmedestraße. Eines der Markenzeichen der Firma waren Speichen unter dem Warenzeichen Kleeblatt. In der Speichenherstellung war die Firma Berg europaweit Marktführer, belieferte als Erstausrüster Fahrrad- und Motorradhersteller. Weiter wurden Federn gefertigt, Krankenhausmöbel und Matrazen. Als Gründungsjahr der Drahtzieherei Berg ist 1885 verzeichnet, es gab jedoch Vorläuferbetriebe von 1853 und 1873.

Untrennbar verbunden mit der Firma Berg ist der Name Fritz Berg. Der 1901 in der Burgstadt geborene Sohn Friedrich Bergs trat 1928 nach einem Studium in Köln und einem Aufenthalt in den USA – er führte ihn unter anderem zur Firma Ford – in die Geschäftsführung des Altenaer Unternehmens ein. Fritz Berg wurde erster Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Der Unternehmer, der bei Höllenstein ansässig war, unterhielt gute Kontakte zu Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer. Nach ihm ist die Fritz-Berg-Brücke benannt, aber auch das Fritz- Berg-Haus, das durch eine Stiftung Bergs errichtet wurde, die nach seinem Tode 1979 ins Leben gerufen wurde.

Viele Kontakte pflegte Fritz auf dem 26 000 Quadratmeter großen Gut Ruckeljahn, dem herrschaftlichen Anwesen an der Stadtgrenze zu Neuenrade. 1948 hatte der Unternehmer den Bauernhof gekauft und kernsaniert. Anfangs führte Berg sogar die vorhandene Milchwirtschaft fort, die früher einmal auch das Altenaer Krankenhaus beliefert hatte.

Neben dem Herrenhaus gehören dazu ein weiteres Einfamilienhaus, eine Scheune mit Pferdestallungen und einem Glockenspiel am Giebel, ein eigener Badesee mit großem Fischbestand, zwei Gartenpavillons, eine Pferdekoppel und natürlich Parkanlagen.

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