1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Altena

Wie weit geht Meinungsfreiheit?

Erstellt:

Von: Ines Engelmann

Kommentare

Hält ein Buch im Kampf gegen rechtes Gedankengut in den Händen: Babette Ossenberg, Leiterin der Stadtbücherei Altena zum Thema braune Literatur.
Hält ein Buch im Kampf gegen rechtes Gedankengut in den Händen: Babette Ossenberg, Leiterin der Stadtbücherei Altena zum Thema braune Literatur. © Engelmann, Ines

Mächtig Aufruhr hat es bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gegeben. Der politisch rechts zuzuordnende Jung-Europa-Verlag erhielt einen zentralen Platz auf der Messe. Dies stieß auf so viel Unverständnis, dass einige Autoren ihre Lesungen absagten. Doch wie gehen Bibliotheken und Buchhandlungen im Lennetal mit diesem Thema um? Wo liegen die Grenzen der Meinungsfreiheit?

Altena – „Unsere Aufgabe ist es, die Meinungsvielfalt zu gewährleisten,“ sagt Babette Ossenberg, Leiterin der Stadtbücherei Altena. Die rund 41 000 Medien in der Bücherei müssten ein möglichst weites gesellschaftliches Spektrum abbilden. Es sei schwierig einzuschätzen, ob Leser sich mit den Inhalten rechter Bücher kritisch auseinandersetzten: „Wir müssen auch bedenken, dass nicht alle, die solche Bücher ausleihen, auch rechts sind.“

Um sicher zu gehen, dass mit politisch rechten Werken reflektierend umgegangen wird, ist in der Altenaer Bücherei beispielsweise die stark kritisierte Neuauflage „Mein Kampf“ von Adolf Hitler nur vor Ort und unter Aufsicht einsehbar. In der Werdohler Bücherei ist dieses Buch überhaupt nicht erhältlich. „Wir haben sehr viel diskutiert, ob wir es ausstellen sollen. Wir haben uns wegen des Inhalts dagegen entschieden“, erklärt Katharina Bode, Leiterin der Stadtbücherei Werdohl.

Babette Ossenberg überprüft stichprobenartig, ob in der Kritik stehende Bücher häufig ausgeliehen werden. Bisher konnte die 53-Jährige aber keine Auffälligkeiten entdecken. Auch in der Werdohler und Plettenberger Bücherei werde darauf geachtet und Hinweisen nachgegangen, sagt man dort.

Bücher über Vielfalt

Viele Bücher mit rechten Inhalten haben die Büchereien im Lennetal ohnehin nicht. „Wir haben mehr Bücher über Vielfalt, wie zum Beispiel ‘Mein Kampf gegen rechts’ und ‘Gib mir mal die Hautfarbe’,“ sagt Ossenberg. In „Mein Kampf gegen rechts“ schildern Menschen verschiedenster Couleur, wie sie sich gegen Rechtsextremismus positionieren. Einer der Autoren ist Andreas Hollstein, der ehemalige Bürgermeister von Altena.

In der Werdohler Bücherei stehen Bücher wie „Ein Araber und ein Deutscher müssen reden“ von Hans Rath und Hames Abdel-Sanad, die sich mit dem Thema Religion und Verfolgung auseinandersetzen.

Doch nicht nur die Inhalte bieten Diskussionsbedarf: Auch die Autoren selbst werden hinterfragt. Schließlich gibt es auch Autoren wie Attila Hildmann, dessen vegane Kochbücher natürlich unpolitisch sind, der aber persönlich der rechten Szene zuzuordnen ist. „In solchen Fällen prüfen wir die Bücher. Sehen wir keine Verschwörungstendenzen, dann behalten wir sie im Bestand“, sagt Babette Ossenberg. Hildmanns Kochbücher sind auch in der Werdohler und Plettenberger Stadtbücherei erhältlich. Ausgeliehen würden sie aber mittlerweile kaum noch.

Ständiger Austausch

Ähnlich läuft es auch in den Buchhandlungen. Bei Katerlöh in Altena beispielsweise kommt es ebenfalls auf den Inhalt der Bücher an. „Mit rechten Büchern habe ich es hier selten zu tun. Diejenigen, die solche Literatur bevorzugen, bestellen sie meistens im Internet“, sagt Inhaberin Gerlinde Fuhrmann.

Grundsätzlich handhaben es alle angesprochenen Einrichtungen so, dass sie regelmäßig ihre Bestände auf kritische Inhalte überprüfen, Hinweisen von der Leserschaft nachgehen und im ständigen Austausch mit spezialisierten Lektoren stehen. Zudem richten sie sich beim Einkauf nach Bestsellerlisten und Empfehlungen von erfahrungsgemäß seriösen Verlagsgruppen.

Auch interessant

Kommentare